Wie funktioniert ein Wettkampf: German-Cup '97 - ein Erlebnisbericht
Ich will allen Interessierten mal schreiben wie ich diesen Wettkampf erlebt habe.
Vorab möchte ich dir mein Resümee G-Cup ´97 schildern. Mit 5 Wochenenden, a 2
Durchgängen und je Termin einen Ersatztermin, daß sind 10 Wochenenden oder 20 Feiertage,
die ich mir nur mit German-Cup freihalten mußte. Ich habe mich wie ca. 40 andere Piloten
für alle fünf Veranstaltungen angemeldet. Geflogen sind wir davon dreimal und nur ein
Durchgang konnte gewertet werden. Ich habe einige Kumpels in der Liga, die haben sich
über unsere Bemühungen halb tot gelacht.
Für ´98 werde ich erst das Wetter gründlich abchecken und mich dann kurzfristig
anmelden.
So nun zum Wettkampfablauf. Beginnen tut so ein Wettkampf meistens mit der
Einschreibung der Piloten im Wettkampfbüro. Manchmal auch schon am Vorabend möglich. Um
ca. 9 - 10 Uhr ist dann die Begrüßung, durch den verantwortlichen Wettkampfleiter
(Stefan Mast bzw. Stefan Haider) oder einer anderen wichtigen Person. Hierbei wird oft
schon ein Wetter-
briefing abgehalten und es wird auf bestimmte Verhaltensregeln und Besonderheiten in
diesem Fluggebiet aufmerksam gemacht. Danach fährt man auf den Berg. Wenn man oben am
Startplatz ankommt und das Wetter ist fliegbar, legt man sofort irgendwo seinen
Gleitschirm aus, sortiert die Leinen, hängt sein Gurtzeug ein, rafft seinen GS wieder
zusammen und legt sein Päckchen" irgendwo auf die Seite. So nun hat man Zeit
sein anderes Gerödel herzurichten ( Vario, Klamotten, GPS programmieren,
Marschverpflegung event. Wasserballast u.s.w. ). Oftmals bekommt man jetzt von den
Wettkampfhelfern, den für die Bojendokumentation nötigen Film ausgehändigt. Nun wartet
man gespannt, daß es endlich losgeht. Plötzlich ruft einer lauthals
Briefing". Das heißt alles stehen und liegenlassen um sich umgehend zum
Taskboard" zu begeben. Auf dem Taskboard stehen alle wichtigen Informationen:
DATUM / TASK-NR. / FLUGAUFGABE / STARTART / ÖFFNUNGSZEIT-LÄNGE STARTFENSTER /
WIDERSTART / DREHRICHTUNG AM STARTBERG / STARTPUNKT / WENDEPUNKTE / LANDEPATZ /
ÜBERFLUGRICHTUNG ZIELLINIE / LETZTE LANDUNG / LETZTE RÜCKMELDUNG / Tel.:
RÜCKMELDUNG / NOTFREQUNZ.
Beim Briefing mußt du ganz genau zuhören. Am besten nimmt man einen Zettel und etwas
zu schreiben mit und macht sich Notizen. Nun erklärt der Wettkampfleiter wie und was
genau abgeht. Welche Aufgabe geflogen wird. Wie die einzelnen Bojen genau aussehen, welche
besonderen Gefahren zu beachten sind. Halt einfach alles. (So sollte es normalerweise
sein)
Wenn am Ende noch etwas unklar ist, scheu dich nicht davor dem Wettkampfleiter Fragen zu
stellen. Schließlich ist der German-Cup für Nachwuchspiloten sowie zur gezielten
Förderung des Breitensports". Es war nämlich beim ersten
gelungenen Durchgang ganz schön lustig, als die Wettkampfleitung dachte, sie könnten
diesen Cup ganz normal durchziehen und sich einige Piloten darüber sofort beim Briefing
beschwerten. Die Wettkampfleitung sah ein, daß diese Newcomer recht hatten und machte
eine kurze Einweisung in das Wettkampffliegen. Wenn das Briefing rum ist mußt du das
Taskboard fotografieren. Achte darauf, daß man das Bild später auch erkennen kann und
nicht irgend ein Rücken oder Hinterteil auf dem Foto ist. Nun muß man noch die Nummer im
Schirm fotografieren, damit der Auswerter weiß, wem dieser Film gehört. Ich mache immer
erst zwei Bilder von meiner Schirmnummer, dann zwei vom Taskboard und dann nochmals zwei
von meiner Schirmnummer. Damit bin ich immer sicher, das ich beides 100% im Kasten hab.
Hat man nämlich eins vergessen,
heißt es Pech gehabt NULL PUNKTE". Nach Erfüllung dieser Formalitäten bilden
sich immer kleine Gruppen, die über die Lösung der gestellten Aufgabe diskutieren. Da
klinkst du dich am besten irgendwo ein und stellst einfach deine Fragen und
diskutierst mit. Wenn der Startzeitpunkt immer näher rückt werden die Teilnehmer
zusehends nervöser und jeder bereitet sich langsam auf das Starten vor. Wenn der Stefan
ruft The window is open" , dann geht der Punk ab. Jeder versucht zu Starten.
