
der Firma GIN GLIDERS
Kaum gestartet, schon am Absaufen. Das darf doch nicht wahr sein. Mich packt der Ehrgeiz. Gerade war da doch ein Lüftchen nach oben. Nah am Berg ist das schon, aber schnell rum um´s Eck und zurück, nur nichts verschenken. Juhu, da ist ja der Durchreißer. Ein Rascheln über mir und schon geht es rückwärts. Hände hoch, zu spät, schon sause ich durch Äste und schlage auch schon an einem Felsen auf. Das war es dann wohl. Vorsichtig probiere ich alle Gliedmaßen aus, es geht noch alles, naja eine Hand und der Fuß tun weh, ist nicht so schlimm. Benommen zupfe ich den Schirm aus den Büschen, stopfe alles in den Packsack. Da kommen auch schon Helfer, die erstaunt sind, mich wohlauf zu finden. Glück gehabt.
Dieses Erlebnis war ein gewaltiger Schuß vor den Bug und das Verhältnis zu meinem Soloschirm, der mich so unvermittelt abgeworfen, hat ist nachhaltig gestört. Zudem brauche ich nach einigen Tandemflügen jedesmal zu lange, bis ich mit den geringen Steuerkräften des Soloschirms wieder richtig umgehen kann. Ein neuer Schirm muß her. Gutmütiger soll er sein, deutliche Steuerkräfte haben, kleinere Streckenflüge sollen drin sein und Spaß soll er auch noch machen. Genau das behaupten ja derzeit alle Hersteller von ihren aktuellen 1-2er Schirme, also sollte doch da auch für mich was dabei sein. So habe ich diesen Winter schon einige Probeflüge mit aktuellen 1-2ern hinter mir und vom Oasis, der mir vom Flugverhalten besonders gut gefiel, möchte ich Euch hier meine Eindrücke schildern.
Am
Boden fällt einem zuerst die, im Vergleich zu anderen 1-2ern, hohe
Anzahl an Zellen auf, die ein optimaleres Profil ermöglichen sollen.
Das war bis jetzt nur höherklassifizierten Geräten vorbehalten.
Dabei ist jede dritte Rippe aufgehängt, die dazwischen liegenden Zellen
werden von Diagonalrippen gehalten. Die ausgelegt Streckung von fünf
ist eher moderat. Der Flügel ist mit einer projezierten Streckung
von 4,1 wohl eher wenig gekrümmt, wenn man ihn z. B. mit dem Carbon
vergleicht, der die gleiche projezierten Streckung hat, der aber ausgelegt
auf eine Streckung von knapp 5,4 kommt.
Die Leinen lassen sich leicht sortieren. Allerdings sind die Tragegurte
etwas schlabberig und verwurschteln sich schnell mal, wenn man nicht aufpasst.
Die A-Gurte sind nicht geteilt, sondern mit einer Ohrenanlegehilfe versehen,
bei der die äußerste A-Leine mit einer Umlenkrolle nebst Handgriff
nach unten gezogen werden kann. Eigentlich bin ich ein Freund von geteilten
A-Gurten, weil damit beim rückwärts Aufziehen der Schirm immer
mittig hochkommt, egal wie verwurschtelt man ihn vorher abgelegt hat. Mit
einfachen A-Gurten kann es leichter passieren, daß nur die Flügelenden
hochkommen. So ist es ratsam, den Schirm beim Bodenhandling in der Mitte
zuerst zu füllen. Dabei muß man mit den Bremsen oder den D-Gurten
etwas nachhelfen. Auch beim Vorwärtsstart sollte man den Schirm zumindest
einigermaßen bogenförmig hinlegen, sonst kann das selbe passieren.
Das macht man ja sowieso, aber man braucht halt vielleicht doch mehr Sorgfalt
als z. B. beim Arcus, den man ja sogar noch als Stoffknäuel starten
kann.
