Der Anfang ist etwas zäh, mit 2600 m raus zur Lax Kirche, tief
zurück, ein bissel suchen und dann geht es hoch. Mit 2700 m zu Bellwald
gequert, danach beständig zwischen 3000 und 3600. Optisch macht
das Wallis echt was her, vor allem wenn man hoch ist: Im Norden die Gletscherwelt
und die Viertausender mit dem überragenden Finsteraarhorn und im Süden
die Kette des Alpenhauptkammes. Dazwischen das langgestreckte Rhonetal
mit seinen Seitentälern. Ich muss mich echt beherrschen, nicht zu
viele Fotos zu machen.
Die erste Wende, Ritzinger Hütte, ist nicht zu verfehlen. Zurück
läuft es ganz gut, aber der Bart an der Riederalp geht nicht hoch.
So komme ich tief bei Belalp an, muss parken und finde doch nichts. Nach
geraumer Zeit kann ich stolze 100 m kurbeln. Mir reichts, ich gleite weiter,
zumal ich auf der Westseite des Foggenhorn zwei Schirme steigen sehe. Tatsächlich
geht es dort wieder zur Basis hoch.
Allerdings kostet die Fliegerei gegen den Westwind viel Zeit. Meine zweite Wende, Bahnverladung Goppenstein, habe ich erst um 16:35 im Kasten. Jetzt wird klar, dass ich heute nicht mehr ins Saastal und wieder heraus komme. Damit ist das FAI-Dreieck hinfällig, aber ich will auf jeden Fall noch zurückkommen. Mit der Sonne und dem Wind im Rücken läuft es prima. Vor dem Oberaletschgletscher nochmal aufgedreht und im Gleitflug zurück. Landung um 18:00 Uhr, 6 Stunden Flugzeit, 80 km, traumhafter Flug. Leider nur 103 statt 140 Punkte, da, obwohl als geschlossene Aufgabe geflogen, natürlich nur 2 Wenden plus freie Strecke gewertet werden. Ein halbe Stunde später kommt dann ein über alle Backen grinsender Stefan Traut angeflogen, macht sein FAI-Dreieck zu und ist damit mit 100 Punkten Vorsprung deutscher Streckenflugmeister. Glückwunsch.
Am nächsten Tag ist wieder geniales Wetter. Ich habe vom Vortag
gelernt und schreibe ein flaches Dreieck mit 91 km: Erst Ulrichen Galehütte,
dann nach Goppenstein. Als Start- und Zielpunktpunkt diesmal Fieschertal
Dorfplatz. Da macht man das Startfoto bei der Talquerung und spart eine
halbe Stunde. Gestern hatte ich im Ziel schliesslich 600 m Höhe übrig.
Die Thermik ist noch stärker wie gestern, zwar zum Teil recht eng,
aber problemlos. Das Wallis hoch macht richtig Laune, jede Menge Bärte,
Basis bei 3600m. Bei der ersten Wende zeigt sich der Vorteil vom GPS: Wer
kennt schon die Ulricher Gale. Aber wenn der Pfeil nach hinten zeigt machst
du einfach ein Foto von der Hütte unter dir :-)
Bis zur Riederalp geht es problemlos. Aber mit dem von Stefan gepriesenen
Leebart an der Ostseite vom Foggenhorn geht es wie mit der B-Spirale: Mancher
redet darüber aber keiner hat sie je gesehen ;-)
Ich finde jedenfalls nur warme Luft und sehe mich schon in Brig landen.
Ich parke an der Südwestecke auf 1900 m. Keine 10 Minuten später
geht ein Monsterbart ab, der mich innerhalb von 5 Minuten 1100 m höher
beamt. Ich bin wieder im Rennen. Von hier oben sieht das Wallis auch viel
schöner aus. Allerdings hat der Westwind zugelegt. Auf den Leeseiten
der Rippen stehe ich voll im Beschleuniger, weil das Vario sonst eine Gleitzahl
zwischen 2 und 3 (!) zeigt.
Im Goppensteiner Tal geht nichts. Ich soare hinter, mache mein Foto,
allerdings 900 m tiefer wie gestern, und sehe mich schon wieder landen.
Dabei sieht das Tal gar nicht so einladend aus; fast überall Wald.
Aber der Versuch mich am Hang wieder rauszumogeln funktioniert, wenn auch
langsam. Am Talausgang bin ich wieder auf 2400 hochgestiegen. Der Rückweg
geht dank Rückenwind wie’s Brezelbacken. Hier stehen dann auch wieder
Bärte, so dass ich zum ersten Mal seit zwei Stunden wieder zur Basis
hochkomme. Erwähnenswert noch ein 30-minütiger 20 km Endanflug,
wobei Gegenwind im Fieschertal dafür sorgt, dass ich mein Zielfoto
in 80 m Höhe mache. Landung wieder 18:00 Uhr, 6 Stunden Flugzeit,
Aufgabe erfüllt, stolze 159 Punkte und ich habe noch nach Tagen dieses
post-airales Grinsen im Gesicht.