Es gibt zwei grundlegende Startverfahren: GROUND START und AIR START. Beim AIR Start,
starten die Piloten nacheinander innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens und jeder versucht
in der Luft eine günstige Ausgangspositon zu erreichen. Erst wenn am Boden eine große
rote Linie ausgelegt wird fällt der eigentliche Startschuß. Jeder muß diese
Sartlinie ablichten und dann gehts richtig los, ab jetzt läuft die Zeit. Beim
GROUND START gibt es wider Zwei
grundlegende Verfahren: 1. Einzelzeitnahme" und 2. Das Race". Bei
der Einzelzeitnahme begibst du dich in ein so
genanntes Gate" , damit bekundest du dienen Willen jetzt zu Starten. Ein paar
fleißige Starthelfer ziehen dir den Schirm auseinander. Mit dem Kommando Start
frei" vom Zeitnehmer oder vom Startleiter muß binnen 60 sec. gestartet werden. (So
steht es zumindest in der Sportordnung). Die Zeit läuft erst wenn du vom Boden abhebst.
Beim Race legen alle Piloten ihre Schirme auf einer großen Wiese aus und bei dem Ruf
the window is open" fängt für alle Wettkampfflieger gleichzeitig die Zeit an
zu laufen. Wenn 50 bis 100 Piloten fast gleichzeitig starten, daß sieht schon sehr
spektakulär aus. Beim German-Cup ´97 wurde nur die
Einzelzeitnahme" (auch Open-Window-Startverfahren genannt) angewandt. Wird 1998
wohl auch so sein. Wenn du erst einmal in der Luft bist, mußt du dich an die
vorgeschriebene Drehrichtung am Startberg halten. Das gilt nur für den Startberg, weiter
weg kann jeder wieder seine Lieblingsrichtung einschlagen, außer im Pulk
natürlich.
Nun eine kleine bitte an alle Teilnehmer: Bitte fliegt am German-Cup kollegial und
nehmt Rücksicht aufeinander. Dieser Cup ist bestimmt nicht der wichtigste Wettkampf in
Deutschland. Ein Sponsorenvertrag springt auch nicht raus und für einen
Titel können wir uns nichts kaufen. Man kommt sowieso am schnellsten und am sichersten
ans Ziel, wenn man in der Gruppe miteinander und nicht gegeneinander fliegt. Wenn du jetzt
Abflughöhe erreicht hast und auf deine erste Boje zufliegst mußt du darauf achten, daß
du deine Bilder aus dem Fotosektor machst ( Siehe DHV-info 93 Seite 92).
Ich selber fotografiere die Boje drei man beim Umrunden. Mach bloß keine unsinnigen
Landschaftsaufnahmen oder die Boje einige male nicht aus den Sektor. Denn der Auswerter
muß von allen Teilnehmern den Film anschauen und wen jeder dritte meint er muß das
Liebesleben der Wandervögel dokumentieren zieht sich das Auswerten nur unnötig in die
Länge. Außerdem wenn du viermal deine Boje nicht aus dem Sektor abschießt kann es sein,
daß der Auswerter dein fünftes Bojenfoto gar nicht mehr so genau anschaut. Wenn du die
Ziellinie überfliegst mußt du nur auf die Überflughöhe und Überflugrichtung achten.
Im Ziel stehen die Zeitnehmer, welche deine Nummer und Zeit notiere.
Wenn du gelandet bist, vergewissere dich sofort ob dich der Zeitnehmer auch wirklich
registriert hat. Das erspart dir eine Menge Ärger. Wenn man etwas weniger Glück hat und
man seht vorher am Boden, ist es wichtig einen Landezeugen die
Landemeldung unterschreiben zu lassen. Wenn du neben einem Kollegen landest ist das kein
Problem, ihr könnt eure Landungen gegenseitig bestätigen. Kommst du irgendwo in der
Pampa runter wirds schwieriger aber man kann ja mit dem Stefan reden. Beim Landen
sollte man sowieso keinen falschen Ehrgeiz zeigen, denn: Landet man weniger als 500m vor
oder hinter einer gestrandeten Gruppe, wird man zu dieser Gruppe vor oder auch
zurückgemessen.
Am Taskboard stand etwas von letzter Rückmeldung um .....Uhr und eine Telefonnummer.
Jetzt gilt es sich bis ......Uhr zurück zu melden. Entweder schafft man es persönlich
oder man telefoniert einfach. Das Handy machts möglich und wer selber keines hat
bittet einen Kollegen Ihn auch gleich mit zu melden. Man muß nur die Teilnehmernummer
angeben, das
Wettkampfbüro hat eine Liste und trägt alle gemeldeten Piloten ein. Auf diese
Rückmeldung wird sehr großen Wert gelegt, fehlt auch nur ein einziger gestarteter
Teilnehmer wird eine Suche eingeleitet bzw. die Bergwacht alarmiert. Wenn du es wieder
nach Hause geschafft hast, kommt vor dem verdienten Bierchen erst noch das Ausfüllen und
Abgeben des Runreport" im Wettkampfbüro. Auf diesem Runreport muß man Name,
Teiln.-Nr., Anzahl der erreichten Bojen eintragen und zu guter Letzt darf man mit einer
Stecknadel auf einer Landkarte seinen Einschlagpunkt markieren. Das Vergessen des
Runreport wird übrigens mit Disqualifikation bestraft. Wenn du das alles erledigt hast
kannst du dich duschen, etwas essen, trinken und mit deinen Kollegen die tollsten Sprüche
klopfen, denn ich bin mir ganz sicher, daß hat dann wirklich jeder
verdient. So ich bin jetzt fertig mit meinem - ääh - kleinen Bericht, ich hoffe ich
konnte dir oder einem anderen das
Wettkapffliegen schmackhaft machen und wünsche mir, daß wir uns am German-Cup 1998 mal
treffen und möchte
mich den Worten des "jap. Gelehrten" Nai Ki anschließen "Just do it".
Armin Appel