Text: Armin Appel
Fotos (Camcorder): Ulrich Probst
Ich sitze vor dem PC mit schmerzverzerrtem Gesicht und versuche diesen Bericht mit
möglichst wenigen Bewegungen auf den Bidschirm zu zaubern. Einen ausgewachsenen
Sonnenbrand als Souvenier aus Süd Afrika mitzunehmen ist schon eine selten bescheuerte
Idee. Insbesondere, wenn man sonst den ganzen Urlaub darauf geachtet hat, sich immer mit
20er Sonnencreme zu schützen. Egal,......... aua.
Vom 06. Februar bis zum 12. Februar fanden in Portervill (150 km nordwestlich von
Kapstadt) die Südafrikanischen Meistersachaften im Gleitschirmfliegen statt. Remo Kutz
ist diese Meisterschaften schon im Vorjahr mitgeflogen und weil es ihm so gut gefallen
hat, ist er diese Jahr wieder hingegangen. Und weil er den deutschen Piloten diesen
Wettkampf nicht vorenthalten wollte hat er gleich 23 weitere Piloten dazu überreden
können mit ihm zu reissen. Es gab zwei Gruppen mit je 12 Piloten und Pilotinnen. Die
einen buchten 3 Wochen Afrika. Die andere Hälfte kam erst einen Tag vor Wettkampfbeginn
und mussten so nur zwei Wochen Urlaub beim Arbeitgeber beantragen. Ich entschloss mich
für die dreiwöchige Variante.
Remo's Plan war es, die erste Wochen mittels eines ortsansässigen Fluglehrers in Kapstatt
und Umgebung zu verbringen. In der zweiten Woche wurde dann in Portervill der Wettkampf
mitgeflogen und in der dritten Woche reiste die ganze German Invasion nach Bulwer (120 Km
Westlich von Durban) um gemütlichen auszufliegen, bevor die Rückreisse in Johannesburg
angetreten wurde.
Schon bei der Ankunft im
Flughafen wurde man mit angenehmen 25°C emfangen und muste feststellen, das die Deutsche
Winterkleidung nicht gerade das passende Outfit für diese Temperaturen ist. Die erste
Amtshandlung am Flughafen war, 200 DM in die Landeswährung (Rand) zu tauschen. Für 1 DM
bekommt man ca. 3 Rand. Als nächstes besorgten wir uns alle eine neue Afrikanische
SIM-Karte für unsere Handys. Diese bekommt man in MTN oder Vodacom-Läden für 20 DM und
somit auch eine neue, afrikanische Telefonnummer. Mit dieser neuen SIM-Karte kann man sein
Handy für 20 DM oder 60 DM aufladen und abtelefonieren. Wenn man seinen Betrag
abtelefoniert hat, konnte man sich das Handy selber wieder aufladen, indem man einfach
wieder ein Paar Einheiten (60 Rand oder 180 Rand) kaufte. Dieses aufladen der
Telefoneinheiten heisst: "pay as you GO" und gibt es in den "Verpackungsgrössen"
"R60 Call-a-lot"oder
"R180 Call-a-lot"dieses
kann man überall kaufen, sogar an grösseren Tankstellen. Dieses Aufladen geschieht auf
eine super einfache Art und Weise. Wenn man z.B. eine "R60 Call-a-lot" gekauft hat,
ein kleiner 7cm x 14cm, gelber Umschlag. In diesem Umschlag war eine
"Geheimnummer". Diese Geheimnummer tippt man in sein Handy ein und schon hat man
ein Guthaben aufgeladen. Um nachzuschauen, was denn der aktuelle Guthabenstand ist, tippt
man einfach *555# die "Wählen" Taste und somit zeigt einem das Handy das
Restguthaben an.
Nachdem wir den MTN-Laden am Flughafen geplündert hatten suchten wir die Autovermietung
auf um zwei VW-Busse mit Klimaanlage zu übernehmen. Dort wartete auch Anthony Allen,
unser südafrikanischer Guide und begrüsste alle mit Handschlag recht herzlich in
Kapstadt. Bei der Fahrt zum Hotel fing Anthony schon mal mit einer Einweisung im Verhalten
auf Afrikanischen Strassen an. Ersteinmal Linksverkehr, zweitens vor den Taxis Abstand
halten! Es soll Leute gegeben haben, die eine Fahrt mit eimem Südafrikanischen Taxi
überlebt haben. Anthony hielt das allerdings für ein Gerücht. Drittens vorsicht vor den
Fussgängern auf den Autobahnen, und das ist wirklich kein Witz. Wir sind selber zu einem
Unfall gekommen, in dem ein Fussgänger auf einer drei Spurigen Autobahn angefahren
wurde!!
