One day stand: Gurtzeug Edel Pole Position
Gut, zugegeben, es waren zwei Tage an denen ich das "neue" aus dem Hause Edel fliegen konnte, also eigentlich ein two day stand. Mitte der Woche kam das Paket aus Schwangau an (Danke nochmal, Richy!) und da ich Donnerstag Abend noch genug Zeit fand die Rettung umzubauen und ein Speedsystem zu knüpfen durfte das Pole Position seine Eignung dann gleich am Wochenende unter Beweis stellen.
Bereits
beim Auspacken und ersten Beschnuppern fiel mir die übersichtliche Konstruktion des
Sessels auf, wenig schlackert und klimpert, das ganze Stück wirkt kompakt und irgendwie
aufgeräumt. Auch fand ich das Gewicht ganz angenehm, klar - kein light-Gurt aber auch
keine fliegende Festung. Ich denke auch die modernen Cobra-Klickverschlüsse sparen
einiges an Gewicht, optisch sind sie ohnehin eine show und Eis oder Sand dürften auch
weniger Chancen haben, das ordnungsgemäße Einrasten zu verhindern. Schon (nach nur einem
Jahr auf dem Markt) Standard ist die T-Bone-Bauweise der Brustgurtschließe, die ein
Herausfallen bei offenen Beingurten verhindert.
Als nächstes fällt der Blick routinemäßig auf die Staumöglichkeiten: Beim Modell mit der Rettung rechts befindet sich entsprechend links eine Tasche für alles Mögliche (vor allem Sicherheitsausrüstung) und natürlich gibt es das Rückenfach für den Packsack. Aber was ist das, wie soll das passen? Da paßt doch kein Packsack rein, daß kann doch nicht deren Ernst sein? Und wozu ist der zweite Reißverschluß? Das Rätsel läßt sich schnell lösen, kleines Gepäck (Übungshang, Düne) - kleines Fach, großes Gepäck - großes Fach! Mit dem Reißverschluß und der darunter befindlichen Falte läßt sich der Stauraum vergrößern wie ein Hubdach beim Boot oder Campinganhänger. Somit verschwindet auch mein SupAir XXL mühelos, was man nicht von jedem Gurt sagen kann. Praktisch und chick! Weiterhin ein durchdachtes Detail ist das zuklettbare Geldbeutel- oder Autoschlüsselfach innerhalb des Rückenstauraums, damit man beim Auspacken des Rucksacks nicht gleich alles mögliche auf dem Landeplatz verteilt und anschließend in der Dämmerung sucht...
Vermißt habe ich lediglich eine Fototasche, da muß dann der gute alte Skyline Bierdosenhalter wieder her. Außerdem frage ich mich wann alle Hersteller serienmäßig eine Schlaufe in die Seitentasche einnähen, an der man alles sichern kann, was nicht herausfallen darf (Raketenwerfer, Kappmesser etc.), so bleibt es wie gewohnt bei der Sicherheitsnadel.
Als
nächstes war der Protektor dran, riesengroß ist der und im Gegensatz zu den meisten
gütegesiegelten Artgenossen (FreeX zum Beispiel) auffallend weich. Zunächst dachte ich
zu weich, wenn ich mich mit geballter Faust auf das gute Stück gestützt habe konnte ich
glatt durchdrücken. Erste Boxversuche verliefen dann schon besser und ich erinnerte mich
an Klemens Bericht und daran, daß gegen "weich" nichts spricht solange die Luft
langsam und kontrolliert herausgeht. Also wieder einbauen und die (Taucher-)Rolle
rückwärts vom Bett (tut mir echt leid, Jungs, aber so ist das wenn man mir was schickt).
Es macht ordentlich "pffft" und irgendwann sitzt man auch auf dem Boden der
Tasachen, aber den Aufprall selbst schluckt der Schaumstoff optimal, besser auf jeden
Fall, als ein "steinharter" Protektor. Also außer verstörten Nachbarn unter
mir alles im grünen Bereich. Nach Aussage von Edel handelt es sich um den besten auf dem
Markt erhältlichen Protektor dieser Bauart, ich persönlich würde eine Kiste Bier darauf
setzten, daß es ein BumpAir ist, das wurde mir aber nicht offiziell bestätigt.
Der Einbau der Rettung seitlich erfolgt wie gewohnt und ohne große
Tricks, außerdem macht man das wegen der Kompatibilitätsprüfung ja auch auf keinen Fall
selbst. Mal angenommen ich hätte das jetzt getan hätte ich festgestellt, daß der
Auslösegriff mit zwei Verbindungsleinen zum Innencontainer versehen ist. Je nach Position
der Einschlaufung dort kann man so die optimal kürzeste Verbindung erreichen. Aber
aufgepaßt! Die kürzere der beiden ist nicht automatisch die bessere Variante, auch wenn
man alles zusammengebaut bekommt. Ist die Verbindung zu kurz strafft sie sich bevor die
Splinte aus den Schlaufen des Außenkontainers gezogen werden können und die Rettung ist
blockiert! Also hätte ich, hätte ich es getan, natürlich eine Probeauslösung
durchgeführt und dabei die Auslösefähigkeit sichergestellt.
Die gurtseitige der beiden Verbindungsleinen zur Rettung führt in bewährter Manier
seitlich zum Schulterbereich und teilt sich dort in die beiden Schulteraufhängungen.
