Ein türkischer Traum: Ölüdeniz
Über
Ölüdeniz wurde ja bereits einiges geschrieben. Ich möchte daher nicht wieder mit
Startrichtung und Höhendifferenz anfangen, sondern ein paar Tips für einen gelungenen
Urlaub in der Türkei geben.
Zielflughafen: Dalaman Standardsprache: Englisch - teilweise auch Deutsch.
Die beste Reisezeit zum GS-Fliegen ist zwischen Anfang Juni und Ende Oktober. In den Monaten Juli/August ist natürlich mit starker Thermik zu rechnen, aber auch im Oktober sind durchaus noch schöne Thermik- oder Soaringflüge die Regel.
Als erstes braucht man natürlich einen Flug: viel mehr als DM 550,- sollte der Charter ab deutschen Flughäfen nicht kosten. Zu empfehlen sind hier die Standard-Chartergesellschaften wie LTU und Hapag Lloyd. Es sind auch Flüge von türkischen Chartergesellschaften zu haben. Einfach mal im Reisebüro fragen.
Geld wechseln: unbedingt nur in der Türkei. Man bekommt fast das DOPPELTE wie hier. Im Flughafen Dalaman kann man direkt bei Ankunft tauschen (nicht so viel tauschen -in Oludeniz gibts weitaus besseren Wechselkurs). Allzuviele Türk Lira braucht man sowieso nicht. Hotel/Taxi/Kleidung oder Auffahrten zum Startplatz werden sowieso lieber in DM kassiert. Möglichst viele kleine Scheine mitnehmen.
Ab Flughafen Dalaman kann man dann bequem in ein Taxi steigen und sich für ca. 60 bis 70,- DM nach Ölüdeniz kutschieren zu lassen. Wenn man alleine ist: ruhig umschauen. Es stehen meist mehrere GS-Flieger dort herum, und vielleicht kann man sich ja wo dranhängen für die Fahrt. Fahrzeit tagsüber ca.45 Minuten, im Dunkeln eine gute Stunde. Die Fahrt im Dolmus (Sammeltaxi) ist nicht zu empfehlen, da dies zu einer Riesentour ausartet.
In Ölüdeniz selbst kann man
dann zwischen "allereinfachst", sprich Holzhüttchen auf dem Campingplatz (pro
Tag ca. umgerechnet DM 5,-/nur Unterkunft- Anzahl sehr begrenzt, auch eigenes Zelt
aufstellen ist möglich) und "nearly first Class" in den Anlagen des Ortes
(variiert zwischen 50 und 100 Mark mit Frühstück) wählen. Für jeden Geschmack (und vor
allem jeden Geldbeutel) ist etwas dabei. Ich selbst finde die örtlichen
"Familienhotels" (ca. 30 - 35 Mark mit einfachem Frühstück) am besten. Dort
wird man höflichst , ja fast familiär aufgenommen. Die Zimmer sind fast alle erst in den
letzten 2 Jahren entstanden, sind sauber und haben natürlich Dusche/WC und ein Pool
ist auch dabei. Mittlerweile werden auch Pauschalreisen nach Ölüdeniz angeboten
(verschiedene Kataloge im Reisebüro). Von der Örtlichkeit her spielt es keine Rolle, wo
man untergebracht ist. Der Ort selbst ist so klein, dass man die Abfahrpunkte der Jeeps
bzw. den Landeplatz von jedem Quartier aus in 2-3 Minuten Fussmarsch erreichen kann
(Ausnahme: Club Lykia/Robinson - liegt 2 Autominuten abseits).
Essen: reichlich und für jeden Geschmack etwas dabei. Neben dem örtlichen ( billigsten) Restaurant Kum Tur, das eine Grossfamilie führt ( Essen & 1 Bier/Cola ca. 10-12 Mark) gibt es auch noch viele Restaurants und Tavernen die sich westlicher orientieren. Chinesisch ist auch vertreten. Man kann auch ein Candlelight-Dinner haben. Und all die geschilderten Restaurants sind entlang der Strandpromenade auf einem "Flanierkilometer", wo sich tags (und spätabends) das Leben tummelt. Wer Disco und "Action" haben möchte, dem wird auch dies geboten.