Der Vorwärtsstart stellt einen dann vor keine Probleme. Rückenwind,
Seitenwind, alles einfach. Nur das rutschige Tuch hat mich bei Rückenwind
auf dem Schnee zur Verzweiflung getrieben. Eine 3/4 Stunde wiederholter,
mühsamer Startvorbereitungen im Neuschnee und ein 5 Minuten Gleitflug
stehen halt doch in keinem Verhältnis.
Nach
dem Start verblüfft der Oasis
durch einen sehr deutlich einsetzenden Steuerdruck. Man kann den Leerweg
leicht fühlen, ohne an die Segelhinterkante zu blicken. So hat man
von Anfang an über die Arme einen guten Kontakt zu dem Fluggerät.
Man braucht wesentlich weniger Bremse für dieses, besonders bei unruhigen
Bedingungen wichtige Feedback als z. B. beim Serak, den ich kurz davor
geflogen habe. Der Flügel kann selbst dann als wendig gelten, wenn
man bewußt gerade sitzen bleibt. Auf Gewichtsverlagerung spricht
der Schirm sehr gut an, man kann ihn nur mit dem Gewichtseinsatz schnell
sehr hoch aufschaukeln. So ist es nicht verwunderlich, daß man für
normales Kreisen kaum Steuerweg braucht. Mit 20 cm Weg, kann man alles
machen. Trotzdem sind die Steuerwege bis zum Sackflug ziemlich lang. Mit
Gewicht und Bremse sind auch sehr flache Kurven leicht fliegbar. Sehr präzise
fliegbar, trifft wohl am besten die Steuercharakteristik dieses Gleitsegels.
Die Rolldämpfung würde ich als mittel einschätzen, wenn
man sich nicht gerade wie einen Kartoffelsack rumschlenkern läßt.
Die Nickdämpfung empfand ich eher als hoch. Obwohl der Schirm einer
der wendigsten 1-2er ist, kann er leicht durch unruhige Luft dirigiert
werden. Die Kappe liegt satt in der Luft und durch die eher hohen Steuerkräfte
hat man einen vertrauensvollen Kontakt nach oben. Ich glaube, daß
es leicht ist, mit diesem wendigen Schirm jede Art von Aufwind optimal
zu nutzen. Das Sinken liegt bei Trimgeschwindigkeit zwischen 0,9 und 1,3
m/s. Was schließen wir daraus: Auch das neue GIN
GLIDERS-Produkt sinkt bei Trimgeschwindigkeit. Von eingebauter Thermik
keine Spur.
Die Tragegurte des Oasis
neigen, besonders beim beschleunigten Flug leicht zum Schwingen. Fast möchte
man hinlangen, um das abzustellen. Beim Beschleunigen fällt auf, daß
die A- und B-Gurte fast gleich weit verkürzt werden. Dadurch ändert
sich der Anstellwinkel der Flügelnase kaum. Vielleicht hat das Auswirkungen
auf die Stabilität und das Klappverhalten. Im Herbst und Winter habe
ich keine Luftmasse gefunden, die nicht voll beschleunigt fliegbar gewesen
wäre. So kann ich dazu kaum was sagen. Das Sinken war dabei um die
1,7 - 2,1 m/s, das sagt uns leider auch nichts, auf jeden Fall ist es nicht
ungewöhnlich. Wie berichten da in so einem Fall die Gleitschirmmagazine:
"Das beschleunigte Gleiten gehört im Klassenvergleich zu den besten
und
kann auch mit einigen höher klassifizierten Geräten mithalten."
oder "Die Polare verläuft sehr flach, ohne bei der Höchstgeschwindigkeit
einzubrechen."
17.01.2002
Ergänzung zum Thermikfliegen.
Heute war ich in Westendorf und konnte
mit dem Oasis 1 h Thermikfliegen. Man glaubt es kaum. Wolkenbasis bei 2100
m und Steigwerte bis 3m/s. Und das im Januar. Beim Thermikfliegen bestätigt
sich das gute Drehverhalten des Oasis. Auch bei ungleichmäßigen
Steigwerten läßt sich der Kurvenradius leicht korrigieren. Beim
Ein- und Ausfliegen aus Steigbereichen bleibt der Schirm neutral über
dem Piloten und erfordert wenig Korrekturen. Insgesamt ist es ein sehr
ausgewogener Thermikflügel.
