Die World Air Games WAG in Spanien
Motorschirm
Vom 23.06.-30.06.2001

Von Bernhard Keck


Diese WAG´s waren für mich in zweierlei Hinsicht eine Herausforderung mit Kribbeln und Lampenfieber, so wie das halt ist, wenn man das zum ersten Mal macht. Zum ersten, um überhaupt an solchen internationalen Weltluftspielen und Weltmeisterschaft Motorschirmfliegen teilnehmen zu können, und zweitens , weil diese Meisterschaften als Rundreise durch Spanien organisiert waren. Nachfolgend die Orte die angeflogen oder von denen aus gestartet wurde. Alle entlang des beherrschenden Flusses in Südspanien dem Guadalquivir. Dies sind: Cordoba, la Puebla de Los Infantes, Sevilla, Villanueva del Rio y Minas, Lebreija, Sanlucar de Barramada an der Mündung des Flusses in den Atlantik. Das Teilnehmerfeld war wieder Erwarten recht groß mit 60 Teilnehmern aus 15 Ländern. So exotisch die Länder waren, so exotisch waren dann auch die Motoren der Teilnehmer. Von reinrassigen Wettbewerbs- Geräten der Spanier bis zum selbstgebastelten Flugmotor (Halbierter Wartburgmotor) der Ukraine; Die Palette reichte vom originalen Deutschen verkehrszugelassenem mit Lärmgutachten versehenem RiesenpropPowergerät bis zum spielzeuggrossen koreanischen Miniquirl mit turbinenartigem Krach. Besonders hervorheben unter den Mannschaften muss man die Tschechen, die es wie in der Vergangenheit wieder schafften 800 Flaschen Doktorbier aus der Tschechei mitzubringen, um es zur Freude aller, an die Teilnehmer kostenlos zu verteilen. Während der gesamte Zeit machten uns die Temperaturen in Spanien doch schwer zu schaffen. Wir hatten jeden Tag über 40° C. Deshalb konnten die Aufgaben nur frühmorgens und dann erste wieder abends geflogen werden. Die restliche Zeit machte man Siesta im Schatten und im Swimmingpool sofern einer greifbar war. Zum Thema Organisation der Spanier: Chaos hoch drei. Die Spanier sind wohl mit der Ausführung der World Air Games kurzfristig überrascht worden, denn anders kann man sich Häufung von Mängeln und Missständen kaum erklären. Anfangs keine Sanitäter da, keine Toiletten, Keine Sanitäreinrichtungen, keine Wettervorhersage beim Briefing, kein Sprit am jeweiligen Flugplatz, bei 60 Piloten keine 2 Start und Landedecks, Marschalls am falschen Messpunkt, anzufliegende Landeplätze einfach nicht da, ständig wechselnde Headquarters, Fliegen unter nicht mehr akzeptablen Sichtverhältnissen(200m) und Thermikbedingungen (Dustdevils) bei Slow-Fast und Kicking Sticks. Dabei gab gab es einen Absturz bei Fullspeed in 2 m Höhe. Weitere "Highlights" sind: Aufgabe soll um 7:00 Uhr beginnen, und der Bulldozer der den Acker zum Startplatz üplanieren soll, kommt erst um ½ 8 Uhr; Fotoapparate zur Wendepunktdokumentation kommen erst als das Startwindow schon ¼ Std offen ist; Fuelling für eine Economyaufgabe soll in nur ½ Std geschehen, weil’s dunkel wird und ohne Licht passiert dann auch prompt ein Unglück, bei dem ein Italiener den Arm in einen laufenden Prop bekommt. Der Richard als Aufgabenorganisator hat sich unter diesen Bedingungen echt wacker geschlagen. Er hat immer versucht ansprechende Aufgaben unter diesen erschwerten Verhältnissen zu machen. Mehrfach war er nahe dran das Handtuch zu werfen. Die Rahmenbedingungen wurden erst danach besser, als von den Teamleadern der Organisation angedroht wurde, die Veranstaltung zu boykottieren, falls nicht die Mindeststandards nach FAI erfüllt würden. Die Aufgabenstellung entsprach zwar nicht immer ganz der FAI-Norm , waren aber immer realitätsbezogen und somit dann auch wenn oft erschwert fliegbar. Natürlich gab es eine Reihe von Reklamationen und Protesten. Ich persönlich wäre mit Reklamationen bei Richard, in bezug auf anders gestellte Aufgaben nach FAI, nicht so kleinlich gewesen, weil er immer versuchte noch alles Mögliche zu retten. Wäre alles nach FAI gegangen, hätte man höchstens 3 oder 4 Tasks machen können, die anderen hätten gecancelt werden müssen. Somit hätte dann auch keine Meisterschaft stattgefunden, weil keine Mindestzahl der einzelnen Aufgabenfelder geflogen worden wären. Mich hat es schon gewundert, warum die anwesende internationale Jury so wenig eingegriffen hat. Das geografische Umfeld, also Andalusien war echt super. Eindrucksvolle zum Teil sehr karge Landschaften mit ungeahnten Menschenleeren Weiten, grosse Gebiete mit purer unzerstörter Natur; doch schon bedrückende Monokulturen auf der anderen Seite. Die fliegerischen Rahmenbedingungen lassen sich mit deutschen Verhältnissen in keinster Weise vergleichen. Bei solch hohen Temperaturen, wenn’s die mal geben sollte, von über 40° grad fliegt hierzulande keiner mehr weil’s da mit Sicherheit brutal bockt; Dort war’s dann doch erträglich. Bei uns kann nicht im geringsten so schön offiziell tief geflogen geflogen werden, und die Akzeptanz in der deutschen Bevölkerung ist wesentlich kleiner. In Andalusien wurden die Piloten überall freundlich aufgenommen und behandelt. Das Fliegen in einer total fremden Landschaft, mit unbekanntem Wetter geografischen Formen ist hochinteressant. Man fliegt immer voll konzentriert und ist dabei beschäftigt mit Navigation, Schreiben, Fotografiern, Zeit ausrechnen, differenzieren und so nebenbei auch noch zu fliegen und dann auch noch zu schauen was die anderen so machen. Zu Thema Fotodokumentation. Jeder bekam seine eigene Digitalkamera, welches dann die Auswertung der Fotos doch schon beschleunigte und einfach gestaltete. Schade war jedoch, dass aus Deutschland nur 3 Piloten mitgemacht haben, den beim Ausfall von nur einem Piloten hat man dann in der Mannschaftswertung keine Chance mehr vorne mit dabei zu sein. Durch meinen Ausfall nach Ende von Task 2 (beschädigter Prop und zuwenig Ersatzteile) blieb der Mannschaft am Ende nur der 9. te Platz von 15, nachdem ich anfangs noch in aussichtsreicher Position 15 gelegen hatte. Schade auch , dass wir keinen Teamleader zusätzlich hatten, somit mussten wir uns diese Aufgabe untereinander aufteilen.

