Die harte Saisonzeit in unserer Flugschule ließ uns nicht gerade viele gemeinsame
Touren und Erlebnisse unternehmen. So entstand die Idee zusammen eine
"größere" Bergtour zu machen. Natürlich wollten wir dabei auch versuchen
einen Paragleiter einzusetzen . . . Hatte doch Martina in den Frühlings- und
Sommermonaten den Vorzug und Erlebniswert vom Tandemfliegen bei so manchem gemeinsamen
Flug kennen und schätzen gelernt!
Schnell
konnte sie mich dazu überreden, das Angebot meiner Agentur aus Kathmandu anzunehmen! Wir
schlossen uns einer französischen Gruppe an, welche sich vorgenommen hatte diese beiden
Berge zu besteigen. Gemeinsam wollten wir das in Nepal vorgeschriebene Permit zur
Besteigung dieser Berge nutzen, um so die anfallenden Gesamtkosten auf ein Minimum zu
reduzieren. Es war gar nicht so einfach so kurzfristig Flüge nach Nepal zu bekommen. Wir
konnten wir auch noch die Firma Nova dazu überreden, uns einen speziellen, sehr leichten
Tandemschirm zu bauen. Die Firma ThinRedLine aus Kanada baute dafür ganz leichte
Tragegurte. In der kurzen Zeit schafften es beide Firmen nur sehr knapp alles fertig zu
stellen und zuzusenden. Erst einen Tag vor der Abreise erhielten wir die Ausrüstung, so
dass wir diese gar nicht mehr testen konnten!
Am 17.Oktober war es dann so weit. Nur etwas umständlich konnten wir über Zürich und Delhi, die Hauptstadt von Nepal, Kathmandu erreichen! Zwei Tage standen uns hier zur Verfügung um alle notwendigen Erledigungen hinter uns zu bringen!
Abfahrt von Kathmandu
Am 21. Okt. konnte es dann losgehen. Wir fuhren mit einem Bus zusammen mit der
französischen Gruppe nach BesiShar, dem Ausgangspunkt unserer Trekkingtour, welche uns zu
unseren Bergen führen sollte.
Nach einer ersten Nacht im Zelt ging es dann zu Fuß weiter. Der Weg folgt einem engen
Tal, immer wieder die Flußseite über Hängebrücken wechselnd flussaufwärts. Die ersten
Tage war das Wetter nicht allzu freundlich, der bedeckte Himmel musste sogar manchmal
etwas "weinen".
Absturz einer Mulis
Am 3 Tag unseres Marsches passierte dann das Unglück. Ein Muli (Tragetier)
rutschte am engen Weg ab und stürzte samt unserer Expeditionsausrüstung im steilen
Gelände in den reißenden Fluß. Das steile Gelände und der reißende Fluß machten
jegliche Versuche dem armen Tier zu helfen sowie unsere Ausrüstung zu bergen unmöglich!
Beides, der Muli und seine für uns so wichtige und wertvolle Last, wurden ein Opfer des
Flusses!
Beim nächsten Lagerplatz stellten wir fest, dass gerade 2 unserer
Gepäcksstücke verloren gegangen waren. Es fehlte uns somit sehr wichtige
Expeditionsausrüstung. Ohne der speziell warmen Schuhe, der Kletterausrüstung, Kocher
etc. waren wir total aufgeschmissen. Völlig entmutigt standen wir vor unserem übrig
gebliebenen Gepäck. Sollte nun schon unsere Tour zu Ende sein?! Mußten es gerade unsere
Gepäcksstücke sein?
Doch wir hatten Glück im Unglück! Über eine sogar funktionierende Telefonverbindung
konnten wir unsere Agentur in Kathmandu anrufen und mit meinen Freund und Bergführer
Markus Raich aus Bad Aussee sprechen, welcher gerade von einer Trekkingtour aus dem
SoloKumbu zurück kam. Markus kaufte für uns alle fehlenden Ausrüstungsgegenstände und
diese wurden von unserer sehr verlässlichen Agentur, nachgebracht!