Im Hotel hiess es dann kurz die Zimmer beziehen, seinen Packsack
fliegerfertig herrichten und sich vor dem Hotel sammeln. Es geht zum Lions Head, liess uns
unsere Südafrikanischer Tandem- Wettkampf- Strecken- Motorschirm- Nationalmaschaftspilot
und Fluglehrer Anthony wissen.
"Auf, auf," 10 Mann und 2 Frauen wurden auf die zwei
8-Sitzer Busse aufgeteilt und in 10 Minuten zum Lions Head gefahren. Nach 10 weitere
Minuten Fussmarsch standen wir vor dem kleinen mit "Maschendrahtzaun"
befestigten, Startplatz. Dieser "Startplatz" war so klein, das jeweils immer nur
ein Schirm auslegen und starten konnte. Anthony erklärte uns diesen Starplatz und seine
Besonderheiten ganz genau. Der Landplatz ist eine Fussballfeld grosse Wiese direkt am
Meer. Zu weit nach links dürft ihr nicht, da ihr ansonsten in der Düse zwischen Lions
Head und Table Mountain kommt und dann in die Innenstadt von Kapstadt gespült werdet.
Wenn ihr nach rechts absauft, dann hat man ein Problem mit dem Landen, da auf der Seite
das Gelände sehr steil und zudem auch noch total zu gebaut ist. Alles klar?! Wer ist der
Erste? Kein Freiwilliger! Gut, dann gehe ich halt als erster raus. Nachdem mir
min. 5 Helfer den Schirm gerichtet hatten kam der Antony zu mir und erklärte mir noch wo
es am besten geht und ja nicht über die Steine da hinausgeraten, auch nicht direkt zum
Landeplatz fliegen, da man ansonsten gegen den starken Wind nicht ankommt! Hääää was'n
nun?? Denke ich so bei mir. Also gut noch mal 5 Minuten persönliche Einweisung über jede
einzelne Wiese und jeden einzelnen Baum auf diesen 300 Höhenmetern und ca. 2 Km bis zum
Landeplatz. Ich kann mir vieleicht nur die Hälfte von dem merken was mir unser
englischsprachiger Guide erklärte. Egal, das Wesentliche habe ich begriffen und ein
bisschen kann ich ja auch fliegen, also Start. Ich fliege in einem sanften Steigen von
1-2m/s vom Berg weg um erst einmal die Windgeschwindigkeit "draussen" zu messen.
Ich komme mit 15-20 Km/h voran. Das heisst, das uns der Wind mit 15-20 Km/h ins Gesicht
bläst. Gut, das ist doch fliegbar. Mittlerweilen trauen sich auch die anderen zu starten.
Die Startszenen sind teiweise nich gerade so der Hit und bedürfen noch einiger
Verbesserungen. Später erfahre ich, das sich einige Schirme von dem auf dem Boden
befestigten Maschendrahtzau nicht trennen wollten und den Start einfach verweigerten oder
damit drohten einige Leinen oder gar das Tuch zu zerreissen.
Die Aussicht war berauschend. Sonne total. Rechts vor uns das
Meer, links der Tafelberg und die zwölf Apostel. Allerdings war den Tafelberg von einer
Wolke bedeckt. Auch auf dem Gipfel des Lions Head bildete sich eine dicke fette Wolke am
Gipfel. Der Wind wurde nun ertwas stärker. Stellenweise konnte ich nur 6km/h
Vorwärtsspeed auf meinem GPS ablesen. Das ist nun der Punkt, an dem ich normalerweise
sage, dass das unfliegbare Bedingungen sind. Antony hatte das in seiner Einweisung auch
erwähnt und uns gesagt, dass man da immer noch "perfect" fliegen kann. Nun wird
mir klar, warum hier der Flugbereich so exakt abgegrenzt ist. Ich beobachte die Wolken,
diese formen sich so langsam zu supergenialen Lentis. Die Windgeschwindigkeit nimmt nicht
mehr zu. Nun fliegen ca. 10 Piloten am Lions Head bei "perfect" Bedingungen.