Zum Ohren anlegen gibt es eine Ohrenanlegehilfe. Diese besteht aus einem
Handgriff, der mit Klettband am A-Gurt befestigt ist, einer Rolle, durch
die die äußerste A-Leine läuft und einen Gummi, mit dem
das Ganze nach Gebrauch wieder an die A-Gurt gezogen wird. Ich halte das
für unpraktisch. Zum Einen hat es sich bei einem Start mal am Handschuh
verheddert, zum Anderen muß man es nach Gebrauch wieder hinkletten,
also an den Gurten rumfummeln. Wer diese Hilfe nicht braucht, kann es einfach
in zwei Minuten abmontieren. Die Ohren gehen etwas schwer rein, sind sie
mal drin, bleiben sie es in der Regel auch und wollen aktiv rausgepumpt
werden.
Ich habe einige Klapper simuliert. Macht man dabei nichts, geht der Schirm
etwas auf die Nase, bevor er wieder öffnet. Einige Male wurde die
Wiederöffnung durch ein vernehmliches "Schlapp" begleitet. Gegenklapper
gab es keine. Der Schirm ist sehr leicht zu Stützen, wobei einem die
deutlichen Steuerkräfte auch hier zugute kommen. Auch Grobmotoriker
sollte hier keine Probleme haben.
Die Spirale läßt sich erwartungsgemäß leicht einleiten.
Die Sinkgeschwindigkeit kann sehr einfach reguliert werden. Beim Ausleiten
neigt der Schirm nicht zum Aufrichten, so daß man die letzte Runde
ohne Anstrengung nachdrücken kann. Man kann ihn in dem Moment sogar
leicht wieder steiler reinstellen, was mit anderen Geräten Körpereinsatz
und Fingerspitzengefühl erfordert. Vielleicht noch eine wichtige Information
für Erst-Spiraler: Hände-hoch beendet die Spirale sofort, vielleicht
schneller, als einem dann lieb ist, die Steigwerte danach sind jedenfalls
phänomenal. Wingover und asymetrische Spiralen gelingen leicht, Ohrenklappen
kommt dabei im Normalfall nicht vor.
Nach dem Flugvergnügen kommt die Ordnung. Dazu liefert GIN
GLIDERS den bewährten Packsack, mit vielen guten Details. Obwohl
der Packsack sehr gut tragbar und sehr groß ist, läßt
er sich sehr klein verpacken. Das ist besonders dann wertvoll, wenn das
eigene Gurtzeug nicht über üppigen Stauraum verfügt. Auch
ist der Packsack oben größer, wie unten, wodurch der Schwerpunkt
günstiger zu liegen kommt, als bei konventionellen Packsäcken.
Unpraktisch ist, daß das kleine Klarsichtfach, in das man Liftkarten
und Scheine stecken kann, keinen Klettverschluß hat. So kann man
es nicht benützen, weil die Papiere in einem unbemerkten Moment rausfallen
können. Da würden sich die Kühe über Kraftfutter freuen,
passierte einem das im Einer-Sessellift auf die Hochries. Unpraktisch auch,
daß das Kompressionsband zu kurz ist. Die Länge reicht nur,
wenn man den Schirm sehr eng packt und wer will schon seinen Edelflieger
jedesmal so malträtieren.
Kurzgefaßt würde ich diesen Schirm so
beschreiben:
Ein präzise fliegbarer, wendiger, stabiler
Schirm mit gutem Feedback.