Am 26.Okt. erreichten wir den Ort Pisang welcher auf einer Höhe von 3190m liegt. Hier
erreicht uns der Träger mit unserer Ersatzausrüstung. Wie es zu erwarten war, passten
uns die Schuhe nicht exakt. Doch jetzt blieb uns keine Wahl, entweder wir versuchen es
damit oder bleiben herunten im Tal.
Basislager PisangPeak
Am nächsten Tag war der Anstieg zum Basislager des 6091m hohen PisangPeak
geplant. Trotz Verkühlung und mangelhafter Ausrüstung konnten wir das Basislager auf
einer Höhe von 4100m ganz gut erreichen. Hier konnte ich bei gutem Aufwind endlich einmal
die mitgebrachte Flugausrüstung testen. Ich montierte die speziellen ThinRedLine-Gurte
und überprüfte das Fluggerät mit einem kurzen Flug. Die schönen Almwiesen eigneten
sich dafür bestens. Am nächsten Tag ging es weiter aufwärts zu einem Hochlager, welches
wir auf einem recht schmalen Grat in einer Höhe von 5150m errichteten. Hier fühlten wir
die Höhe schon ganz kräftig, alle Bewegungen waren anstrengend und alles ging nur
langsam. Bald verkrochen wir uns im warmen Schlafsack, denn es wurde ohne der Sonne gleich
empfindlich kalt! Die Nacht war kalt und windig. Um 5 Uhr packten wir nach einem kurzen
Frühstück unsere Hochlagerausrüstung zusammen und machten uns fertig zum Aufstieg.
Sollte uns tatsächlich dort oben ein Start gelingen, würden uns die Träger das Zelt
abbauen und die Ausrüstung hinunter tragen. Ich war nicht sehr optimistisch dass uns ein
Flug gelingen könnte, denn die ganze Nacht über war es hier im Lager sehr windig.
Auf zum Gipfel
Durch die zeitraubende Packerei konnten wir erst um 6 Uhr weg gehen. Nur drei der
insgesamt 9 Franzosen waren schon etwa eine Stunde vor uns zusammen mit den Hochträgern
aufgebrochen. Am Weg kam uns nach einer Stunde Gehzeit einer der Franzosen wieder
entgegen, er hatte sich wegen starker Kopfschmerzen entschieden wieder abzusteigen. Wie
wir in der Morgendämmerung feststellen konnten, waren unsere zwei Hochträger Nawanchu
und AngSherki Sherpa zusammen mit Denyse und Jean-Michel vor uns unterwegs. Wir hatten
beste Verhältnisse. Der Schnee war hart gefroren und wir kamen gut aufwärts! Das bis zu
40 Grad steile Gelände zwang uns zu Vorsicht. Dank alter Fixseile konnten wir in den
steileren Passagen sichern. Nach etwa vier Stunden erreichten wir gleichzeitig mit den
anderen den Gipfel. Eine herrliche Aussicht entschädigte uns für die mühevollen Stunden
des Aufstiegs. Drei Achttausender in unmittelbarer Nähe, Annapurna 1, Manaslu und
Dhaulagiri.
Doch eines passte
überhaupt nicht. Schon während des gesamten Aufstiegs machte mir der Wind große Sorgen!
Hier heroben am Gipfel wehte der Wind kräftig, böig und noch dazu von der falschen
Richtung. Sollten wir die Flugausrüstung umsonst herauf geschleppt haben?
Die Sherpa und die Franzosen drängten wieder zum Abstieg. Doch Martina und ich wollten
noch etwas abwarten. Wir dachten, vielleicht ändert sich der Wind doch noch! Alle
möglichen Hänge wurden geprüft und tatsächlich legte sich der Wind zusehends!