Keine 600 Meter neben uns steht eine Lenti die sich "Von und Zu" schreibt. Mir
wird klar, warum diese Wolke am Tafelberg "das Tuch des Teufels" heisst. Die
Bedingugen sind ruhig und absolut gut fliegbar. Wenn unser Führer nicht einen so guten
Eindruck auf mich gemacht hätte, dann wäre ich wohl schon lange zum Landen gegangen.
Nach 2 Stunden soaren vom feinsten fliegen die Piloten einer nach dem anderen zu dem
Landeplatz direkt am Meer. Keine 50 Meter neben dieser Landewiese ist das
Vereinslokal der einheimischen Gleitschirmpiloten. Der Antony lädt uns alle zu einem
Landbier ein.
Wir sind völlig platt von den Eindrücken, die so gewaltig auf uns
einfliessen. Wir sitzen im T-Shirt und kurtzen Hosen auf der Terasse, schauen dem
Sonnenunetergang um ca. 19 Uhr 30 zu und schädeln uns ein Bier hinein. SUPER. Einige von
uns rufen Freunde (jetzt wohl Ex-Freunde) an und lassen diese an unseren endlosen
Glücksgefühlen teilhaben. Der Abend klingt in einem kleine Steakhaus bei super guten und
tatsächlich preisgekrönten Steaks aus.
Die
folgenden Tage in und um Kapstadt verliefen ähnlich genial. Wir sind noch vom Signal Hill
geflogen, desweiteren hatten wir einen ca. 25km Streckenflug von der Passstrasse Dutoifs
Kloohais nach Franschhoek und einige von uns sind noch am Sir Lowry's Pass
rumgepöttelt. Es war nur ein Tag unfliegbar. Allerdings wurde dieser zur
Besichtigung des "Two Oceans Aquarium" (min. 2 Stunden Zeit nehmen) und für
einen Einkaufsbummel in der Waterfront genutzt. Den absoluten Vogel haben wir wohl mit dem
Befliegen des Tafelbergs abgeschossen. Der Tafelberg in Kapstadt darf nur von einer
eingewiesenen Person mit Berechtigungsschein beflogen werden. Diese Person darf dann noch
weitere 3 Piloten mitnehmen, allerdings müssen diese Piloten mindestens 200 Flüge
nachweisen können. Der Start ist wirklich hua auwaia und verläuft ohne Einweisung mit
100% Sicherheit nicht ohne Verletzte ab. Die Einweisung vom Antony dauerte diesmal
deutlich länger als die üblichen 15 Minuten. Spätestens hier wurde jedem klar, warum
die Südafrikanischen Piloten mit Schienbeinschonern und Eishockeyellenbogenprotektoren
starten. Der Start sieht in erster Linie wie ein Klippenstart aus, allerdings läuft man
längs dieser Steilklippe und darf sich nicht mehr als 30-40 Meter von der Kante
entfernen, da man ansonsten in den Leebereich der vorgelagerten Felsen fliegt. Erst wenn
man 500 Meter vorgeflogen ist und die Bergstation der Seilbahn erreicht hat ist man
"save" und es stehen einem verschiedene Richtungen zum Befliegen offen.
Einige von uns kreisten öfters an den schaulustigen Touris vorbei die ständig klick,
klick fotografierten und sicherlich den einen oder anderen Film verschossen. Die Zwölf
Apostel bis zum Cape zu befliegen war an diesem Tag leider nicht möglich. Insgesamt wurde
an diesem Tag der Tafelberg von 12 Piloten beflogen. Der Bahnbetreiber war von diesem
Anblick Tafelberg mit 12 Schirmen so angetan, dass wir zwei Tage später für die Auffahrt
nichts bezahlen mussten. Leider war dann der Wind schon zu stark, wir verzichteten auf
einen Flug und fuhren mit der Bahn, made in Swizerland, wieder nach unten.
