Gurtzeug XT INCA von Skyward

Prolog
Mein letztes Gurtzeug (außer dem Tandemgurt) habe ich 1994 gekauft. Damals natürlich noch ohne Protektor den ich dann in Minimalausstattung vor ein paar Jahren nachgerüstet habe.
Die Zeiten ändern sich, und so auch die Geschmäcker. Zu meinen coolen schwarz-roten Klamotten mußte ein eben so cooles, neues Gurtzeug her ;-).
Nee, im Ernst, nachdem ich in den letzten Jahren mehrere Unfälle gesehen hatte bei denen die Protektoren böse Verletzungen verhindern konnten wollte ich nun auch sicherheitstechnisch aufrüsten. Zudem wurden die Packsäcke in den letzten Jahren immer größer und passten kaum noch in die Gurtzeuge. Oder andersrum.
Also - erstmal schauen was der Markt hergibt: Da gibt es supercoole Gurtzeuge mit Spitz vorn und hinten (aerodynamisch wie die Concorde), mit Abrißkante hinterm Kopf, mit Durchläufersystem, Rettung an der Seite, vorn, in Röhren unterm Arsch, und auf dem Buckel. Die meisten mit Schaumprotektoren, von Charly mit festem Protektor, mit Airbags oder Kombinationen von allem. Sauteuer sind sie alle, hundeschwer sowieso...

Also, was wollte ich: Als Thermikflieger der gern in der Luft rumspielt und ab und zu mal ein Streckchen fliegt, wenns passt, brauch ich kein Superracergurt. Der Arsch soll anständig reinpassen das man nicht rumrutscht und es soll einfach einzustellen sein.
Niedrige Aufhängung wär von Vorteil damits schön wackelt. Großes Rückenfach und jaaa keinen Frontcontainer. Ich muss beim Streckenfliegen durch die Beine gucken können (jeder hat seine Macke). So einen Bürzel hinterm Kopf wollte ich auch nicht. Neoprene sollte nach Möglichkeit nicht verarbeitet sein, ich habe genug ausgefusselte, beschädigte und mistig aussehende Gurtzeuge mit diesem Material gesehen.

Zur Sache
Kurz und gut, ich hatte dann Anfang Februar die Möglichkeit das XT INCA von Skyward 2 Tage lang probezufliegen.

Der Reihe nach:
Daheim erstmal das Teil richtig angucken und die Rettung "umschrauben". Ich habe das Gurtzeug mit Seitencontainer geflogen - der Griff (mit 2 Splinten) sitzt traumhaft leicht erreichbar, die Verbindung Griff- Innencontainer ist ultrakurz.
Die zur Schulter führenden Gurte liegen unter einer großzügigen Abdeckung, Gefummel beim Rettungpacken fällt also aus.
Nur das fette, mitgelieferte Stahl- Verbindungsglied zum Retter erregte mein Mißtrauen, ich möchte das nicht an den Kopf geknallt bekommen. Also habe ich die Rettung direkt eingeschlauft - problemlos.
Speedsystem passte mein altes dran, also konnte es losgehen.

Im Gegensatz zu anderen Gurtzeugen ist es relativ leicht, hat einen Seitencontainer und auf der anderen Seite eine abzippbare Tasche.
Beim Runterfallen schützt ein super fetter Schaumprotektor. Mit einem robusten, umlaufenden Reißverschluß kann dieser in Sekundenschnelle aus dem Gurtzeug genommen werden, z.B. für Fliegen am Meer, Gardasee, Sicherheitstrainings oder auch zum extra klein verpacken. Ich werde statt dessen mal meine Biwakausrüstung reinstopfen.
Die Rückentasche ist sehr groß, es passten locker mein Packsack, eine dicke Jacke, Snowboardhandschuhe und eine Thermoskanne rein.

Besonders gefallen hat mir der gummierte Arsch, die Spuren einer Landung auf Diesem kann man also leicht verwischen. Alle anderen Teile sind aus einem robusten, abwaschbaren Stoff.
Einstellmöglichkeiten sind vollkommen ausreichend, von leicht liegender Position bis angenehm aufrecht sitzend. Dabei hat man eine super Abstützung des Rückens, die angerauhte Rückenlehne vermittelt ein gutes, griffiges Gefühl.
Das Kunststoff-Sitzbrett ist gepolstert, mit 2 Handgriffen kann die Polsterung umgedreht werden, dann ist sie ein wenig härter oder ganz herausgenommen werden. Seitlich ist es an den Oberschenkeln hochgezogen.
Die klappbare Sitzbrettverlängerung ist dick gepolstert, beim Laufen mit angezogenen Beinschlaufen tut auch an zarten Schenkelchen nix weh.
Die Herausfallsicherung ist so lang das auch bei lockeren Beinschlaufen kein "Eierkneifen" möglich ist. Auf Wunsch kann dort eine Verstellung eingebaut werden.
 
 
 

Nun aber ab in die Luft!
Trotz der optisch hoch aussehenden Aufhängung ist es ein Gurtzeug mit dem Gewichtsverlagerung und aktives Fliegen ein Kinderspiel sind. Scheinbar ist die "statische" Aufhängung sehr tief. Ich wußte gar nicht was für hohe Wingover ich mit meinem Schirm fliegen kann. Klassen besser als mein altes SupAir. Auch wenns in der Luft wackelt (hatte ich an den Testtagen öfter) sitzt der Arsch gut geführt im Sessel, der Rücken ist 1A abgestützt.
Nach ein bißchen Einstellarbeit habe ich dann ausgiebig im laminaren Wind am Startplatz gespielt. Durch den fehlenden Bürzel am Heck ist die Kontrollblickerei nicht gestört. Grundsätzlich ist kein Gurt zuviel verarbeitet, es macht alles einen aufgeräumten Eindruck.
 

Auch bei straff angezogenen Bein- und eher eng eingestellten Schultergurten ist Herumlaufen kein Problem, irgendwie hat das Teil nicht gestört.
Reinrutschen nach dem Start ist ohne Hinternwackeln möglich. In der Luft sind Umschwünge und kopfüber fliegen kein Problem es kneift nix. Herausrutschen vor der Landung, bei Touch- and- Goes ist kein Problem, es macht richtig Spaß.

Lt. Hersteller bestehen folgende Möglichkeiten für Sonderanfertigungen:
·    Rückencontainer
·    Frontcontainer
·    extra großer Container für Tandemrettungen
·    zusätzliche Umlenkrollen für Speedsystem
·    Sonderfarben und Farbkombinationen
Sonderanfertigungen kosten einen geringen Aufpreis und sind in ca. 2 Wochen lieferbar.
Ach ja, in 3 Größen kann man das gute Stück bekommen - also auch für süße, kleine Ärsche oder Brauereihintern.

Insgesamt ist das Gurtzeug tadellos verarbeitet, durch den dicken Protektor zwar ein ganz schöner Koffer, aber daran muß ich mich gewöhnen. Der Protektor kann übrigens durch sanften Druck so komprimiert werden das er gut in meinen Standardrucksack passt.

Also, ich habe mir das Teil bestellt, es dauerte eine reichliche Woche bis die Sonderanfertigung in ganz schwarz zur Abholung bereitlag. Der Aufpreis betrug gerade mal 20,- Euro.

Tip für alle die ein vernünftiges, robustes Teil zu einem anständigen Preis brauchen.
DHV-Gütesiegel hat das Gurtzeug natürlich auch.

Robert Kleinwechter


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