Gleiten statt Absteigen
Als ich am Ostgipfel sogar Aufwind feststellen konnte rief ich Martina zu mir und
wir bereiteten schnell alles zum Start vor. Doch als wir dann startfertig waren, war´s
auch schon wieder vorbei mit dem Aufwind. Es stellte sich wieder Seitenwind ein und wir
mussten 3 Startversuche, einmal sehr knapp vor einer steilen Felswand abbrechen! Um nichts
mehr zu riskieren, packte ich den Schirm enttäuscht wieder ein und wir machten uns wieder
zu Fuß auf den Weg nach unten. Aufmerksam beobachteten wir laufend Wind und Gelände.
Kurz nach dem steilen Eisfeld passten dann die Verhältnisse bestens. Schnell war der
Schirm wieder vorbereitet und es gelang uns ein problemloser Start auf einer Höhe von
5600m! Unser Plan war es gleich die zwei nächsten Tagesetappen im Flug zurück zu legen.
Mit dieser Höhe sollte es leicht möglich sein Talaufwärts den Ort Hongde mit seinen
Weideflächen zu erreichen. Doch auf halber Strecke bemerken wir immer stärkeren
Gegenwind, sodaß wir uns bald dazu entscheiden mussten, umzudrehen.
So können wir am
Rückflug über unserem Basislager ein paar Kurven drehen, den Franzosen zurufen und bald
darauf in Pisang gut landen. Wegen des starken Talwindes konnten wir nach einer sanften
Landung den Schirm nicht gleich zu Boden bringen und dieser zog uns dabei etwas unsanft
über trockene, sehr staubige Felder. Tatsächlich war es uns gelungen eine
Höhendifferenz von ca.2500m herunter zu fliegen! Gleich waren viele Kinder und Bauern um
uns versammelt und bestaunten die beiden "welche aus der Luft kamen"! Etwas
müde aber überglücklich gingen wir zur nächsten Lodge und konnten den Komfort bestens
genießen! Nach einer warmen Dusche konnten wir gepflegt in einem Restaurant essen,
während die Anderen unserer Gruppe im Basislager eine weitere Nacht im Zelt verbringen
durften!
Rasttag in Manang
Der folgende Tag war für uns eine leichte Wanderung im Tal. In Manang warteten
wir auf die Gruppe der Franzosen die mit unseren Trägern und unserer Ausrüstung vom
PisangPeak Basislager bis hierher einen langen Weg zurücklegen mussten.
Nach einem Rasttag führte unser Weg links in ein Seitental in Richtung Tilicho Peak!
Über lange Seitenmoränen führt uns der Weg an warmen Hängen entlang. Nach einer
weiteren Zeltnacht ging es weiter in Richtung Südwesten. Die sehr günstig zur Sonne
ausgerichteten Hänge produzieren gute Aufwinde und laufend konnte ich verschiedene Vögel
beobachten, wie sie im Aufwind kreisend große Höhen erreichten.
Der große Thermikflug, 2.Nov.
Während dem Gehen entlang dieser thermikspendenden Hänge baute sich bei mir immer mehr
der Wunsch auf, es den Vögeln gleich zu tun. Doch zu zweit sah ich mit dem kleinen
Tandemschirm keine reelle Möglichkeit die Aufwinde zu nutzen und Höhe machen zu können.
Meine Gedanken blitzen hin und her, wie soll ich Martina klar machen, dass ich es aus
Vernunft besser nur alleine probieren möchte?
Kurz entschlossen warteten wir auf die uns nachfolgende Maultierkolonne mit der
Flugausrüstung. Gleich neben dem Weg legte ich auf einer Höhe von 4200m den Schirm aus
und nach wenigen Minuten war ich auch schon im Aufwind! Die Thermik hob mich auf eine
sagenhafte Höhe von 5830m! Zurück blieb meine schon etwas enttäuschte Martina, welche
mir nur sehnsüchtig nachsehen konnte.
Sollte ich den gegenüberliegenden TilichoPeak in der Thermik bezwingen können?! Von
dieser irren Höhe konnte ich weit in das Land hineinsehen. Ich beobachtete Herden von
wild lebenden Blue Ships auf weiten Almflächen sowie Adler, welche sich im Flug zu mir
gesellten! Nach 2 Stunden Flugdauer landete ich mit eiskalten Fingern gleich neben dem Weg
auf einer Passhöhe (5200m) wo ich meine Flugausrüstung hinter einem Felsen versteckte.