Auffahrt: Die Fahrt von Oludeniz hinauf
zum Babadag (Startplätze zwischen 1600 und 1930 Meter ) dauert ca. 1 Stunde und wird fast
ausschliesslich auf 4-Wheel Jeeps (meist Kleinlaster mir riesigen Dachträgern)
durchgeführt. Es gibt grosse Unterschiede in der Qualität der Fahrzeuge und die Auffahrt
ist nicht von der ungefährlichsten Sorte. Also vor Abfahrt erstmal die verschiedenen
Fahrzeuge anschauen. Die Unterschiede sind offensichtlich. Der Preis liegt bei ca. 22 DM
pro Auffahrt. Davon erhält der Transporteur selbst etwa 12 DM, der Rest geht an die
örtlichen "Forstoberen". Noch vor 3 Jahren lebten diese davon, sich um Hunderte
von Bienenvölkern zu kümmern. Heute sieht man keinen einzigen Bienenkorb mehr - nur die
Herren im grünen Anzug sind noch die Gleichen. Sie haben jetzt einen Campingstuhl, eine
kleine Hütte, einen tollen Schlagbaum und ein Stromaggregat mit ca. 15 KW, um Tee zu
kochen und den Kofferradio mit Strom zu speisen. Was sie nicht haben? Quittungsblöcke!
Noch Fragen?
Am Babadag angekommen erklärt
sich eigentlich alles von selbst. Die Starplätze sind etwas felsig, aber nicht
unverhältnismässig anspruchsvoll. Rückwärtsstart zu beherrschen ist nicht schlecht, da
der Wind nicht unbedingt darauf Rücksicht nimmt, dass wir Urlaub haben. Man kann nicht
davon ausgehen, daß (wie in den Alpen) der Heli sofort organisiert wird oder ähnliches.
Ich habe einige böse Dinge am Babadag erlebt, die Seiten füllen würden. Auch wenn im
DHV-Info oder Fly&Glide immer wieder Leserbriefe aus der Türkei abgedruckt sind, die
beschwören, daß der Heli bereitsteht
und sich die Transporteure untereinander natürlich bei einem anstehenden
Verletztentransport aushelfen, habe ich doch das genaue Gegenteil erlebt. Aber: wir sind
in der Türkei und keiner wird gezwungen, dort zu fliegen. Vor Tandemflügen für die
mitgereisten Partner mit den lokalen "Turkish Tandem Pilots" empfehle ich, einen
Fachmann auszusuchen. Es gibt dort gute Tandempiloten, aber es gibt auch welche, die sich
für gut halten. Wenn man Gäste für ca. DM 150,- mitnimmt (in Badelatschen, kurzen Hosen
& T-Shirt) und hat einen Schirm, dessen Farbe man nur noch deuten kann und ein
Rettungsgerät für 100 kg Anhängelast, ist das meiner Meinung nach nicht nur
unverschämt, sondern lebensgefährlich. Aber nicht alle sind schwarze Schafe !
Empfehlenswert für den Babadag ist auf jeden Fall ein Rückenprotektor (Startabbruch/Felsen) sowie (der DHV verzeihe mir) ein Kompass. Wozu ? Ein Tip: Den Landeplatz findet man auch ohne !
Ich empfehle auch die Mitnahme eines Funkgerätes um im Notfall Hilfe zu holen. Das Gelände dort ist dermassen groß und zerklüftet - die Suche nach einem notgelandeten Piloten wäre ähnlich der berühmten Nadel im Heuhaufen. Wenn man alleine ist, sollte man vorher mit einem anderen Flieger oder auch einem der Transporteure (haben alle Funk im 2m-Band) eine Frequenz ausmachen. Handys funktionieren im GSM-Netz am Babadag immer, unten in Ölüdeniz allerdings eher selten.
Der Flug selbst: Oft ist der Babadag in
Wolken (Nebel) oder der Wind bläst zu stark. Dann heisst es warten und sich etwas in der
türkischen Lebensweise (alles etwas lockerer sehen) zu üben. Über XC-Flüge am Babadag
ist wohl dies und jenes geschrieben worden, aber allzuviel XC wurde dort glaube ich nicht
geflogen. Die Devise lautet: Immer geradeaus - soweit der Flügel trägt. Ich weis von
Piloten, die nach Streckenflügen in kleinen Dörfern landeten und dort erstmal als eine
Art Stargast stundenlang "festgehalten" wurden, um einen Tee zu geniessen oder
ein Häppchen zu essen. Auch der Rücktransport wurde auf irgendeine Art (und sei sie noch
so kurios) veranlasst. Gastfreundschaft schreibt man dort wirklich sehr groß.
