Was tun im November bei schönem Wetter und kein Lift läuft? Da war doch was. Man erzählt sich doch, daß in den Anfangszeiten des Gleitschirmfliegens viele mit ihrem, damals noch leichten Packsack die Berge zu Fuß bezwungen haben. Das macht man heute ja nicht mehr... aber bei dem schönen Wetter.
Etwas Überredungskunst brauchte es schon um Armin zu überzeugen heute mal wie in alten Zeiten auf einen Berg zu wandern. Frank erzählten wir gleich gar nicht was wir vorhatten, bis wir im Auto saßen, da konnte er dann auch nicht mehr zurück.
Wenn schon hochgehen, dann wenigstens auf einen Berg an dem auch kein Lift ist. Die Gaichtspitze ist eine gute Möglichkeit. Vor allem weil es sich an dem Berg anbietet vom Tannheimer Tal aus die 800 m bis zum Gipfel zu gehen, um dann fast 1100 m bis ins Lechtal zu fliegen, so hat man noch etwas Höhe gewonnen.
Auf dem Weg dahin überkamen uns dann aber heftige Zweifel, ob das eine gute Idee war, hat es doch am Tag zuvor bis ins Tal geschneit. Als wir dann noch am Neunerköpfle vorbeifuhren und der Lift wieder erwarten lief, wären wir beinahe schwach geworden. Nach kurzem Disput auf dem Liftparkplatz gaben wir uns einen Tritt und fuhren weiter bis zum Weiler Gaicht bei dem unsere Tour beginnen sollte.
Ich zog mir dann gleich mutigerweise kurze Hosen an, erfolgte doch der Aufstieg an einer Südseite und die Sonne schien, da sollte doch das bißchen Schnee nichts ausmachen. Frisch wars schon aber nach den ersten paar Höhenmetern wars mir wieder richtig warm.
Der Weg ist auch bei etwas Schnee gut zu erkennen und führt durch lichten Wald stetig ansteigend bis zur großen Almwiese unter dem Gipfel. Dann gehts noch mal etwas mühsam ständig das Gipfelkreuz in Sichtweite direkt durch Latschenfelder zum Gipfel.
Nach einer wirklich schönen wenn natürlich auch anstrengenden Wanderung durch den verschneiten Wald, kamen wir nach gut 2 Stunden am Gipfel an. Siehe da, was steht da am Gipfelkreuz - ein Packsack. Wir sind nicht die einzigen Verrückten die mit so einem Monster einen Berg bezwingen. Aber wo ist der Eigentümer des Gleitschirms? Diese seltene Spezies des Gleischirmwanderes scheint eher scheu zu sein. Nachdem wir uns ein paar Minuten ruhig verhalten hatten (zu was anderem waren wir auch nicht mehr fähig) traute er sich wieder aus seinem Versteck und wir nahmen vorsichtig Kontakt auf. Er erzählte uns, daß er dieses Jahr schon über 10 mal auf der Gaichtspitze war- boa ey und gleich darauf meinte er, daß ihm vor kurzem ein Adler durch die A - Leinen geflogen sei - ah ja. OK das relativierte das vorher Gesagte.
Hier am Gipfel wurde es dann doch recht frisch und so entschlossen wir uns nicht mehr lange zu warten und uns eine geeignete Stelle zum Starten auszusuchen. Der Wind kam stramm direkt von vorne und so mußten wir gar nicht weit gehen und konnten direkt am Gipfel auslegen.
Weht der Wind an der Gaichtspitze mal nicht von Vorne, hat man hier die Möglichkeit noch ein Stück weiter zuerst steil bergab und dann den Kamm entlang zum Hahenkamm zu gehen. Dort kann man dann nach Westen oder nach Osten starten. An der Gaichtspitze selbst sollte man, falls der Wind eher seicht weht, ein Stück nach Osten gehen um genug Platz für den Startlauf zu haben. Am Gipfel steht man sonst recht schnell in den Latschen.

Frank startete als erster und bestätigte was wir uns schon dachten. Thermik ist heute nicht. Was will man erwarten im November bei Inversionswetterlage. Der Wind ließ auch kurz vor dem Start nach, so daß er nicht mehr zum soaren geeignet war. Absaufen kann wirklich ärgerlich sein. Wenn man aber nichts anderes erwartet machts richtig Spaß "sinnlos" durch die Gegend zu fliegen. Der Flug endete dann fast 1100 m tiefer am Ortsrand von Weißenbach im Lechtal auf einer riesigen Wiese. Etwas Neid kam dann doch noch auf als ich sah, daß Armin, weiß der Himmel wie, noch für eine ganzen Weile die Thermik aus den Bäumen kratzte.
Wenn man in Gaicht losläuft und in Weißenbach landet hat man natürlich ein Problem. Das löst man entweder mit dem Bus oder man hat einen sehr versierten Piloten dabei der sich opfert und in Gaicht derart geheim landet, daß er noch einen Hang runterhagelt, dann schnell den Schirm zusammenpackt und einen mit dem Auto abholt. Eigentlich sollte man bei Gaicht selbst nicht landen um die Jahreszeit wird wohl niemand mehr was dagegen haben, das bestätigte uns auch der Gaichtspitzprofi am Gipfel. Der Landeplatz in Weißenbach wird geduldet. Hier landen üblicherweise auch die Piloten die vom Hahenkamm nach Westen gestartet sind und nicht bis zum offiziellen Landeplatz nach Höfen kommen.
Das Landebier hatten wir uns redlich verdient. Ein sehr gelungener Tag und um einiges befriedigender als wenn wir uns 3 mal mit der Meute vom Neunerköpfle gesteint hätten. Das wird sicher nicht das letzte mal gewesen sein, daß wir zu Fuß auf einem Berg waren.

Wolfgang