An dieser Stelle die dt. Ergebnisse.

6. Thomas Keller , Fresh Breeze , Silex

27. Thomas Weisshaar, Fresh Breeze, Silex

51.Keck Bernhard, Pago-Jet, Flight Design A5

Platz 1-3 ging an Spanien, ebenso die Mannschaftswertung

Die gestellte Flugaufgaben umfassten folgende Details.
Distanzen von bis zu 70 km, Präzisionsstarts, Estimatet-Speed, Suchen von Zeichen am Boden, Zeitmesstore, Ziellandungen, Navigation mit und ohne Spritlimit; Speednavigation, bei dieser Aufgabe erflog sich Thomas Keller den Tagessieg, Slow-Fast-Fliegen, Kicking-Sticks, Thermikfliegen mit Spritlimit, bei dem der beste Pilot mit 2 Ltr Sprit 4,5 Std lang flog.  Die An und Rückreise gestaltete sich doch sehr anspruchsvoll denn es waren die 2500km von Deutschland nach Andalusien und wieder retour zurückzulegen.

Finanzielle Unterstützung und Zuwendungen konnten wir erhalten, sodass die Belastung sich in Grenzen hielt.

Danke an dieser Stelle dem Deutschen Ultraleichtverband DULV, der Volkswagen-Finance AG, und der Firma SILIT /Riedlingen.

Bernhard Keck
 


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