Ein Tag mit dem Mistral 2

Am Nachmittag absinkende Wolkenuntergrenze und Schneefall. Das ist die Zusammenfassung des Wetterberichts für den 20.Januar 2001. Weil ich es nicht lassen kann, und weil Martina mir in der Früh den Floh ins Ohr gesetzt hat, erkundige ich mich doch nach der aktuellen Wettersituation. Überall schwachwindig und ein Anruf bei Bekannten in der Wildschönau bestätigen gute Sicht und hohe Wolken. Am Wendelstein Nordwind mit 8 km/h. Also auf Richtung Kampenwand, weil es nicht weit zum Fahren ist. Außerdem ist der Beyl Thomas in Aschau und er hat auch gleich einen Mistal 2/26 Testschirm für mich. Um 12.00 h verlasse ich die Bergstation und ein Hauch aus Süd empfängt mich. Naja, da kann ich gleich die Rückenwind/Hängenbleib/Imschneestolper-Starteigenschaften testen.

"Wie lange dauert es denn noch, bis Sie springen? Lohnt es sich zu Warten?" fragt eine Urlauberin an der Kampenwand während ich startbereit dastehe und mir langsam die Zehen einfrieren. Ich denke: "Frage 1, weiß nicht, Frage 2 tja." und sage "Ein paar Minuten und es lohnt auf alle Fälle." Kurz danach fast Windstille und ich starte ohne Probleme mit dem Testmistral in den grauen Januarhimmel. Das ist mir jetzt lieber, wie zu Hause rumzusitzen und zu lesen, obwohl Harry Potter auch nicht schlecht ist.

Hier meine Eindrücke:

Am Boden:

Der Schirm erscheint etwas gestreckter als der Arcus, allerdings wirken die Flügelenden breiter, ähnlich wie beim Astral 2. Die Konstruktion mit V-Bändern ist schon von anderen Swing-Schirmen bekannt. Auch die Tragegurte sind wie gehabt. Die Beschleunigerrollen sind mit einem Stoffschutz versehen. Wer viel mit dem Schirm am Boden übt, hat daran nicht lange Freude. Bei meinem Arcus sind die Stoffabdeckungen jedenfalls nach einem Jahr zerschlissen. Die Leinen sind leicht zu sortieren, vor allem die fehlende Stabilobremse macht sich hier positiv bemerkbar.
 


 

Start:

Beim Vorwärtsstart mit leichtem Rückenwind verhält sich der Schirm vorbildlich. Andere Startarten kann ich leider nicht testen, weil die Bedingungen sich bei allen drei Flügen nicht geändert haben.

Flug:

Der Bremsdruck setzt deutlich ein und ist mittel. Jeder Zug an den Steuerleinen setzt der Schirm direkt um. Auch ohne Gewichtsverlagerung läßt sich der Mistral 2 gut dirigieren. Mit Körpereinsatz wird der Schirm richtig agil und zur Spaßmaschine. Mit ein wenig Vorbeschleunigen ist die Spiraleinleitung über eine halbe Umdrehung kein Problem. Der Schirm läßt sich toll aufschaukeln. Die Nickdämpfung empfinde ich als normal. Ich habe das Gefühl, daß die Kappe bei allen Manövern satt und stabil in der Luft liegt. Ich kann kaum ein Wabern feststellen. So wie man es beim Arcus in unruhiger Luft sehen kann. Beschleunigt das gleiche Bild: Der Schirm fliegt so stabil durch die Luft, als wäre er aus Styropor. Aufgefallen ist mir noch, daß die letzte Zelle an den Stabilos, vorne, eine ganz kleine Falte hat. Manfred Kistler von Swing meint dazu: "Die Falte an der äußersten Zelle ist erst durch den Trimm entstanden und läßt sich bei einer so kleinen Zelle auch nicht einfach rausbügeln, allerdings sieht man das nicht bei allen Mistrals sofort."
 
 
 
 

Ohren anlegen:

Die Ohren lassen sich mit den geteilten Gurten leicht einziehen. Zum Halten braucht man fast gar keine Kraft, sie bleiben nämlich von alleine drin. Zum Ausleiten muß man pumpen. Bevor ich mit diesem Schirm und angelegten Ohren beim Toplanden rumtrickse müßte ich wohl üben. Andererseits ist es angenehm, über längere Strecken nicht mit erhobenen Armen dranzuklammern, wie ein Affe am Käfig.

Manfed Kistler meint auf die Frage, ob das bei anderer Flächenbelastung auch so sei: "Ohren gehen im oberen Gewichtsbereich auch nicht von alleine auf. Manche Piloten finden das gut, andere nicht."
 
 

Klapper:

Ein paar Klapper bei Trimmgeschwindigkeit habe ich provoziert. Im Gegensatz zu manchen aktuellen Einsern und Eins-bis-Zweiern muß ich die Gurte gar nicht so heftig runterreißen, damit der Schirm einklappt. Danach kippt man im Gurtzeug entsprechend ab, der Schirm dreht kaum weg und läßt sich einfach Stabilisieren. Das ist ziemlich harmlos. Allerdings möchte er dann schon ein wenig Nachhilfe beim Wiederöffnen, vor allem an den Stabilos. Ein Öffnungsverhalten "selbständig impulsiv" wie im Gütesiegelprotokott angegeben, finde ich das nicht, vielleicht habe ich aber auch zu wendig Geduld.

Leistung:

Bisher sollte ein 1-2er eine gute Gleitzahl und eine hohe Vmax haben, um zu den Top-Geräten zu zählen. Das können mittlerweile viele Schirme. Für viele Flieger, auch für mich, ist jedoch auch die Gleitleistung bei höherer Geschwindigkeit ausschlaggebend. Messflüge bringen da wegen der Ungenauigkeiten nicht weiter. Vielleicht sind Vergleichsflüge mit anderen Geräten ein Hinweis auf die Leistung. Beim letzten Flug starte ich gemeinsam mit einem Octane, um die beschleunigte Gleitleistung zu vergleichen. Mit angelegten Ohren komme ich neben ihn auf seine Höhe und wir geben beide Gas. Wir versuchen gleich schnell zu fliegen, was uns ganz gut gelingt. Erstaunlich, nach ca. einem Kilometer sind wir keinen Meter auseinander. Viel Unterschied kann also zwischen beiden Geräten nicht sein.

Insgesamt hat mir der Mistal 2.26 sehr gut gefallen. Vor allem das Handling ist genau auf meiner Wellenlänge. Ich bin gespannt, wie sich die anderen neuen 1-2er Kreationen fliegen.
 

Oliver Teubert