Die Unzerstörbaren schlagen wieder zu

Letzte Woche, irgendwo in den Alpen:

Ein Pilot läuft an, zieht den Schirm auf, macht hektische Armbewegungen. Die Kappe pendelt mehrmals stark vor und zurück - der Pilot schlägt in den Hang. Nur seinem modernen Gurtzeug und der Neigung des Hanges ist es zu verdanken, daß er wenige Minuten später schnaufend und unverletzt wieder an der Kante steht.
Sein Kommentar: "Bei dem Sch...schirm erkennt man den Bremsdruckpunkt einfach nicht, da musste ich eben pumpen, ich kann da nichts dafür."

Ein Omega 3 versucht bei optimalen Bedingungen zu starten, 6-8 Startabbrüche, nach 30min ist der Hochleister endlich raus und gleitet ab.

Ein anderer Tag. Gleichzeitig starten mehrere Piloten nach Osten, Süden und Westen. Wie kann das sein?
Ganz einfach, es war Nordwind, manche bevorzugten eben den Seitenwind von links oder rechts, je nach Schokoladenseite, andere den Aufwind des Rotors.

27. August, das Radio meldet Gewitterwarnungen fuer Bergwanderer. Wolken türmen sich, wir fahren dennoch zum Startplatz. Dort sieht man die Ausmaße der Gewitterentwicklung. Im Norden tiefstes Schwarz, erste Blitze und Donnerschläge. In allen anderen Himmelsrichtungen kräftige Überentwicklungen. Es ist noch sonnig aber es zieht von allen Seiten zu wie die Blende eines Fotoapparates. Wir machen ein paar Bilder für die Meteosammlung, viele Piloten sortieren unbeeindruckt ihre Leinen - aber nicht um einzupacken. Einer nach dem anderen startet und fliegt mit angelegten
Ohren direkt zum Landeplatz. Wir fahren mit der Bahn hinunter. In den entgegenkommenden Sesseln immer noch Flieger mit Schirmen. Einer ruft uns zu: "Noch so'ne Partie und es kostet 'nen Liter!"
 

Solange viele "Piloten" bei der Ausübung dieses Sports ständig im geistigen Lee unterwegs sind oder ihr Gehirn an der Talstation abgeben ist die Diskussion um eine weitere Unterteilung der Gütesiegel wohl eher akademischer Natur. Wer so fliegt ließt keine Tests, und wenn, sucht er nur nach Vmax, GZ und Vsink,min.

Alles in allem hat dieser Urlaub bei uns folgendes bewirkt: Eine hoffnungsvolle L-Scheininhaberin distanziert sich nach dem Beobachtenden zunehmend vom Flugsport. Bei uns setzt sich der Gedanke durch, daß die charakterliche Eignung zum Fliegen nicht ausschlaggebend für das Bestehen einer Prüfung und das außerdem wohl Flugschule nicht gleich Flugschule
ist. Dazu verändert sich langsam meine grundsätzlich humanitäre Grundeinstellung: Wäre es am 27. August zu einem zweiten Andelsbuch gekommen, hätte mir das Image unseres Sportes mehr leid getan, als die zu Schaden gekommenen Piloten.
Und das ist traurig.
 

Martin

 


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