Geräteerfahrungen: Target L von ProDesign
Pilotensteckbrief: Klaus Emde, fliege seit 2,5 Jahren
Startgewicht 105kg
Flugerfahrung gesamt ca. 150 Stunden
fliege seit 1,5 Jahren Axon 26 und suche derzeit einen neuen Intermediate
Zuerst 'mal möchte ich darauf hinweisen, daß der folgende Bericht ein rein subjektiver Erfahrungsbericht eines Piloten ist, der vielleicht weniger Flugerfahrung als mancher Leser hat. Ich bin keine sicherheitsrelevanten Figuren geflogen. Beim Probefliegen haben wir auch keine direkten Vergleiche zu anderen aktuellen Intermediates angestellt.
Ich konnte den Target 42 (Seriennummer 9810001), Startgewicht 85-110kg, über Weihnachten und Neujahr an 4 fliegbaren Tagen insgesamt 4 Stunden, davon 1,5 am Mont Gros und 2,5 in Bezau in schwachthermischen Bedingungen fliegen. Am 29.12. waren in Bezau sogar Toplandungen drin.
Zuerst
'mal fällt beim Auslegen auf, daß die Leinen sauber farblich gekennzeichnet sind. Da die
Gurte aus sehr stabilem, fast schon steifem Matreial sind, ist das Leinensortieren extrem
leicht: hochhalten und schütteln. Aber "Kontrolle" auf Knöpfe im das
ummantelten Dyneemamaterial zwischen D-Ebene und Steuerspinne nicht vergessen. Die
Steuerleine selbst ist dick und grellgelb. An den äußeren A-Leinen sind
"Hilfsleinen" angebracht, die vom A-Gurt zu den ersten 20cm der äußeren
A-Leinen gehen. Damit soll das anlegen der Ohren erleichtert werden.
Wer
sich die Kappe anguckt, dem fallen zuerst mal die 42 Zellen auf. Durchgezählt: Jawoll,
42, wovon die inneren Zellen mit V-Rippen ausgestattet sind. Ausgelegt, Leinen sortiert,
Beschleuniger eingestellt und wegen Nullwind erstmal vorwärts gestartet. Die Kappe steigt
sofort ohne Hängenbleiben und liefert direkt nach dem Füllen ein, wie ich finde,
angenehmes Zuggefühl am Gurtzeug. Oben angekommen bleibt sie mit leichtem Bremszug, wo
sie hingehört. Den Startlauf würde ich als kurz bezeichnen.
Beim fliegen fiel mir zuerst 'mal die Dynamik auf, mit der die Kappe sowohl auf Gewichtsverlagerung (Gurtzeug mit locker eingestellten Kreuzgurten, Brustgurt leicht angezogen) als auch auf Bremszug reagiert. Kombiniert und leicht angebremst geht das Gerät ohne nennenswerte Schräglage regelrecht "auf dem Ohr" rum. In enger und schwacher Thermik hat man es damit leichter als viele andere Schirme. Aufschaukeln macht richtig Laune, der Schirm bleibt stabil und meldet drohende Entlastungen ohne dämpfende Effekte an das Gurtzeug. Guckt man sich die Kappe von unten an, fallen die 42 Zellen nicht weiter auf, das Segel steht faltenfrei und ohne große "Wellenbildung". Von oben habe ich die Kappe nicht gesehen ...
Das anlegen der Ohren fällt dank den Hiflsleinen sehr leicht, man braucht sie aber nicht unbedingt. Die Kraft zum halten der Ohren ist gering. Läßt man die A-Leinen los, macht der Schirm selbständig die Ohren wieder auf.
Spirale einleiten ist dank der Dynamik sehr einfach. Der Schirm geht zuerst
in eine moderate Spirale, ohne auf die Nase zu gehen. Zieht man weiter, außen leicht
angebremst, und bleibt man mit Gewichtsverlagerung drin, so taucht die Kappe auf die Nase
und es geht richtig runter. Die Sinkwerte habe ich nicht gemessen, da mein Vario auf eine
zu hohe Integrationszeit eingestellt war. Aktives ausleiten der Spirale ist einfach und
ohne großes Feingefühl bzgl. Fahrt aus der Kappe bremsen möglich. Beim beschleunigen
fiel mir zuerst einmal die ziemlich hohe Kraft auf, die man zum Treten braucht. Mehrere
Minuten beschleunigtes fliegen stelle ich mir anstrengend vor. Bei Vollgas lag das Sinken
bei ca. 3,5 m/s. Der Beschleunigerweg ist relativ kurz, daher wohl auch die hohe Kraft.
Verwendet man 2 Stufen, so muß man diese schon sehr genau einstellen.
Landung / Ausflaren: Hier kommt einem wieder die Dynamik des Schirmes zu Hilfe: Kurz vor dem Aufsetzen bei Nullwind leicht anbremsen und man steht nach höchstens einem Schritt. Mit meinem jetzigen Schirm muß ich da schon etwas früher an die Bremse ...
Einmal habe ich 2 A-Leinen einer Seite reingezogen, der folgende 40%-Klapper konnte aber keine nennenswerte Reaktion provozieren. Ich habe mich wegen der Dynamik und den direkten Reaktionen und Rückmeldungen des Flügels sehr wohl gefühlt. Die Nachteile werde ich, falls ich in den nächsten Wochen keinen Schirm finde, der mir ein ähnliches Gefühl vermittelt, aber schwächere Kräfte am Beschleuniger hat, gerne in Kauf nehmen und einen Kurs für's Training der Beinmuskeln im nahegelegenen Fitnesscenter buchen.
Klaus Emde, ke@group-wp.de