In der zweiten Woche unseres Afrika Urlaubs stand dann die
South-Afrikan-Harmony in Portevill auf dem Programm. Die komplette German Invasion mit 24
Piloten fand sich zwei Tage vorher in Portervill ein, um das Gelände in Augenschein zu
nehmen. Die Strecken, die wir bis dato flogen, entsprachen einigermassen den im Wettkampf
gestellten Aufgaben. Wir wahren also auf die Verhältinisse hier eingestellt. Zur
Einschreibung erhielt jeder Pilot ein Poster auf Glanzpapier mit den Abmessungen 100 cm X
60 cm. Auf diesem Poster war die Wettkampfkarte mit eingezeichneten Wenden, die
Koordinatenliste und Bilder der Wendepunkte in Fotoqualität. Es tat richtig weh,
dieses Prachtstück in Kartenhaltergerechte Stücke zu zerschneiden. Desweiteren erhielt
jeder Pilot noch mal das gesamte Regelwerk dieser Veranstaltung. Auf der Rückseite dieses
Regelwerks stand die Wettkampfnummer des Teilnehmers. Nummern für die Schirme gab es
nicht weil dieses zu teuer sei und ausserdem den Schirm verklebe. Dafür war Funk mit 2m
Band vorgeschrieben. Es wurde auf 141,625 gefunkt. Da mein legales Amateurfunkgerät sich
weigerte auf dieser Frequenz zu senden muste ich mir erst einmal eine offene Version
meines Funkgerätes besorgen. Das Funken selber funktionierte ansonsten ganz gut. Die
Wettkampfleitung brannte mit einer wahnsinns Leistung über den Äther und bügelte alles
platt, was sonst noch so auf die Sendetaste drückte. Lästig waren nur die Piloten mit
Vox. Ein Lustiges Hust, hust, rooootz spuk, oder das nette Pip pip pip eines fremden
Varios trug schlicht weg zur Erheiterung der anderen Piloten bei.
Am Startplatz war eine Beschattung für die 130 angemeldeten Piloten
aufgebaut und auf dem gesamte Starplatz war eine grünes feinmaschiges Netz ausgelegt,
welches das Verhängen der Leinen an den spitzen Steinen verhinderte. Der Startplatz
selber war nicht wirklich glücklich gewählt. Wenn der Wind etwas stärker wurde dann kam
er von der linken Seite und der vorgelagerte Felsen bildete dann ein tolles Lee und man
startet voll, aber wirklich voll im Rotor!
Am ersten Wettkampftag setzten die Tasksetter eine ca. 47 km lange
Aufgabe. Allerdings muste man zu der Startboje erst einmal ca. 8 Km weit fliegen um sein
Startfoto machen zu können. Die Thermik am Startberg war nicht ganz so dolle und so kan
es, dass einige Piloten im "Turky Patch" (Landefeld) landen gehen mussten.
Allerding durften diese Piloten wieder hochfahren und einen Wiederstart machen, solange
das window open war. Ich bin so ca. 30 km weit gekommen als im Funk die Meldung kam, das
ein Pilot gerade abestürzt sei. Dann hörte man den Verünglückten selber: "Ok,
schnauf, schnauf, my arm is broken, schnauf, schnauf, and something is with my hip."
Es kam dann sofort die Meldung von drei, vier weitere Piloten, das sie in der Nähe der
Unfallstelle sind und das sie dort landen gehen. Ich war total perplex. Ich drehte eher
phlegmatisch im minem 0,5er bis 1m/s Bart weiter und überlegte ob ich landen gehen sollte
oder ob ich weiterfliegen sollte. Ich benötigte 5 Minuten um mich zum Weitermachn zu
entscheiden. Derweil setzt sich der Pulk von mir ab und fing an den Pass zu queren. Ich
hatte noch nicht genügend Höhe um abzufliegen. Also aufdrehen und die Verfolgung wieder
aufnehmen. Über den Pass wählte ich eine andere Route, die sich als wesentlich schneller
herausstellte. Endlich kam das Ziel in Sichtweite. Vollgas. In Talmitte sehe ich einen
roten Apco Baghera, das war Gunther Lawer aus unsere Truppe. Mal sehen wer schneller ist.
