Vortag
Die anstrengende Fahrt im Bus in der Nacht zum Samstag wurde mit herrlichem Wetter
belohnt. Nach dem Frühstück gönnte ich mir noch einen Schönheitsschlaf und war deshalb
erst gegen 14:00 Uhr startbereit. Trotzdem reichte es um bei einem kleinen Dreieck die
Gegend zu erkunden (Steinbergkogel, Großer Rettenstein, Choralpe ).
Am nächsten Tag verabredete ich mit Werner den Einflug ins nahe Pinzgau zu versuchen.
Werner sah sich aber genötigt einen frühen Genussflug zu unternehmen. Da er sich trotz
zeitiger 2. Auffahrt mit den Startvorbereitungen Zeit läßt, starte ich alleine gegen
12:30 Uhr, um die Thermik zu erkunden. Der erste Versuch das Brechhorn anzufliegen endet
mit dem Rückzug ins Windautal. Dort kann ich aber an der vom Vortag bekannten Stelle, von
unter Startplatzniveau zum Gampenkogel hinaufdrehen. Jetzt war auch am Brechhorn Anschluss
zu finden.
Wer zu spät kommt ...
Wer zu spät kommt den bestraft das Leben. Da Werner die Westendorfer Hänge ausfliegt,
verliere ich ihn aus dem Funk und muß meine Reise leider alleine fortsetzen. Es folgte
jetzt der Sprung zum "Großen Rettenstein". Dort steht wie gestern der Bart an
der nördlichen Gräte. Die große gut angestrahlte Felswand des "Kleinen
Rettenstein" verleitet mich den zögerlichen Bart nicht voll auszudrehen und früh
zur Querung anzusetzen, dies wurde allerdings sofort mit anhaltendem Sinkalarm bestraft.
Bei ca. 300 m unter dem Gipfel an einer Gruppe Gemsen vorbei, konnte ich erst dicht am
Fels und anfangs zögerlich, dann immer verläßlicher, an Höhe gewinnen.
Begegnungen
Kurz unterhalb des Grates wurde
ich den am Gipfelkreuz sitzende Wanderer gewahr, der mich wohl schon eine ganze Weile
beobachtet hatte. In dem kurzen Moment der Begegnung, mit einem anderen Freund der
Berghöhen, grüßten wir uns fröhlich und das jetzt rasante zunehmende Steigen
veranlasste ihn mir begeistert etwas zuzurufen. An der Basis angekommen, überraschte mich
nun die Höhenanzeige mit der von mir bislang noch nie erreichten Höhe von 3400 m.
Hatte ich anfangs noch Kontakt mit der Choralpe, so hörte ich jetzt andere Flieger im
Funk: "Hansi für Stefan, bitte kommen". Im Gegensatz zu Hansi konnte ich mich
mit Stefan gut verständigen und erfuhr so, dass er die RheinMoselLahner kannte und der
angerufene Hansi sogar Mitglied bei uns sei. Die Beiden waren am Hochfelln gestartet und
hatten wie ich Zell am See auf Ihrer Route. Nicht der Zufall hatte uns zu der gleichen
Funkfrequenz verholfen, sondern wir beide hatten die "Armin Harich Frequenz"
eingestellt. Warum auch immer, auf jeden Fall konnte ich so Stefan zur anstehenden Querung
des "Pass Thurn" befragen.
Pinzgauer Spaziergang
Mit dieser
Hilfe gelang mir dann der Einstieg in den "Pinzgauer Spaziergang". Ich war
begeistert - im letzten "Fly und Glide" (5/99) noch interessiert gelesen - heute
schon mittendrin. Und tatsächlich bei Höhen nicht unter 3400 m flog ich beschleunigt
(und mit Rückenwind) mit ca. 55 km/h Groundspeed auf die Schmittenhöhe (Zell am See) zu.
Während Stefan noch den letzten großen Talsprung zur Schmittenhöhe schaffen mußte,
nutzte ich die Höhe von 3600 m um den See zu überfliegen. Hier bemerkte ich die vom
Westen hereinkommende dichte Höhenbewölkung und beschloß meinen Weg noch eine Weile
Richtung Osten fortzusetzen. Schon am Boden geglaubt, meldete sich Stefan mit der guten
Nachricht, er hätte wieder aufdrehen können und wolle mir folgen. Doch nun war der Flug
bald zu Ende, noch zweimal konnte ich die Thermik nutzen, bevor sich alles was ich anflog
auflöste und ich auf einer schönen frisch gemähten Wiese in Taxenbach landete.
Offizieller Landeplatz?
Der herbeigelaufene Junge wurde von mir als Landezeuge gewonnen und zum Zusammenlegen des
Schirms eingespannt. Man hätte meinen können, dass es sich bei dem Platz um eine
offizielle Landewiese handeln würde, denn nach Stefan landeten auch noch zwei im
Zillertal gestartete Pilotinnen.
Im nahe gelegenen Biergarten tauschten Stefan und ich dann begeistert unsere Erlebnisse
aus: Stefan die schwierige Route vom Hochfelln aus mit großen Talsprüngen über z.B.
Steinplatte und Loferer Steinberge und ich meinen bislang längsten und höchsten Flug in
fremden Gefilden.
Per Bus ging es dann nach Zell am See und weiter nach Bad Reichenhall bzw. für mich von
Zell am See aus mit Bahn nach Westendorf. Es war ein gelungener Flugtag. Stefan und ich
freuen uns schon auf die nächste Begegnung in der Luft, auf der Erde oder per Funk.
CU in the Sky
Roland H. aus M.
P.S. Hansi war übrigens nicht abgesoffen sondern hatte nur Probleme mit seinem Funk. Von Zell am See aus flog er den "Pinzgauer Spaziergang" nach Westen und landete in Kitzbühl.
