Jeder fängt mal klein an - Streckenflug für Einsteiger in den Vogesen
(ein ganz kleines Abenteuer einer Lahmen Ente)

(zu den Vogs siehe auch den Bericht von Klaus)

Fast jeder von uns träumt vom Streckenfliegen, für viele bleibt es beim Traum. Gerade alpine Verhältnisse erfordern eine sehr genaue Ortskenntnis und sorgfältige Vorbereitung, die die meisten Hobbypiloten überfordert oder einfach den zeitlichen Rahmen des Urlaubes sprengt. Einen guten Einblick in die Komplexität des Streckenfliegens gibt das Video Cross Country von Roland Würgler, zu bestellen über die Zeitschrift Gleitschirm. Will man irgendwann mal richtig "auf Strecke gehen" bieten sich das Flachland oder die Mittelgebirge zum üben an. Hier herrschen überschaubarere Bedingungen mit weniger starken Talwindsystemen und Windscherungen, insbesondere im Flachland stellt gerade das Landen in unbekanntem Gebiet selbst mit dem Delta kein Problem dar. Ein guter Tip für alle Übungswilligen sind die Vogesen, hier kann der XC-Anfänger erste Gehversuche starten und kräftig lernen. Dabei darf man die Bedingungen allerdings nicht unterschätzen, nicht ohne Grund sagen die Einheimischen liebevoll "der Treh ist ein Schwein".

KarteAusgangspunkt für alle Vogesenexpeditionen ist Fellering, auf dem netten Campingplatz bei Aerotec begann und endete schon so mancher herrlicher Flugtag. Leider ist der Grat zwischen "einfach" und "unschön" bei Campingplätzen sehr schmal und bei Aerotec fast überschritten. Auch gutes Bier sollte man in ausreichender Menge mitnehmen, sonst droht die Höchststrafe Heinecken!

Beschreiben möchte ich hier den einsteigertauglichen Flug vom le Drumont zum Campingplatz in Fellering/Oderen. Um die Distanz von 5 km zu meistern, braucht man nur einen Bart, und den findet man meist, wenn man weiß, wo man suchen muß. Gestartet wird auf dem Drumont nach S-O, auch Ostlagen sind erlaubt, da der vorgelagerte Gustiberg gut abschirmt. Die Auffahrt zum Startplatz erfolgt mit dem Auto, oft kann man ab dem Landeplatz in Urbés eine Fahrgemeinschaft bilden. Auf dem Drumont angekommen ist es absolut wichtig, in der letzten Kurve vor der Gastwirtschaft zu parken, um den Wirt nicht zu verärgern. Auch sollte man ab und an auf ein Glas einkehren, nur so kann der Startplatz erhalten werden!

Nach dem Start vom einfachen Startplatz fliegt man zunächst Richtung S-O zum Gustiberg (auf keinen Fall in den Kessel im Osten fliegen!!). Kommt man dort über dem Grat an (etwa GZ 6), ist es einfach, in den dortigen Bart einzusteigen. Gelingt dieses nicht, hält man sich weiter westlich, um den zuverlässigen Bart über den Felswänden zu erwischen. Bei Talwindaktivität (aus O) sollte man aber nicht zu weit experimentieren, Landeplätze sind westlich der alten Brücke Mangelware. Gelingt es nicht aufzudrehen, landet man auf dem Landeplatz in Urbés und versucht ein zweites Mal sein Glück. Quer über besagten Landeplatz ist ein Zaun gebaut, dessen Draht sehr tief aber vorhanden ist, vorher ansehen!

Bilder VogesenHat man am Gustiberg Höhe gemacht, kann der Flug Richtung Nord-Osten fortgesetzt werden. Als Faustregel gilt dabei: Mindestens 1800m MSL sind zum sicheren erreichen von Aerotec nötig! Man fliegt über Urbés Richtung Fellering das Seitental entlang, meist drückt der Wind leicht aus N-O aus dem Haupttal herein. Im Haupttal angekommen steuert man den Landeplatz bei Aerotec an und beendet dort seinen Flug - oder man hat noch genug Höhe, um wieder aufzudrehen und macht aus seinem 5km Zielflug einen 10km Ziel-Rück!

Liegt die Basis bei 2000m oder darüber, hat man sehr schnell das grandiose Gefühl, "over the top" zu sein. Die sanften bewaldeten Kuppen der Vogesen laden zum Streckenfliegen geradezu ein und schließlich paßt mit den gemütlichen Gasthäusern und dem Flammkuchen auch das Ambiente.

Viel Spaß beim nachfliegen und erweitern des Fluges.

 

Martin

 


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