Jetzt reichts: SupAir XXL
(eine nicht ganz so ernste Geräteerfahrung)
Die Geschichte meiner Packsäcke gleicht der vom Hasen und vom Igel, kaum bekommt man alles unter ändert sich die Ausrüstung dahingehend, daß man beim nächsten Einpacken am Landeplatz wieder quetschend und drückend zu Werke gehen muß. Interessanterweise tendieren Dinge, die mit dem Gleitschirmfliegen zu tun haben, im Gegensatz zum Rest der Welt, insbesondere Telefone, Videokameras und Pizzen, eher zur Volumenzunahme, sodaß der geneigte Benutzer ständig an die physikalischen Grenzen seiner Behältnisse stößt.
Alles begann mit einem Black Magic, der sein nichtfliegerisches Dasein in einem für heutige Verhälnisse winzigen Packsack, oder besser in einer winzigen Packtasche verbrachte. Sogar das im Gebrauchtset enthaltene Parasail-Gurtzeug paßte mit hinein und auch der Helm baumelte nur bei schlampiger Packweise am Arm. Allerdings kam es dann, daß sich dieses sogenannte Gurtzeug recht schnell überholte, vor allem erschienen mir sich selbst lockernde Beinschlaufen als nicht vorbildlich und mein Gesäß hatte ohnehin noch nie Platz auf diesem 10cm tiefen Sitzbrettchen gefunden. Das nächste war schon etwas voluminöser und damit sperriger, paßte aber trotzdem noch in den oben genannten neongelben Sack - nur der Helm, der baumelte jetzt standardmäßig am Arm.
Irgendwann las ich was von Rückenverletzungen und Protektoren, so ein Ding sollte her. In der A-Schein-Schule noch belächelt ("ja, bei Euch da oben zum Windenschleppen braucht man sowas, Ihr fallt ja ständig im Sackflug auf den Rücken") baute ich also meinen spektakulären Hartschalenprotektor ein, und schon paßte gar nichts mehr. Beim Versuch mein ganzes Geraffel zu verstauen brach dann unter zunehmendem äußeren Druck auch prompt der Bürzel des Lebensretters einfach ab, was unter dem Strich weder für den Protektor noch für den Packsack sprach. Die Lösung lag in einem Fremdprodukt, dem größten Packsack auf dem Markt, in dem alles verschwand wie im Zylinder des Zauberers, auch der neue Protektor und der Helm. Was für ein Luxus!
Nicht viel später der transportmäßige Rückschlag, ein neuer Schirm. Viele viele Zellen hatte der, ich weiß nicht mehr wie viele, aber mehr als 12 bestimmt, und diese Unmenge Material, nun ja, die ließ sich schlecht bändigen, was meinen Monsterpacksack anging. Also wieder quetschen und stopfen, meist ging es ja irgendwie, aber ständig kamen neue Dinge dazu, die auch ihr Plätzchen wollten, vor allem warme Kleidung, bestand doch das Fliegen nicht mehr nur aus "nach-10-Minuten-am-Landeplatz-stehen", zumindestens seltener. Einige Zeit ging das gut, dann folgte die Entspannung: Ein ganz neuer Schirm, mein heutiger, mit einem ganz neuen Packsack, so groß wie ich noch keinen vorher gesen hatte. Alles, ja wirklich alles verschwand spurlos in diesem tragbaren Hangar, sogar für Trinkflasche, Sonnenmilch und einen warmen Pullover war noch Platz!
Der erneute Rückschlag folgte auf dem Fuße, geleitet von dem Bedürfnis nach einem modernen Protektor und einer seitlich integrierten Rettung kam ein neues Gurtzeug, daß in seinen Ausmaßen einem Autositz recht nahe kommt. Dabei bietet es keinerlei Stauchmöglichkeit und diktiert mit seinem schildkrötenhaften Äußeren schon die Packweise, nämlich Schirm hineinstellen, mit dem Brustgurt festzurren und das ganze Paket irgendwie in diesen wieder einmal winzigen Packsack stopfen. Dabei sprengt der Gurt mit seiner bedingt durch die seitlich integrierte Rettung ausladenden Hüfte schon die Breite am Fuße des Sacks, dessen Reisverschlüsse dann auch schnell den Dienst quittierten und von meinem freundlichen Schuster reanimiert werden mußten. Faltete man den Schirm zu einer engen Bahn und rollte ihn auf, ergab sich ein zu dickes Bündel, der Sack ging nicht zu, auch wenn man drauf saß. Faltete man eine breite Bahn und rollte diese entstand eine lange Wurst, die zwar spielerisch im Sack verschwand, allerdings verweigerte dieser dann die Aufnahme des Helmes, der durch die Anatomie des Gurtes zwangsläufig oben auf diesen gequetscht werden mußte. Auch das Konzept des Schnellpacksacks erwies sich zwar an der Düne und beim Windenschlepp als sehr praktisch, allerdings war die nach dem Einpacken entstandenen Konstruktion meist recht abenteuerlich, beanspruchte einen ganzen Kofferraum für sich alleine und ließ nicht selten darin enthaltene Kleingegenstände einfach fallen. Dazu kommt, daß die Breite die Höhe ersetzt, d.h. man trägt die Ausrüstung quer auf dem Buckel und räumt damit im Gasthaus wirklich jedes Bild von der Wand, reißt jeden Kleiderständer um, bleibt in jedem Drehkreuz am Lift stecken und bewegt sich auch durch Menschenmengen am Startplatz unauffällig wie eine feuerspeiende Riesenechse in der Großstadt...
Lange Rede kurzer Sinn: Es gibt eine Lösung - den SupAir XXL oder Grand Tourisme! Ein Packsack so groß wie ein Kleinwagen, schluckt alles, frißt andere Packsäcke zum Frühstück, läßt sich durch Kompressionsbänder auch dem kleineren Appetit anpassen, trägt sich wie jeder andere Packsack auch mehr oder weniger komfortabel und ist mit etwa 200.- DM nicht zu teuer. Das Packmaß im zusammengelegten Zustand ist erträglich, die Qualität hervorragend, die Optik stimmt auch. Die Front- und die Deckeltasche nehmen jedes erdenkliche Kleinteil vom Vario über das Handy, den Funk, den Fotoapparat und das GPS auf.
Seit einigen Monaten habe ich nun immer meine 10 liebsten Plüschtiere beim fliegen dabei, nur per Anhalter komme ich nicht mehr weg...