Von Bernhard Keck
Diese WAG´s waren für mich in zweierlei
Hinsicht eine Herausforderung mit Kribbeln und Lampenfieber, so wie das
halt ist, wenn man das zum ersten Mal macht. Zum ersten, um überhaupt
an solchen internationalen Weltluftspielen und Weltmeisterschaft Motorschirmfliegen
teilnehmen zu können, und zweitens , weil diese Meisterschaften als
Rundreise durch Spanien organisiert
waren.
Nachfolgend die Orte die angeflogen oder von denen aus gestartet wurde.
Alle entlang des beherrschenden Flusses in Südspanien dem Guadalquivir.
Dies sind: Cordoba, la Puebla de Los Infantes, Sevilla, Villanueva del
Rio y Minas, Lebreija, Sanlucar de Barramada an der Mündung des Flusses
in den Atlantik. Das Teilnehmerfeld war wieder Erwarten recht groß
mit 60 Teilnehmern aus 15 Ländern. So exotisch die Länder waren,
so exotisch waren dann auch die Motoren der Teilnehmer. Von reinrassigen
Wettbewerbs- Geräten der Spanier bis zum selbstgebastelten Flugmotor
(Halbierter Wartburgmotor) der Ukraine; Die Palette reichte vom originalen
Deutschen verkehrszugelassenem mit Lärmgutachten versehenem RiesenpropPowergerät
bis zum spielzeuggrossen koreanischen Miniquirl mit turbinenartigem Krach.
Besonders hervorheben unter den Mannschaften muss man die Tschechen, die
es wie in der Vergangenheit wieder schafften 800 Flaschen Doktorbier aus
der Tschechei mitzubringen, um es zur Freude aller, an die Teilnehmer kostenlos
zu verteilen. Während der gesamte Zeit machten uns die Temperaturen
in Spanien doch schwer zu
schaffen. Wir hatten jeden Tag über 40° C. Deshalb konnten die
Aufgaben nur frühmorgens und dann erste wieder abends geflogen werden.
Die restliche Zeit machte man Siesta im Schatten und im Swimmingpool sofern
einer greifbar war. Zum Thema Organisation der Spanier: Chaos hoch drei.
Die Spanier sind wohl mit der Ausführung der World Air Games kurzfristig
überrascht worden, denn anders kann man sich Häufung von Mängeln
und Missständen kaum erklären. Anfangs keine Sanitäter da,
keine Toiletten, Keine Sanitäreinrichtungen, keine Wettervorhersage
beim Briefing, kein Sprit am jeweiligen Flugplatz, bei 60 Piloten keine
2 Start und Landedecks, Marschalls am falschen Messpunkt, anzufliegende
Landeplätze einfach nicht da, ständig wechselnde Headquarters,
Fliegen unter nicht mehr akzeptablen Sichtverhältnissen(200m) und
Thermikbedingungen (Dustdevils) bei Slow-Fast und Kicking Sticks. Dabei
gab gab es einen Absturz bei Fullspeed in 2 m Höhe. Weitere "Highlights"
sind: Aufgabe soll um 7:00 Uhr beginnen, und der Bulldozer der den Acker
zum Startplatz üplanieren soll, kommt erst um ½ 8 Uhr; Fotoapparate
zur Wendepunktdokumentation kommen erst als das Startwindow schon ¼
Std offen ist; Fuelling
für
eine Economyaufgabe soll in nur ½ Std geschehen, weil’s dunkel wird
und ohne Licht passiert dann auch prompt ein Unglück, bei dem ein
Italiener den Arm in einen laufenden Prop bekommt. Der Richard als Aufgabenorganisator
hat sich unter diesen Bedingungen echt wacker geschlagen. Er hat immer
versucht ansprechende Aufgaben unter diesen erschwerten Verhältnissen
zu machen. Mehrfach war er nahe dran das Handtuch zu werfen. Die Rahmenbedingungen
wurden erst danach besser, als von den Teamleadern der Organisation angedroht
wurde, die Veranstaltung zu boykottieren, falls nicht die Mindeststandards
nach FAI erfüllt würden. Die Aufgabenstellung entsprach zwar
nicht immer ganz der FAI-Norm , waren aber immer realitätsbezogen
und somit dann auch wenn oft erschwert fliegbar. Natürlich gab es
eine Reihe von Reklamationen und Protesten. Ich persönlich wäre
mit Reklamationen bei Richard, in bezug auf anders gestellte Aufgaben nach
FAI, nicht so kleinlich gewesen, weil er immer versuchte noch alles Mögliche
zu retten. Wäre alles nach FAI gegangen, hätte man höchstens
3 oder 4 Tasks machen können, die anderen hätten gecancelt werden
müssen. Somit hätte dann auch keine Meisterschaft stattgefunden,
weil keine Mindestzahl der einzelnen Aufgabenfelder geflogen worden wären.