Ich komme zwar an ihn heran aber bis zur Ziellinie kann ich ihn nicht überholen. Beim
Ziellinienüberflug funke ich: "Pilot 67 on a blue Swing-glider cross the line".
Keine Antwort im Funk. Egal sag ich's denen halt noch mal, wenn ich am Boden stehe, dass
ich die Ziellinie überflogen habe. Und tatsächlich, da kommt auch schon einer von den
Offiziellen gesprungen und fragt mich nach der Nummer. Kurz nach mir ist der Remo Kutz mit
seinem roten Proton über die Linie gehuscht. Ich stehe schon am Boden als ein Pulk mit
10- 15 Piloten ankommt. Ich feue mich und begrüsse die anderen Deuschen Piloten, die
schon im Ziel sind. Nun noch schnell zu den Offiziellen, zum kontrollieren, ob die mich
auch tatsächlich aufgeschrieben haben. Die Dame an der Ziellienie ist etwas genervt und
lässt mich nur ungerne einen Blick auf die Zeitnahmeliste werfen. 15:17 Steht hinter
meinem Namen. Gut, die haben mich aufgeschrieben. Aber wieso stehen da keine Sekunden und
wieso hat die Tante bei 2-3 andere Piloten ebenfalls 15:17 geschrieben?? Ich
befürchte das schlimmste. Mist, was solls, bin zum Urlaub machen da. Als ich meinen
Schirm zusammenlegen will fragt mich eine Englische Pilotin, ob ich der Pilot des
"blue glider" sei. Freudestrahlend bejae ich die Frage. Daraufhin fragt sie
mich, ob ich sie gesehen hätte, sie sei den weissen Proton geflogen. "Nein ich habe
dich nicht gesehen" war meinen Antwort. Daraufhin fragt sie mich nach meiner Zeit.
Ich antwotortete voller Stolz "15:17". Sie meinte nur: "Ah ja, ich war vor
dir" drehte sich um und ging!?! Ich versuchte diesen Diaolg erst gar nicht zu
verstehen. Ein kleiner LKW wird mit Piloten beladen. Für uns ist leider kein Platz mehr
und wir müssen zwei unserer VW-Busse ordern um unsere Rückholung zu gewährleisten da
insgesamt 10 Deutsche Piloten im Ziel stehen. Der Reiner Bleich müsste ganz gut dabei
sein. Er sagt uns, dass er als erster die Linie überquert hat. Als wir am andern Tag die
Liste sehen, trauen wir unseren Augen nicht. Der Reiner auf Platz 4. Gut, das wollen wir
mal glauben. Gunther auf Platz 12, OK. Dann kommen 7 Südafrikanische Piloten. Meine
Wenigkeit auf Platz 19, dann kommen wieder 2 Südafrikaner und dann kommt erst Remo Kutz.
Wir drei sind uns 100% sicher, dass sich keine anderen Piloten zwischen uns über die
Ziellinie gemogelt haben. Also nein, wir pennen doch nicht beim fliegen. Auch die
Engländerin war auf dem 6. Platz, obwohl wir im nachhinein recherchiert haben, dass die
gute Frau ca. 5 Minuten nach uns über die Linie geflogen ist! Wir machen abends ein klein
wenig Stress im Wettkampfbüro, natürlich wollen wir auch nicht, dass andere
benachteiligt werden, aber eine ehrliche Wertung wäre uns schon recht. Nach dem
Remo mit einem offizellen Protest droht wurde die Reihenfolge wie folgt festgelegt: Ich
komme auf Platz 13, Remo auf Platz 14, und Gunther auf den 18. Platz. Das entspricht
in keiner Weise dem tatsächlichen Zieleinflug. Unsere Engländerin werden 3 Minuten
draufgeschlagen. Der Wettkampfleiter hielt das für einen guten Kompromiss. Ich halte das
für lachhaft, wenn man Plazierungen aushandeln kann, obwohl es ein Video vom Zieleinflug
gibt. Danach hatten wir alle ein kleinwenig das Gefühl, dass die Südafrikaner schlicht
weg Angst davor hatten, dass die Deutschen ihnen um die Ohren fliegen könnten.