Oliver Teubert
| D.H.V T-bericht G-segel |
| Musterbezeichnung | Gin Oasis M | |
| Hersteller | Gin Gliders | |
| Musterprüfnummer | DHV GS-01-0940-01 | |
| Klassifizierung | 1-2 GH | |
| Sitzzahl | 1 | |
| Verhalten bei min. Fluggewicht (85 kg) | Verhalten bei max. Fluggewicht (105 kg) | |
| START | 1 -- 2 | 1 -- 2 |
| Füllverhalten | gleichmässig, sofort | gleichmässig, sofort |
| Aufziehverhalten | kommt sofort über Piloten | kommt sofort über Piloten |
| Abhebegeschwindigkeit | durchschnittlich | durchschnittlich |
| Starthandling insgesamt | einfach | einfach |
| GERADEAUSFLUG | 1 -- 2 | 1 -- 2 |
| Trimmgeschwindigkeit | 36 km/h | 37 km/h |
| Geschwindigkeit beschleunigt | 48 km/h | |
| Rolldämpfung | durchschnittlich | durchschnittlich |
| KURVENHANDLING | 1 -- 2 | 1 -- 2 |
| Trudeltendenz | gering | gering |
| Steuerweg | durchschnittlich | durchschnittlich |
| Wendigkeit | durchschnittlich | durchschnittlich |
| BEIDSEITIGES ÜBERZIEHEN | 1 -- 2 | 1 -- 2 |
| Sackfluggrenze | durchschnittlich 60 cm - 75 cm | durchschnittlich 60 cm - 75 cm |
| Fullstallgrenze | durchschnittlich 65 cm - 80 cm | durchschnittlich 65 cm - 80 cm |
| Bremskraftanstieg | durchschnittlich | durchschnittlich |
| FRONTALES EINKLAPPEN | 1 -- 2 | 1 -- 2 |
| Vorbeschleunigung | gering | gering |
| Öffnungsverhalten | selbständig verzögert | selbständig verzögert |
| FRONTALES EINKLAPPEN (BESCHLEUNIGT) | - | 1 -- 2 |
| Vorbeschleunigung | - | durchschnittlich |
| Öffnungsverhalten | - - | selbständig verzögert |
| EINSEITIGES EINKLAPPEN | 1 -- 2 | 1 -- 2 |
| Wegdrehen | 90 - 180 Grad | 90 - 180 Grad |
| Drehgeschwindigkeit | durchschnittlich | durchschnittlich |
| Höhenverlust | durchschnittlich | durchschnittlich |
| Stabilisierung | selbständig | selbständig |
| Öffnungsverhalten | selbständig verzögert | selbständig verzögert |
| EINSEITIGES EINKLAPPEN (BESCHLEUNIGT) | - | 1 -- 2 |
| Wegdrehen | - | 90 - 180 Grad |
| Drehgeschwindigkeit | - - | durchschnittlich |
| Höhenverlust | - | durchschnittlich |
| Stabilisierung | - | selbständig |
| Öffnungsverhalten | - - | selbständig verzögert |
| EINSEITIGES EINKLAPPEN UND GEGENSTEUERN | 1 -- 2 | 1 -- 2 |
| Stabilisieren | einfaches Gegenbremsen | einfaches Gegenbremsen |
| Steuerweg | durchschnittlich | durchschnittlich |
| Steuerkraftanstieg | durchschnittlich | durchschnittlich |
| Gegendrehen | einfach, keine Tendenz zum Strömungsabriss | einfach, keine Tendenz zum Strömungsabriss |
| Öffnungsverhalten | selbständig verzögert | selbständig verzögert |
| FULLSTALL (symmetrische Ausleitung) | 1 -- 2 | 1 -- 2 |
| FULLSTALL (asymmetrische Ausleitung) | 1 -- 2 | 1 -- 2 |
| TRUDELN AUS TRIMMGESCHWINDIGKEIT | 1 -- 2 | 1 -- 2 |
| TRUDELN AUS STATIONÄREM KURVENFLUG | 1 -- 2 | 1 |
| STEILSPIRALE | 1 -- 2 | 1 -- 2 |
| Einleitung | durchschnittlich | durchschnittlich |
| Trudeltendenz | nicht vorhanden | nicht vorhanden |
| Ausleitung | selbständig | selbständig |
| B-LEINEN-STALL | 1 | 1 |
| Einleitung | einfach | einfach |
| Ausleitung | selbständig | selbständig |
| LANDUNG | 1 | 1 |
| Landeverhalten | einfach | einfach |