Ich machte mich gleich auf den Weg zurück um wieder zu Martina zu gelangen. Unsere
Station für die nächste Nacht hatte ich weit überflogen und ich musste zum Lager auf
4300m wieder absteigen. Einen solchen Flug zu beobachten mag ja ganz schön sein, doch
selber mitzufliegen währe unvergleichlich schöner gewesen, Martina konnte meine Freude
über diesen herrlichen Flug kaum teilen . . .
Auf zum TilichoPeak Basislager
Herrliche Wiesenhänge ansteigend waren wir nach 3 Stunden wieder oben am
Paß, wo ich am Vortag meine Flugausrüstung liegen gelassen hatte. Wie einfach und
mühelos konnte ich doch gestern diese Strecke zurücklegen . . ! Nach wenigen Minuten
erreichten wir den wunderschönen türkisgrünen Tilicho Lake. Der höchste See der Erde
liegt auf 5000m und ist von einer herrlichen Kulisse umgeben. Gletscher brechen vom
TilichoPeak direkt in den See ab und auf der anderen Seite breiten sich sanfte Almwiesen
aus, ein idealer Platz für das Basislager! Leider versperrt uns hier eine nur 100m breite
senkrechte Felswand den Weg am Ufer entlang hinüber zum richtigen Lagerplatz. So müssen
wir wegen dieser kurzen Strecke am nächsten Tag einen Berg über einen Paß hinweg
umrunden, was uns einen Umweg von 4 Stunden beschert!
Als wir nun den Berg
so vor uns sehen, können wir eigentlich keine logische Route zum Gipfel finden. Wir gehen
in Richtung Westen um auch in die Nordflanke einsehen zu können. Mit dem Fernglas kann
ich nun alte Spuren sowie Seile von einer vorhergehenden Expedition entdecken und wir
müssen erkennen, dass die Besteigung dieses Berges technisch nicht einfach werden wird!
Zudem sehen wir dass der größte Teil der Route meist im Schatten liegt, was gleichzeitig
bedeutet, dass diese es auch sehr kalt sein wird!
Auf zum Hochlager, 6.Nov.
Nach einem Rasttag entschließen wir unser Material zum ersten Hochlager hinauf zu tragen
und dabei die Route zu besichtigen. Sollte es aber gut voran gehen, dann wollten Martina
und ich es gleich versuchen weiter bis zum Lager zwei aufzusteigen und am nächsten Tag
wäre dann der Gipfel geplant! Ob wir das jedoch mit all unserer Ausrüstung schaffen
werden, war mehr als fraglich! Neben der Hochlagerausrüstung wie Zelt, Schlafsack,
Kocher, Lebensmittel, Seil, Eisgeräte, warmer Kleidung etc., wollten wir ja auch noch
unseren Tandem-Paragleiter mitnehmen! Nur mit der Hilfe unseres Sherpas Nawangchu
schafften wir es, tatsächlich alles notwendige gleich auf einmal bis ins Lager zwei auf
eine Höhe von 6200m hinauf zu schleppen.Die grandiose Aussicht hier heroben entlohnte uns
für den mühevollen Aufstieg. Gleich gegenüber auf der anderen Talseite steht der
mächtige Dhaulagiri mit seinen 8156m Höhe. Gegen Norden kann man von hier bereits in die
Hochebene von Tibet sehen und direkt am Fuße unseres Berges der türkisgrüne Tilicho
Lake, welcher wie in einem Märchen still unter uns lag und sich darin umliegende Berge
spiegelten!
An einem Tag in dieser Höhe gleich 1200m höher zu steigen und das mit sehr schwerem
Gepäck, machte uns ganz schön zu schaffen! Dazu kam auch noch die Kälte, denn die
letzen 3 Stunden mussten wir bereits im Schatten klettern! So rasch als möglich
schaufelten wir im Schnee einen ebenen Zeltplatz frei und errichteten unser Zelt. Schnell
verkrochen wir uns im wärmenden Schlafsack! Der Kocher wurde gestartet und bald
schlürften wir warmen Tee und ein schmackhafter Eintopf wurde angefertigt. Wir ließen
uns das Essen gut schmecken und versuchten dann ein paar Stunden zu schlafen.