Für die anderen Durchgänge hielten wir uns mit nörgeln
zurück. Alle Deutschen sahen nun zu, dass deren Dokumentation 100% wasserdicht ist. Wir
fotografierten beim Ziellinenüberflug die Uhr auf dem GPS (atomgenau) und beobachteten
einige andere Piloten. Proteste oder Hinweise darüber wie sich andere Piloten einen
Vorteil holten, machten wir nicht, da wir auch wollten, dass diese Meisterschaft friedlich
zuendegehen sollte.
Am zweiten Tag war der Wetterbericht sehr verheissungsvoll:
Auslösetemperatur bei 31°C erreicht um 10 Uhr 30. Temperatur maximum 38°C. Und der
Wetterbericht hat Recht behalten. Auch heute waren die Deutschen wieder gut dabei. Dieses
Mal schaltete ich das Funkgerät erst im Endanflug ein, um den nervenden Geräuschen
unserer VOX-Gemeinde zu entgehen."The blue gradient, please don't fly here, we have
an emergency helicopter insert." Na toll, da hat es wieder einen runtergehagelt.
Mist! Ich weiss nicht was los ist. Ja, die Bedingungen der letzten zwei Tage sind hart
aber nicht unfliegbar! Ich setze meinen Endanflug fort und ärgere mich über meine eigene
Blödheit. Ich mache einen Endanflug mit einer +900 Meter Anzeige des
Endanflugrechners. Mist, verschätzt. Ich dachte, dass in diesem Tal der Wind dreht und
ich einen Anflug mit Gegenwind machen muss. Dummerweise war dem nicht so und nun fliege
ich mit 60-70 Km/h dem Ziel entgegen. Abends erfahre ich, dass es einen Toten bei diesem
Wettkampf gegeben hat. Bernd Keck aus unserer Gruppe war bei der Bergung des
verunglückten Piloten dabei. Der Pilot war ein Südafrikaner. Dieser Mann wog ca. 120 kg
und war sichtlich untrainiert. Der Schirm des Verunglückten war ein Doppelsitzerschirm
Futura 34, welchen er solo flog. Laut Augenzeugenbericht eines Südafrikanischen Piloten
hatte der Pilot einen Einklapper, den er nicht mehr aufpumpte. Der Schirm drehte weg und
nach zwei Umdrehungen prallte der Mann gegen eine Felswand und blieb regungslos liegen.
Bernd sah den Unfall selber nicht, sondern entdeckte nur den Piloten auf dem Bauch
liegend. Daraufhin machte er einen tiefen Überflug und rief dem Man zu, was den los
sei. Da sich dieser Mann immer noch nicht bewegte entschloss sich Bernd Keck dazu,
oberhalb der Absturzstelle einzulanden und zu dem Verunfallten abzusteigen. Zeitgleich
traf ein weiterer SA-Pilot an der Unfallstelle ein. Beide konnten nur noch den Tod des
abgestürzten Piloten feststellen. Laut Aussage vom Bernd muss der Mann mit einer emensen
Wucht auf den Felsen geprallt sein, da an dem Felsen Blutspuren zu finden waren. Auch
waren dem Verunglückten Arme und Beine gebrochen. Von weiteren ekligen Details möchte
ich mal absehen. Die weitere Bergung geschah sehr schnell und vorbildlich mittels
Rettungshubschrauber, der einen Sanitäter mit einer Seilwinde an der Unglücksstelle
absetzte und den Toten dann aufnahm. Am selben Abend wurde das Gerücht verbreitet,
dass dieser Pilot während des Fluges einen Herzinfarkt erlitten haben soll. Dummerweise
kann man soetwas erst nach einer Obduktion feststellen!!!!!!!!
Am darauffolgenden Tag war uns allen etwas mulmig beim Briefing. Der
Wettkampfleiter forderte uns zu einer Schweigeminute für den verstorbenen Piloten auf.