Mich hat es schon gewundert, warum die anwesende internationale Jury so
wenig eingegriffen hat.
Das
geografische Umfeld, also Andalusien war echt super. Eindrucksvolle zum
Teil sehr karge Landschaften mit ungeahnten Menschenleeren Weiten, grosse
Gebiete mit purer unzerstörter Natur; doch schon bedrückende
Monokulturen auf der anderen Seite. Die fliegerischen Rahmenbedingungen
lassen sich mit deutschen Verhältnissen in keinster Weise vergleichen.
Bei solch hohen Temperaturen, wenn’s die mal geben sollte, von über
40° grad fliegt hierzulande keiner mehr weil’s da mit Sicherheit brutal
bockt; Dort war’s dann doch erträglich. Bei uns kann nicht im geringsten
so schön offiziell tief geflogen geflogen werden, und die Akzeptanz
in der deutschen Bevölkerung ist wesentlich kleiner. In Andalusien
wurden die Piloten überall freundlich aufgenommen und behandelt. Das
Fliegen in einer total fremden Landschaft, mit unbekanntem Wetter geografischen
Formen ist hochinteressant. Man fliegt immer voll konzentriert und ist
dabei beschäftigt mit Navigation, Schreiben, Fotografiern, Zeit ausrechnen,
differenzieren und so nebenbei auch noch zu fliegen und dann auch noch
zu schauen was die anderen so machen. Zu Thema Fotodokumentation. Jeder
bekam seine eigene Digitalkamera, welches dann die Auswertung der Fotos
doch schon beschleunigte und einfach gestaltete. Schade war jedoch, dass
aus Deutschland nur 3 Piloten mitgemacht haben, den beim Ausfall von nur
einem Piloten hat man dann in der Mannschaftswertung keine Chance mehr
vorne mit dabei zu sein. Durch meinen Ausfall nach Ende von Task 2 (beschädigter
Prop und zuwenig Ersatzteile) blieb der Mannschaft am Ende nur der 9. te
Platz von 15, nachdem ich anfangs noch in aussichtsreicher Position 15
gelegen hatte. Schade auch , dass wir keinen Teamleader zusätzlich
hatten, somit mussten wir uns diese Aufgabe untereinander aufteilen.
An dieser Stelle die dt. Ergebnisse.
6. Thomas Keller , Fresh Breeze , Silex
27. Thomas Weisshaar, Fresh Breeze, Silex
51.Keck Bernhard, Pago-Jet, Flight Design A5
Platz 1-3 ging an Spanien, ebenso die Mannschaftswertung
Die gestellte Flugaufgaben umfassten folgende Details.
Distanzen von bis zu 70 km, Präzisionsstarts,
Estimatet-Speed, Suchen von Zeichen am Boden, Zeitmesstore, Ziellandungen,
Navigation mit und ohne Spritlimit; Speednavigation, bei dieser Aufgabe
erflog sich Thomas Keller den Tagessieg, Slow-Fast-Fliegen, Kicking-Sticks,
Thermikfliegen mit Spritlimit, bei dem der beste Pilot mit 2 Ltr Sprit
4,5 Std lang flog. Die An und Rückreise gestaltete sich doch
sehr anspruchsvoll denn es waren die 2500km von Deutschland nach Andalusien
und wieder retour zurückzulegen.
Finanzielle Unterstützung und Zuwendungen konnten
wir erhalten, sodass die Belastung sich in Grenzen hielt.
Danke an dieser Stelle dem Deutschen Ultraleichtverband
DULV, der Volkswagen-Finance AG, und der Firma SILIT
/Riedlingen.