Wildkogel Schmittenhöhe, der 70 km Klassiker im Pinzgau
Abgeklappert vom Flugschreiber Markus S.
Nach vielen Jahren ehrfürchtigen Zuhörens und Lesens, Studierens und Planens hat mich endlich mal jemand in den Hintern getreten, und so war ich über Christi Himmelfahrt 2000 auch endlich mal im berühmten Pinzgau. Das Datum war sicherlich kaum zu übertreffen, die heiligen Fluglotsen aber waren wohl mit der Himmelfahrt von dieser wichtigeren Persönlichkeit beschäftigt, so dass ich über ehrenvolle 5 km nicht hinauskam. Mein Pinzgauer Spaziergang beschränkte sich teilweise auf den Boden und war mit dem Schirm auf dem Rücken auch kein reiner Genuss.
Immerhin war es eine Gelegenheit den
Startberg Wildkogel näher kennen zu lernen.
Die Bahn, baulich so schön ins Ortsbild integriert dass wir sie kaum fanden, ist topmodern und dabei mit 85 Schillinge für Gleities erstaunlich billig. Flott gehts ca. 1200m hinauf und oben hat man einen einzigartigen Blick auf abgekratzte flache Skipisten und gigantische Bergerlebniszentren. Immerhin sind die Toiletten dementsprechend nobel.
Schön ist der Berg wirklich nicht und der Startplatz hat mit seiner eingezäunten Runway auch den Charme eines Großflughafens, die Ausrichtung, Größe und Oberflächenqualität ist dafür vom Feinsten.
Typisch
für den Wildkogel scheint zu sein, dass ab 13.00 gerne der Nordwind von hinten
rüberschwappt und bei uns gab es auch früh nur schwache Ablösungen von vorne. Wer immer
startete, soff in kürzester Zeit ab und es schattete auch noch zusehends ab. Kurzum nach
1,5 h warten nutzten wir um 13.45 eine startbare Phase um wenigstens nicht einpacken zu
müssen, da trug es plötzlich etwas.
Ich weiss nicht warum, aber im leicht leeigen SW-Hang zwischen Mittelstation und Bergstation blubberte es etwas unschlüssig hoch und ich konnte mich nach halbstündigem Kampf wieder auf Startplatzniveau hocharbeiten. Von wegen starke und zuverlässige Wildkogelthermik. (gelbe Zonen in der Karte = Thermik)
Die Mittelstation als Startpunkt fotografiert, flog ich mit wenig Hoffnung Richtung Pass Thurn los. Auch der gut sichtbare Sender Hohenbramberg weit unten im Tal soll ein guter Startpunkt sein, weil man ihn abends von unten aus im Sektor fotografieren kann.
Ich tingelte den Wildkogel-Ausläufer nach
Osten entlang und erwischte über dem niedrigen waldigen Teil noch einen Bart bis auf
2800m. Mit dieser Höhe schien mir die Querung zur Resterhöhe, dem letzten Gipfel vor dem
berüchtigten Pass Thurn problemlos zu sein. Die schön angestrahlte Südseite dort war
allerdings leider mausetot und der N-Wind vom Pass strich schon leicht die Hänge hinab.
Mist denke ich, Leefalle, wurde schon besseren Piloten zum Verhängnis, gehe ich wohl zum
Landen. Günstigerweise kam mir in diesem Moment eine Gruppe Hochleistungscracks entgegen,
die offensichtlich die Lage besser peilten wie ich. Die pfiffen auf die schönen S-Hänge
und die starke Sonne an der Resterhöhe und heizten auch noch beschleunigt einfach ins
schattige Tal raus. Ich kombinierte sofort. Die wechseln die Talseite, die retten sich an
den bekannten Prallhang in Hollersbach, die......uups! Der erste hatte in einen Bart
eingedreht, der ihn schneller hoch zog als er vorwärts flog. Der zweite und dritte
erwischten es fast genauso, und das alles einfach über dem Fuß meines Berges. Nix wie
hin. Ich erreichte die Stelle rechtzeitig und konnte so genau südlich des Gipfels über
der kleinen und letzten Steilstufe ins Tal bequem bis zur Basis aufdrehen. Erstmal
gerettet.
Nach der Talquerung hatte ich noch 2200m und mit zunehmender Annäherung an die S-W-Flanke des Schellenberges geriet ich in den N-Fallwind vom Pass Thurn. Als guter Lehrbuchpilot wäre ich jetzt nicht ins Lee hinter eine Rippe geflogen, hätte keinen 2 bis+6 Meter Bart erwischt, wäre nicht in 4 min. an der Basis gewesen, hätte Nichts zu schreiben gehabt, hätte aber auch nicht das Gefühl gehabt einen Tiger zu reiten und hätte mich vielleicht nächstens verleiten lassen einen Leistungsschirm zu kaufen. So bin ich mit meinem Arcus S hoch zufrieden und dem Weg zur Schmitten stand nichts mehr im Wege.
Der vielgelobte Pinzgauer Spaziergang war wirklich total easy, wobei mir schien, dass es eher in der Mitte der Südrippen ging, als überm Grat. Immerhin war es im Gegensatz zum Tag darauf schon noch einiges Gekurble bis zur 2. Wende. Am Samstag sollte ich nämlich auf den ca. 25 km zwischen Pass Thurn und Schmittenhöhe nur 2 Spiralkreise brauchen, aber das wusste ich ja da noch nicht.
Zurück flog ich obwohl es schon recht spät war alles bei einer Basis von 3100m auf der selben Talseite. Der Retterbart südlich der Resterhöhe stand immer noch da und ins Schwitzen kam ich nur noch im Endanflug auf die Mittelstation. Der Nordwind über den Wildkogel bescherte konstante 3m Sinken und so hatte ich gerade noch 200m über dem Zielpunkt. Selbst jetzt um 17.15 konnte ich allerdings aus der SW-Seite hinter der Mittelstation nochmal in einem Zug auf 3000m aufdrehen und abschliessend 45min "Genuss- und Abkühlrunden in der Abendthermik" (Jo Bathmann) dranhängen. Dass ein Tag der so zäh und schattig begann, noch so gut werden kann hätte ich nie gedacht.
Fazit:
Ausschreiben kostet nichts, drum spare ich in Zukunft nie an der Startmeldung. Es war wirkliches Glück, dass ich diesen Flug dokumentieren konnte.
Das Pinzgau wird seinem Ruf als hervorragendes Streckengelände tatsächlich gerecht, der Wildkogel als Startberg zeigte sich bei mir etwas schwach auf der Brust. Wenn auch die Schmittenhöhe unverschämt teuer sein soll, überlege ich mir trotzdem nächstens den Ausgangspunkt zu wechseln.