Danach berichtete er, wie es dem ersten verunfallten Piloten ging. Er sei nur leicht
verletzt. Er habe sich den Arm, zwei Rippen und die Hüfte gebrochen und die Niere sei
gequetscht. Halt leicht verletzt für Südafrikanische Verhältnisse. An diesem dritten
Tag waren die Bedingungen am Startplatz schon sehr heftig und wurden im Laufe des Tages
noch stärker. Ich selber bin an diesem Tag nicht geflogen, obwohl ich unter den ersten 20
Piloten im Gesamtklassement war und somit berechtigt, meinen Startzeitpunkt frei zu
wählen. An diesem Tag sind viele Piloten mit dem Auto runtergefahren. Die darauffolgenden
Tage waren dann alle noch gut fliegbar und wir hatten einige gute Durchgänge ohne
Verletzte. Es war einfach der starke Wind, der vielen Piloten zu schaffen machte. So
konnte Christian Blum einmal nicht über die Ziellinie fliegen, weil ihm der Beschleuniger
abgekracht war. Obwohl er 400 Meter vor der Linie in der Luft stand und 6m/s Steigen hatte
konnte er nicht ins Ziel fliegen, sondern muste abspiralen und wurde 1,5 km weit
verblasen.Die sonstige Organisation wie Rückholung, Notversorgung, Essen, Trinken und
Filmauswertung war super organisiert. Hier ein Lob an all die freiwilligen Helfer und
Helferinnen.
In der dritten Woche flog die gesamte German Invasion mittels
Innlandflug von Kapstadt nach Durban um am Flughafen wieder 4 VW-Busse zu mieten und nach
Bulwer, 120 km Östlich von Durban weiter zu reisen. Das Klima hier war wesentlich
feuchter. Die Landschaft gleicht vom Bewuchs dem Deuschen Schwarzwald. Das hier die
Afrikanische Holzindustrie zuhause ist, kann man leicht an dem grossflächigen Anbau von
Nadelbäumen erkennen. Unser Hotel ist auf 1600 Meter NN und wirkt sehr gespenstisch. Als
unser Konvoi vor dem verschlossenen Tor zu halten kam bestaunten wir alle den 2,5 Meten
hohen Elektrozaun rings um das Hotel herum, der zu allem auch noch im der feuchten Luft
leicht surrte und ganz deutlich zu verstehen gab, dass da sicherlich einige Volt drauf
sind. Das Hotel sah aus, als wären die Geister gerade mal zur Teestunde verschwunden.
Besonders auffällig war der Morgenstern neben der Eingangstüre zur Bar. Die
Räumlichkeiten waren ganz im Englischen Stiel gehalten. Das Haus war sehr sauber und
beinhaltete jeglichen Luxus, den man sich nur wünscht. Da waren ein Swimmingpool, eine
Sauna, ein Wirlpool, zwei Tennisplätze, eine Botcia Wiese, ein Reitstall, Kaminfeuer und
sogar ein echter Snooker Tisch. Halt alles, was Mann von Welt so braucht. Das Essen in
diesem Hotel war vom Feinsten. Der Flugberg war direkt hinter dem Hotel und man konnte
innerhalb 1 Stunde 10 Min. zum Startplatz laufen. Der Berg war teil des dortigen
Nationalparks und so kostete der Eintritt zum Startplatz als Flieger 8 Rand, als
Fussgänager ohne Schirm 5 Rand. Der Startplatz war eine ca. 400 Meter lange Wiese und lud
alle Piloten zum soaren ein. Gerade das Richtige zum Ausklang eines gelungenen Urlaubs. In
Bulwer stuften wir einen Tag einfach als unfliegbar ein, damit wir ein paar Löwen und
Elefanten in einem grossen Tierpark mittels Autosafari anschauen konnten. Nach 5 Tagen
Relaxing machten wir uns auf den Weg nach Johannesburg, um von dort den Heimflug
anzutreten.
Zum Schluss möchte ich mich noch mal beim Remo Kutz für die
Organisation bedanken.
Ich habe sicherlich nicht alle Höhen und Tiefen dieser Reise
schildern können, allerdings würde das den Rahmen sprengen und ich verdiene meine
Brötchen schliesslich nicht mit "Berichte schreiben im Internet". Wer tut das schon? Anm.d.Red.