Auf zum Gipfel des Tilicho Peaks, 7.Nov.
Die beißende Kälte von 35°C machte es nicht angenehm, sich im
kleinen Zelt für den Abmarsch vorzubereiten. Um 4 Uhr machten wir uns noch Tee und dann
ging es los in die Nacht. Wir hatten Vollmond erwartet, doch dieser war bereits
untergegangen und wir mussten im kargen Licht unserer Stirnlampe aufwärts steigen.
Einigen Gletscherspalten ausweichend erreichten wir bald eine kurze Steileispassage. Nur
langsam konnten wir an Höhe gewinnen, der Rucksack drückte kräftig auf die Schultern
und die beißende Kälte ließ bei uns bald das Gefühl in Fingern und Zehen verschwinden.
Als endlich der Morgen dämmerte und die Sicht zum Gipfel frei wurde, hatten wir noch weit
mehr als die Hälfte des Aufstiegs vor uns. Leider war fast die gesamte Aufstiegsroute auf
der Nordseite des Berges gelegen, es war wirklich sehr kalt! Immer wieder blickte ich
besorgt auf die Uhr und musste feststellen, dass wir den Gipfel erst später als gedacht
erreichen werden. Der bekannte Talwind wird im Kali Gandaki Tal, dem tiefsten Tal der
Welt, ab etwa 10 Uhr so stark, dass sogar die mittelkleinen Flächenflugzeuge den
Flugbetrieb nach Jomson einstellen. Sollten wir oben am Gipfel Startverhältnisse
vorfinden, dann würde das späte Landen unten im Tal ein echtes Problem darstellen. Ein
schnelleres Vorankommen war aber nicht möglich und so stiegen wir langsam weiter in
Richtung Gipfel. Gott sei Dank war es während des gesamten Aufstieges nicht sehr windig
und ich schöpfte immer mehr Hoffnung, dass oben am Gipfel die Windverhältnisse einen
Paragleiter-Tandemstart zulassen könnten! Erst die letzten 300 Metern konnten wir
wärmende Sonnenstrahlen genießen und um etwa 12 Uhr erreichten wir den eisigen Gipfel
mit seiner Höhe von 7134m.
Am Gipfel
Eine herrliche Rundsicht sowie günstige Wind- und Geländeverhältnisse belohnten unseren
mühevollen Aufstieg. Gleich wenige Meter gegenüber leuchtet die eisige Nordwand des
Annapurna I herüber, auf der anderen Talseite der mächtige Dhaulagiri und dazwischen das
tiefeKali Gandaki Tal, in welches wir hinunter fliegen wollen! Der wolkenlose Himmel und
die grandiose Rundsicht bis in das Hochland von Tibet hätte eingeladen, länger zu
verweilen, doch der inzwischen sicher schon recht starke Talwind trieb uns zur Eile. Der
Schirm war schnell ausgepackt und alles für den bevorstehenden Start vorbereitet.
Der Start
Das Segel liegt startbereit hinter uns, mit nur zwei Schritten ist der Schirm
über uns und hebt unsere Steigeisen aus dem harten Schnee. Der kräftige Aufwind am Hang
erlaubt uns sogar zu soaren (auf gleicher Höhe am Gipfel einige Mal hin und her zu
fliegen), bis wir dann in Richtung Jomson abdrehen. Im Flug sehen wir zurück in Richtung
Gipfel, zum Hoch- und Basislager. Der Tilicho Lake leuchtet türkis herauf und wir können
erst jetzt sehen, welch lange Strecke wir im Flug nach Jomson überwinden können!
