Charly Compressor


Der Compressor im Test, Erfahrungen mit Charly's Packsack

Das Problem ist genauso alt wie leidig, große und schwere Teile wie eine komplette Gleitschirmausrüstung lassen sich nur unbequem tragen. Ein Grund, weshalb sich recht wenige Leute auch mal zu Fuß aufmachen um zum Startplatz zu kommen und in der besten Thermikzeit ein echtes Problem mit Bahnen in Revision haben.

Übliche Gleitschirmpacksäcke sind oft unausgereifte quaderförmige Behältnisse mit Alibitragegurten und für einen längeren Marsch einfach nicht ausgelegt. Seit vergangenem Jahr verspricht Charly-Produkte mit ihrem „Compressor" – Packsack die Misere behoben zu haben und ich konnte der Werbung nicht widerstehen. Zum bevorzugten Austauschpreis gegen meinen alten Sack erwarb ich so eine Wundertüte und hier sind die Erfahrungen:

Im Gegensatz zu normalen Packsäcken mit ihrer eher weit ausladenden Klotzform ist der Charly-Compressor als Evolutionsprodukt der altbekannten Kraxe im Hüftbereich sehr schmal geschnitten, erweitert sich nach oben hin aber stark. Das Prinzip wenden auch alle Trekkingrucksäcke etc. an. Der Grund ist der in Kopfhöhe liegende Schwerpunkt. So muss man den Oberkörper viel weniger weit nach vorne abwinkeln um nicht nach hinten umzukippen. Hier liegt also der Hauptvorteil der Schnittform. Man beugt sich weniger weit vor und läuft dadurch sehr viel entspannter.

Compressor1.gif (6662 Byte)Der Nachteil der umgekehrten Tropfenform ist erstens die deutlich größere Bauhöhe um das nötige Volumen zu bekommen und zweitens das zum Packen ungünstigere Format. Ersteres macht sich beim Verstauen des Sackes im Auto unangenehm bemerkbar, letzteres beim Einpacken der Ausrüstung. Charly liefert sogar eine Anleitung mit, wie man alle Utensilien optimal anordnet, aber das ist recht theoretisch. Ich habe ein paar Versuche gebraucht um das Optimum zu finden. Hier ist quadratisch einfach praktisch und gut.

Der Compressor ist aus leichtem Material gebaut, aber durch clevere Verstärkungen an den richtigen Stellen optimal stabil. Die Verstaubarkeit im Gurtzeug ist dadurch gut. Durch die hohe schmale Form ohne die bei Rucksäcken übliche Verstärkung durch Alustangen ist der Packsack im gefüllten Zustand relativ labil. Die Ausrüstung muss sehr sorgfältig, symetrisch und fest eingeschichtet werden. Ist der Reißverschluss zu, wird durch eine sehr schön gemachte Kompressionsverschnürung der ganze Sack wie ein Schuh mit einem Zug verengt. Durch diese Verpressung wird erst die nötige
Stabilität des Sackes erzeugt. Das System ist notwendig und voll überzeugend. Im oberen Bereich finden sich noch große Deckeltaschen zum Verstauen von Kleinkram und dem Helm! Insgesamt ist das Packvolumen sehr groß.

Die Tragegurte sind von Topqualität, genauso wie der außerordentlich komfortable Hüftgurt. Hier wurde endlich mal das Niveau von Profirucksäcken aus dem Bergsport erreicht. Über die Zweckmäßigkeit einer Handytasche am Hüftgurt kann man streiten, ein nettes Detail ist es allemal. Sollte der Hüftgurt mal stören, kann er leicht abmontiert werden, was z.B. im Flugzeug sicher ein Kriterium ist. Weniger schön ist, dass der Hüftgurt eher nach unten zeigt als nach vorne und erst am Körper zwangsläufig in die richtige Lage schwenkt. Die Rückenpolsterung ist ausreichend, qualitativ hochwertig und bei noch akzeptablem Packmaß einfach nicht voluminöser zu gestalten.

Compressor2.jpg (8333 Byte)Der wichtigste Punkt ist letztendlich der Tragekomfort und der ist wirklich tadellos. Die relativ aufrechte Haltung ist sehr viel weniger ermüdend und weniger langweilig als das ewige in den Boden schauen wie wir es alle kennen. Die Verstellbarkeit der Rückenlänge, von Charly in der Werbung hervorgehoben ist leider alles andere als gut. Mit meinen 175 cm Körpergröße kann ich das Tragesystem schon nicht mehr optimal einstellen. Für kleinere Piloten würde ich den Compressor eher nicht empfehlen. Ich schätze ab 185 cm aufwärts sollte es genau passen. Eine Version mit kleinerer Rückenlänge würde sicherlich eine nennenswerte Zielgruppe ansprechen. Als kleines Manko der Form muss man auch in Kauf nehmen, dass der Compressor nicht selber steht. Die Standfläche ist einfach zu klein.

Resümee: Der Charly Compressor ist weniger geeignet für Leute die mal schnell alles Gerödel in einen Sack stecken wollen und dann nichts wie rein in die Bahn zum 5. Gleitflug heute. Für Piloten die ihre Ausrüstung tragen wollen habe ich noch keine bessere Konstruktion gesehen und der etwas höhere Packaufwand fällt hier überhaupt nicht ins Gewicht im Vergleich zum sehr viel besseren Tragekomfort. Insgesamt würde ich sagen: Note 2, empfehlenswert. Mit kleineren Änderungen in der Zukunft wäre aber eine 1 drin.

Markus Schmidt

Charly´s Page zum Compressor


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