Für Korrekturen und Anregungen bin ich wie immer dankbar. Happy Hippo Amin Appel
Teilnehmerliste
| Remo Kutz | Ligapilot | |
| Wolfgang Fetscher | ||
| Armin Appel | Ligapilot | |
| Gunther Lawer | ||
| Ulrich Probst | ||
| Stefanie Schaaf | ||
| Ulf Helbig | ||
| Lutz Dähne | ||
| Christian Blum | Ligapilot | DHV-Technikvorstand |
| Anja Trudel | Ligapilot | |
| Jörg Zitzmann | Ligapilot | |
| Berthold Fuchs | ||
| Stefan Schenker | ||
| Klaus Emde | ||
| Ulrike Bäuerlein | Ligapilot | |
| Norbert Lipp | ||
| Thomas Weiss | ||
| Stefan Zepner | ||
| Carmen Solder | ||
| Rainer Blaich | Ligapilot | |
| Henning Schünke | Ligapilot | |
| Werner Metzger | ||
| Bernd Keck | ||
| Josef Reichert | ||
| Arne Wehrlin | Ligapilot | In SA getroffen |
| Armin Harich | Ligapilot | In SA getroffen |
| Alexander Röhrl | In SA getroffen | |
| Schorsch Höcherl | In SA getroffen | |
| Thomas Beil | In SA getroffen | |
| Kurt Gaul | In SA getroffen |
Harmony Gold Paragliding Championships 2000
Nur Deutsche Teilnehmer
Platz |
Name |
Glider |
Class |
Total |
Task 1 |
Task 2 |
Task 3 |
Task 4 |
Task 5 |
Task 6 |
Task 7 |
8 |
Blum Christian |
Advance |
Serial |
4928 |
675 |
697 |
847 |
569 |
741 |
715 |
683 |
10 |
Harich |
Ozone |
Serial |
4898 |
566 |
840 |
792 |
562 |
691 |
901 |
546 |
30 |
Trudel |
Advance |
Serial |
4205 |
746 |
772 |
783 |
0 |
585 |
693 |
627 |
48 |
Lawer |
Apco |
Serial |
3318 |
724 |
341 |
0 |
133 |
551 |
717 |
854 |
52 |
Kutz |
Ozon Proton |
Serial |
3251 |
728 |
581 |
0 |
119 |
401 |
585 |
837 |
54 |
Appel |
Swing Cirrus |
Open |
3050 |
729 |
775 |
0 |
541 |
0 |
632 |
372 |
60 |
Schüke |
XIX Top2 |
Sport |
2827 |
0 |
398 |
0 |
543 |
576 |
901 |
409 |
61 |
Probst |
Firebird |
Sport |
2825 |
328 |
525 |
0 |
165 |
671 |
522 |
614 |
64 |
Blaich |
UP Gambit |
Open |
2793 |
824 |
802 |
0 |
571 |
0 |
0 |
597 |
66 |
Schenker |
Ozon |
Sport |
2746 |
471 |
697 |
0 |
0 |
305 |
689 |
584 |
70 |
Zitzmann |
Swing Astral II |
Sport |
2725 |
587 |
490 |
764 |
98 |
635 |
150 |
0 |
79 |
Fuchs |
Firebird |
Basic |
2171 |
311 |
341 |
740 |
98 |
533 |
148 |
0 |
88 |
Fetscher Wolfgang |
Airea |
Basic |
1896 |
471 |
518 |
0 |
89 |
164 |
375 |
278 |
89 |
Werlin Arne |
Swing |
Open |
1890 |
328 |
341 |
739 |
482 |
0 |
0 |
0 |
90 |
Lipp Norbert |
Edel Sector |
Open |
1881 |
666 |
561 |
0 |
0 |
540 |
115 |
0 |
94 |
Weiss Thomas |
Swing |
Open |
1649 |
454 |
547 |
0 |
0 |
533 |
115 |
0 |
97 |
Zeppner |
Freex Flair |
Basic |
1408 |
198 |
505 |
0 |
0 |
590 |
115 |
0 |
101 |
Keck Bernd |
FD- A5Sport |
Basic |
1032 |
24 |
274 |
502 |
0 |
0 |
231 |
0 |
112 |
Schaaf Stephanie |
Nova Axon |
Sport |
628 |
628 |
0 |
0 |
0 |
0 |
0 |
0 |
115 |
Emde Klaus |
ProDesign |
Sport |
506 |
506 |
0 |
0 |
0 |
0 |
0 |
0 |
128 |
Soder Carmen |
Advance |
Basic |
0 |
0 |
0 |
0 |
0 |
0 |
0 |
0 |