Bald können wir die Rollbahn des Airports von Jomson ausmachen und steuern luvseitig
darauf zu. Sollen wir am Flughafen landen? Ich dachte diese 700m lange, hindernisfreie
Fläche, würde sich gut eignen. Kommt uns auch kein Flugzeug in die Quere? Baufahrzeuge
auf der Landepiste beruhigt mich und während wir immer tiefer in das Talbecken sinken,
stellten wir noch lange keinen Talwind fest.
Erst in den letzten 600m über
dem Talboden begann schön langsam die Rückwärtsfahrt! Immer stärker werdend bemerkten
wir bald, dass der Wind hier so stark bläst, dass wir gegen den Wind keine Vorwärtsfahrt
mehr machen konnten! Im Gegenteil, die Rückwärtsfahrt wurde immer heftiger und bald
musste ich erkennen, dass wir die Landepiste nicht mehr erreichen können. Schnell suchten
wir hinter uns geeignete Ausweichlandeflächen. Bald aber müssen wir erneut eine andere
Ausweichlandefläche auf der anderen Flußseite suchen. Der Wind hatte eine geschätzte
Geschwindigkeit von 70 km/h erreicht und es ging mit uns derartig stark retour, dass uns
keine andere Wahl blieb! Die abgeernteten Felder ostseitig vom Fluß waren nun unser
endgültiges Ziel.
Die Landung
Einer Stromleitung mussten wir noch ausweichen, dann ließ Martina die Steigeisen
fallen, welche wir im Flug von unseren Schuhen abmontierten und wir setzten sanft auf. Der
starke Wind zog uns nun jedoch schlagartig rückwärts über die Felder. Es war nicht
leicht den Schirm zu Boden zu bringen. Nach einer äußerst ungemütlichen Schlepppartie
von etwa 100m war nun auch dieses Abenteuer vorbei! Ich hatte mir dabei die Schulter
ausgehängt, voll Staub und Erde lagen wir am Boden und trennten uns schnell vom
Fluggerät.
Martina hängte mir die Schulter wieder ein und bald umringten uns neugierige
Bauern und bestaunten rätselnd unsere Ausrüstung. Kinder brachten uns die abgeworfenen
Steigeisen wieder. Auch wir konnten es fast nicht glauben, was soeben vollendet war.
Ein neuer Weltrekord?
Der bisher höchste Paragleiter-Tandemstart und -Flug auf
der Erde war uns gelungen! Sicher war auch die Landung bei diesem starken Wind ein
Weltrekord . . ! Wir hatten uns einen schwierigen, mühevollen, mindestens 4 Tage langen
Abstieg erspart! Vor nur 55 Minuten waren wir noch mehr als 4300m höher, am Gipfel des
Tilicho Peaks!
Jetzt aber konnten wir unsere warme Kleidung ausziehen, den Schirm notdürftig in den
Rucksack stopfen und ein gutes Hotel im Ort suchen. Die Leute musterten uns auffällig,
als sie uns in dieser Montur am Weg gehen sahen. Das konnte noch kein Bergsteiger so
erleben. Eine warme Dusche kurz nach solch einem Gipfelerlebnis. Ein prächtiges Menü mit
Steak und Bier rundete den Gipfelerfolg gebührend ab.
Gerne verraten wir es weiter, eine ganz optimale Kombination: Bergsteigen und anschließend Runterfliegen! Das ergibt ein Bergerlebnis in höchster Vollendung!
Die Heimreise
Mit den anderen Expeditionsteilnehmern hatten wir vereinbart, wenn sie uns
fliegen sehen, dürfen sie unser Hochlager samt Ausrüstung verwenden. Als Gegenleistung
mussten sie aber alles mit herunter tragen. So war beiden geholfen!
Zwei Tage später flogen wir mit der Royal Nepal Airline von Jomson nach Phokara. Dort und
in Kathmandu konnten wir den Luxus und die warmen Temperaturen genießen, machten ganz
einfach noch etwas Urlaub. Dann ging die Heimriese weiter, über Delhi und Zürich nach
Hörsching!
Pilot und Passagier:
Harti Gföllner
und
Martina Bauer

Betreiber der Drachen- und Para- Flugschule Salzkammergut GesmbH.
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