Wer an XC kein Interesse hat, kann mit der Ausgangshöhe von fast 2000 Höhenmetern
auch viel anfangen. Das bekannte
"heute nur ein Gleitflug" bekommt nun ganz andere
Dimensionen. Im Normalfall kann man am Babadag überhöhen, dort soaren oder gar thermisch
fliegen, und wenns gut läuft wieder toplanden. Falls es oben nicht geht, gleitet man die
ersten 700-800 Höhenmeter ab bis zu einem vorgelagerten Rücken(Steilwände/heller Fels)
beim Robinson Club (jetzt Club Lykia). Dort kann man sich fast immer noch ein Weilchen
halten bevor es runter geht zum Strand . Als Landeplatz fungiert der Strand auf ganzer
Länge. Wer schon mal am Gardasee war, wird jetzt wahrscheinlich Tränen in den Augen
kriegen. Nach der Landung ruhig die Ausrüstung vom örtlichen "Packing Team"
zusammenpacken lassen. Sie verlangen 1-2 DM und alles ist so perfekt gepackt, wie es
irgendwann mal vom Hersteller kam. Es hat nichts mit Diskriminierung oder deutscher
Großmacherei zu tun. Die Jungs leben davon und sind wirklich froh, wenn sie die Schirme
packen dürfen. Bei der Gelegenheit könnt ihr Halil ja mal einen schönen Gruss sagen.
Was man sich wirklich nicht entgehen lassen sollte ist ein Gleitflug zum
Sonnenuntergang. Wenn man am Babadag bei einsetzender Dämmerung startet, geht man
förmlich mit der Sonne unter. Im reinen Gleitflug die ersten 1000 Höhenmeter abgleiten,
bis man in etwa 1000 Meter Höhe über dem Strand ankommt - ein Panorama, wie ich es sonst
noch nirgends erlebt habe.

Und hat man gute Freunde dabei, landet man direkt neben dem Tisch an der
Strandpromenade, wo schon ein kaltes Bierchen bereitsteht.
Rahmenprogramm für Fussgänger:
Auch die Nichtfliegenden kommen in Oludeniz nicht zu kurz.
Zuerst natürlich der Strand: nicht gerade Barbados, aber schöner Sand und klares Wasser. (Tip: 5 Min. zur Lagune laufen, Traumstrand !!)
Man kann Enduromotorräder leihen und stundenlange Touren machen, ohne eine Menschenseele zu treffen (Tip: zu Club Lykia und daneben dann die Bergstrasse hoch - traumhaft !!)
Natürlich werden Bootstouren aller Art (Segeltörn, Motorbootausflug, Charter) angeboten.
Ein türkisches Bad sollte man auch einmal nehmen.
Tourpackages gibt es Zuhauf: Alle möglichen Piraten-, Taucher- und Entdeckertouren werden angeboten (alles organisierte Touren mit Minibus/Boot).
Zum "Shoppen" ist das Nachbardorf Hüsarenyi (fast nur Kopien von Klamotten & Uhren) sowie natürlich das etwa 20 Minuten enfernte Fethiye (viel größer, riesige Auswahl an allem, was das Touristenherz begehrt) ideal. Nach Hüsarenyi bzw. Fethiye fährt man am besten mit dem Dolmus, einem Sammeltaxi das auf Bedarf überall anhält (Endhaltestelle ist Ölüdeniz). Fahrtkosten ca. 50 Pfennig.
Die Kinder kommen etwas kurz. Es gibt natürlich den Strand und (wie immer am Strand) Wasser, Wasser, Wasser. Ölüdeniz hat allerdings nicht die Kinderausstattung (Spielplätze, Animation oder ähnliches) zu bieten wie z.B. Antalya oder Side.
Hier noch ein paar nützliche Adressen:
Die Telefonnummern sind alle "ab Deutschland". In der Türkei die 0090 weglassen und 0 vorwählen.
Restaurants: Kum Tur: Türkische Küche, gut & günstig (s.oben)
Aladin: Türkisch/internat. (gehobener Standard & Preis)
abends Fliegertreff (frequentiert von Schulen/Vereinen)
Hotels:
Belcekiz Beach: Direkt am Strand, gehobene Klasse, sehr schöner Pool, auch als
Pauschalarrangement ab
Deutschland buchbar. Tel.:0090-252-6170377 Fax :.... 6170378
Oludeniz Beach: Wie Belcekiz Beach, ebenfalls am Strand gelegen
Turk Hotel: Etwas abseits, ruhiges Familienhotel, Standardklasse mit Frühstück. Pool.
Günstig & empfehlenswert (2 Min bis Strand) Tel.:0090-252-6170264
Flying Dutchman: s. Turk Hotel - wird von holländischen Fliegern geführt. Standard
Tel.:0090-252-6170441 Fax .....6170346
Transporteure: Aventura Tel.0090-252-6170314/Fax.378 Funk: 146.300 MHZ
Sky Sports Tel. " " 6170324/Fax.172 Funk: 146.500 MHZ
Flying Dutchman Tel. " " 6170441/Fax 346 Funk: 146.780 MHZ
Easy Riders Tel. " " 6170148/Fax ?? Funk: ???
Ich wünsche denen, die sich auf den Weg machen, einen schönen Urlaub in Ölüdeniz.
Michael Huber