Jeder nur ein Kreuz: Ergebnisse der NOVA-Umfrage
In allen Magazinen wird uns derzeit das Ergebnis der Umfrage von NOVA bezüglich der
Fluggewohnheiten und -wünsche präsentiert. Einiges fällt anhand der Zahlen wirklich
auf, nicht alles ist in den Zeitschriften deutlich genug zu lesen. Wer sich seine eigenen
Gedanken über die Ergebnisse machen will erhält im Download-Bereich
von NOVA das Rohmaterial.
- Flugerlebnis und Spaß steht im Vordergrund
Ja, aber: So, wie die Frage gestellt wurde, mußte das herauskommen. Schließlich fällt
auch ein toller Streckenflug unter "Flugerlebnis" und für die meisten weniger
unter "sportliche Leistung" pur.
Sagt also nicht aus, 96% bevorzugen abendliche Abgleiter!
- Die Anzahl der Flüge ist erschreckend gering (60% unter 50/Jahr)
Ja, aber: Die Zahl alleine sagt nichts aus. Ich kenne Leute, die mit 20-30 langen Flügen
pro Jahr um vieles besser und routinierter fliegen als andere mit 120 Abgleitern.
Trotz allem stimmt: Viele fliegen zu wenig und vor allem zu unregelmäßig.
- Anzahl der Flugstunden ist zu gering (53% unter 30/Jahr)
Stimmt, und genau das ist aussagekräftig! Es fehlen Routine und Erfahrung, außerdem wird
jeder Flug bei "etwas sportlicheren" Bedingungen zu einem unkalkulierbaren
Risiko, obwohl andere vielleicht noch sicher fliegen.
- Die Einschätzung des eigenen Könnens widerspricht der Realität
Ja, heftig! Prinzipiell schätzen sich (wie auch beim Autofahren) die Damen der Schöpfung
kritischer ein, bis auf einen statistischen Ausreißer halten Frauen alle Maneuver für
schwieriger beherrschbar, als die Herren. Ebenfalls wie beim Autofahren sind aber nur
Könner unterwegs, kaum eine Figur erreicht mal eine 3 auf der Skala von 1-6.
Gerade beim Trudeln (wohlgemerkt nicht Antrudeln) und beim Verhänger dürfte das wohl
eine krasse Fehleinschätzung sein. Und sieht man einen Piloten bei einem 50%-Klapper in
50m über dem Landeplatz ohne Reaktion weiterfliegen, erscheint auch der Wert von <2
bei den Klappern etwas (!) zweifelhaft.
- Hochleister sind out
Ja, tierisch! Über 90% aller Befragten wollen sich einen 1-2er oder 2er zulegen.
Vergleicht man die Histogramme unter der Annahme eines zweijährigen Gerätewechsels,
erkennt man den Werbefeldzug von den Superzweiern zu den
Sicherheitseinsbiszweierhochleistern. NOVA will ja wieder eine Umfrage starten, mal sehen
ob der Balken bei den 1ern dann die Eintrittskante vorn hat...
Bei allen Ergebnissen ist aber eines zu bedenken: Bei den 1246
Antworterinnen und Antwortern handelt es sich eher um die Enthusiasten unter den Fliegern,
die ihr Info lesen, sich Gedanken machen, solche Fragebögen ausfüllen und ihre
Flugstundenzahl angeben können. Beim Rest handelt es sich dann entweder um Vielflieger,
die vor lauter Fliegen keine Zeit für solche Umfragen haben, oder um Leute, deren
fliegerisches Engagement weit unter 30 oder sogar 5 Flugstunden pro Jahr liegt. Mit
anderen Worten: Die Umfrage ist nicht repräsentativ! Müßten die Wähler selbst zum
Telefon greifen, um ihre Stimmabgabe den Demoskopen zu melden, wären die Hochrechnungen
garantiert anders ausgefallen, da ein bestimmtes politisches Klientel einfach
kämpferischer und motivierter ist, als andere.
Was die Verhältnisse im Flugsport angeht liegt die Wahrheit bestimmt noch mehr auf der
Seite der "Genußpiloten" und "Seltenflieger".
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