Gin Gliders Nomad M
Hallo Leute,
nun kommt endlich mein lange versprochener und von einigen von Euch lange gewünschter Bericht von Gin Gliders neuem Serienhochleister Nomad.
Ich war letzte Woche
noch in Greifenburg, wo ich einen interessanten und spannenden Wettkampf der Junior- &
Ladies Challenge miterleben durfte. Es war wirklich ein gelungener Wettkampf den Stefan
Mast mit seinen beiden Wettkampfcracks Achim Joos und Oliver Rössel organisiert hatte.
Für entsprechendes Rahmenprogramm sorgte am Abend Jarlie Jöst mit verschiedenen
Filmvorträgen. Da wäre man gerne noch mal 18 Jahre.......
Da ich teilweise mit den Teilnehmern der Challenge mitgeflogen bin, kann ich Euch auch einiges zur Leistung im Vergleich zu seiner Konkurrenz erzählen. Nun aber eins nach dem anderen.
Geflogen bin ich den Nomad M mit einem Liegegurt von Woody Valley (X-rated) meist mit
einem Startgewicht von ca. 100 kg, was bei meinem zarten Lebendgewicht von 68kg bedeutet,
daß ich fast immer 8 -10 kg Wasser mitschleppen mußte.
Startverhalten:
Das Sortieren der Leinen gestaltet sich relativ unproblematisch, bis auf die starke
Kringelbildung der Steuerleinen. Die Kappe muß nicht speziell ausgelegt werden, um einen
guten Start zu gewährleisten. Ich denke, dieses gute Aufziehverhalten ist auch damit
verbunden, daß der Nomad wie der neue Boomerrang mit Verstärkungen an der Eintrittskante
ausgestattet ist, die von Gin Gliders als Rigid Foil bezeichnet werden. Diese
Verstärkungen bewirken, daß die Eintrittskanten schon am Boden sauber geöffnet sind und
der Schirm sich daher schon am Anfang der Aufziehphase sehr gut füllt. Aufgrund der
Verstärkungen sollte man den Schirm beim Zusammenlegen auch nicht wie sonst üblich, von
außen nach innen zusammenlegen, sondern von der Mitte aus wie eine Ziehharmonika sauber
Bahn für Bahn aufeinander legen, damit die Eintrittsöffnungen nach Möglichkeit nicht
geknickt werden. Die Kappe kommt beim Aufziehen ohne Verzögerung über den Piloten. Der
Schirm neigt zum Überschießen und sollte daher ohne größeren Impuls aufgezogen werden.
Aufgrund dieses dynamischen Aufziehverhalten sollte es für den Piloten ohne größere
Probleme möglich sein, den Nomad auch bei leichtem Rückenwind in die Luft zu bekommen.
Flugverhalten:
Interessant war zunächst der Unterschied gegenüber dem Vorgängerschirm (Bonanza)
festzustellen. Der Nomad wirkt deutlich dynamischer beim Kurvenflug als sein Vorgänger.
Auch die Steuerkräfte sind etwas verfeinert worden. Beim Einleiten in die Kurve nimmt der
Schirm verzögerungsfrei die vorgeschriebene Richtung ein. Nimmt man beim Einleiten noch
zusätzlich das Körpergewicht zur Hilfe, so läßt sich der Schirm sofort und mit
mittleren Steuerkräften in die Kurve bringen. Stundenlange Streckenflüge sollten mit
diesen angemessenen Steuerkräften kein Problem darstellen. Schwache Bärte können
relativ flach zentriert werden und der Nomad setzt dies auch sehr gut in Steigen um (Mein
Vorgängerschirm der Ozon Proton S hatte diese Eigenschaft leider nicht). Beim einseitigen
Einfliegen in die Thermik geht der Schirm in Richtung Steigen und fällt nicht heraus.
Aufpassen sollte man beim Nomad beim Verlassen von starken Bärten. Beim Verlassen des
Bartes neigt der Schirm etwas zum Vorschießen und sollte daher rechtzeitig etwas
angebremst werden.
Im beschleunigten Flug
liegt der Schirm sauber in der Luft und vermittelt ein sicheres Gefühl. Ich hatte
während der bereits durchgeführten 30 Flugstunden einmal einen vollbeschleunigten
einseitigen Klapper bei dem mir ca. 2/3 der Kappe weg ging. Der Schirm ließ sich, ohne
weg zu drehen, durch dosiertes Bremsen und entsprechender Gewichtsverlagerung sauber in
der Spur halten. Eine Tendenz zum "auf die Nase gehen" konnte ich nicht
feststellen. Man sollte den Nomad am oberen Drittel des angegebenen Startgewichts fliegen.
Ich bin einmal mit ca. 92 kg geflogen und hatte dabei das Gefühl, daß der Schirm
deutlich unruhiger wirkte.
Leistung:
Geschwindigkeitsmessungen habe ich nicht durchgeführt, da ich nichts davon halte. Der
eine Schirm fliegt 52 km/h bei 2,2m/s sinken, der andere nur 50km/h bei 2,1 m/s.
Ein besserer Anhaltspunkt bietet mir da der direkte Vergleich im Wettkampf. Dies war während der Junior- & Ladies Challenge sehr gut zu testen. Im beschleunigten Flug kann der Nomad sehr gut mit den derzeit aktuellen Hochleistern (Omega 5, Proton, Gambit) mithalten. Das maximale Sinken nimmt bis zur Vmax nur gering zu.
Beim Flug gegen den Wind hatte ich den Eindruck, daß hier die wahre Stärke des Nomad
liegt.
Abstiegshilfen:
Das Einleiten einer Steilspirale sollte für einen Piloten, der mit Schirmen dieser
Kategorie fliegt kein Problem darstellen. Mit dem Nomad lassen sich mit dieser
Abstiegshilfe sehr hohe Sinkgeschwindigkeiten erreichen. Die Ausleitung gestaltet sich
mittels leichtem nachdrücken problemlos.
Den B-Stall habe ich noch nicht getestet, da ich diese Art von Abstiegshilfe nahezu nicht mehr anwende.
Einen separaten Gurt zum Ohren anlegen besitzt der Nomad nicht - ist ja auch nicht
unbedingt notwendig. Mit angelegten Ohren und beschleunigtem Flug läßt es sich angenehm
vor dem Hineinziehen in eine Wolke flüchten. Das Ausleiten sollte mittels der
Steuerleinen erfolgen, da die äußeren Flügelenden nicht selbsttätig öffnen.
Gesamteindruck:
Im Vergleich zu seinem Vorgänger konnte der Nomad an Leistung und Agilität deutlich
zulegen. Auch sonst braucht er sich hinter den aktuellen Hochleistern nicht zu verstecken.
Für Piloten die an einem ausgewogenen Schirm gepaart mit guter Leistung und
überschaubarem Extremflugverhalten interessiert sind, dürfte dieser Schirm mit zum
besten gehören, was es aktuell gütegesiegelt zu kaufen gibt.
Grüße an alle Flieger