Freunde steuerbarer Rettungen dürfen wie immer basteln um ihre getrennten Tragegurte zu
realisieren.
Der Auslösegriff ist weiter vorne als bei den meisten anderen Seitenkontainersystemen (erstreckt sich bis zum Ende des Sitzbretts), in Flugposition greift man weniger suchend nach schräg hinten als in den Sichtbereich schräg vorn, was ich als sehr angenehm empfand (die Vorstellung). Mein erster Verdacht das Speedsystem scheuert am Außenkontainer bestätigte sich nicht.
Das Speedsystem selbst wird denkbar einfach "verlegt", innenliegende Führung, Raffung mittels gekreuztem Gummizug und komplizierte Umlenkung zur Veränderung der Geometrie sucht man vergeblich. Schon fast zu einfach kommt es einem vor, eine Rolle an einer V-Aufhängung oberhalb und ein Metallring am Ende des Sitzbretts - fertig. Knotet man schnell eine zweisprossige Anordnung mit Druckschläuchen als Pedale und schlauft das ganze an einem Knoten am Speed des Tragegurtes ein hat man ein echtes Minimalspeed, das aber in der Praxis dann richtig Laune gemacht hat.
Die Praxis folgte dann am Wochenende - wo sonst im Januar bei Nordföhn - natürlich in Bassano. Gleiten, soaren, Thermik fliegen - in zwei Tagen schnell alles ausprobiert, nicht schlecht. Maximale Flugdauer am Stück 1h, Langzeittests auf extreme Streckentauglichkeit fehlen also. Aber nach der einen Stunde würde ich sagen steht dem nichts im Wege, als so bequem empfand ich das Pole Position. Als klassischer Sitzgurt sollte es aber nicht übertrieben in der Rücklage geflogen werden, dann fehlt die Abstützung und trainiert die Bauchmuskeln. Ein Problem, das wir auch anschließend im Simulator nicht in den Griff bekamen, ist allerdings die Einstellung sowohl zum Fliegen als auch zum Starten zu finden. Die optimale Flugeinstellung staucht einen aufgerichtet ordentlich zusammen und klemmt an einer empfindlichen Stelle, lockert man die Schultergurte muß man nach dem Start nachstellen. Ärgerlich.
Dank der Aufhängungsposition und der Geometrie des Gurtzeuges wird das Feedback des Schirms schön weitergegeben, ich fand das aktive Fliegen sehr leicht. Im Gegenzug ist auch das Steuern mit Gewichtsverlagerung sehr einfach, was mir in den klassisch engen Bassano-im-Januar-bei-Nordföhn-Bärten sehr entgegen kam. Der Sicherheits-T-Bone-Gurt hätte aber gut ein paar Centimeter mehr vertragen können, da er nicht mittig zum Brustgurt führt sondern nach links behinderte er ein wenig beim extremen Gewichtsverlagern nach rechts mit übergeschlagenem Bein.
Absolut beeindruckt hat mich die Leichtgängigkeit und der "Wirkungsgrad" des Speedsystems, ich wußte gar nicht wie einfach das Gasgeben bei meinem Booster ist und wie genial der "boost" dann einsetzt. Frißt bei den Gurten mit verstellbarer Geometrie die Sitz-/Liegemechanik einen Großteil des durch die Beine geleisteten Weges wird bei der einfachen Konstruktion des Pole Position der volle Weg in den Beschleuniger selbst gesteckt. Dadurch reichen zwei Sprossen auch bei langen Beschleunigerwegen für Vollgas, für normale forcierte Reisegeschwindigkeit die erste. Ein einfaches Durchtreten brachte so erstaunlichen Spaß und ging dabei auch noch schön leicht, wobei das wohl auch stark vom Schirm abhängt. Absolut vorbildlich auch die Abstützung im Rückenbereich, genau da gehören die Umlenkrollen hin!
Insgesamt ist das Edel Pole Position ein funktionelles und durchdachtes Gurtzeug ohne viel Schnickschnack. Komplizierte Spielereien sucht man vergebens, Freunde größtmöglicher passiver Sicherheit werden vielleicht die fehlenden Seitenprotektoren vermissen und Streckencracks einige Zusatztaschen für Fotoapparat und Funk. Beachtenswert sicherlich das perfekt umgelenkte Speedsystem und die Plazierung der Rettung seitlich vorn. Gut gefallen hat mir auch das verstellbare Staufach am Rückenteil. Getrübt wird die Freude leider durch oben beschriebene Einstellungsproblematik.
Die Verarbeitung und Materialqualität macht einen sehr guten und robusten Eindruck, selten haben wir so saubere Nahtführungen und hochwertige Fäden auch an verdeckten Stellen gesehen. Das Design ist gefällig und die Optik kompakt aber nicht auftragend. Toller Satz, noch ein wenig Übung und ich gehe zu Fly&Glide. Was ich sagen wollte ist "groß aber kein fliegendes Dixi-Klo"! Einen geräumigen Packsack sollte man aber auf jeden Fall mitbringen, sonst landet man beim Wettpacken am Landeplatz garantiert nicht auf der Pole Position...
Das Gurtzeug ist erhältlich in den Farbkombinationen schwarz/gelb und blau/weiß (Grundfarbe/Design), wahlweise mit Rettung rechts, links oder Frontcontainer und kostet inkl. Protektor und Karabiner DM 990.-.