We are the Champions: GCO Clubmeisterschaft 1999
Ihr kennt den GCO nicht? Den Gleitschirmclub Ochsenhausen? Dann habt Ihr was verpaßt, ehrlich!
Am 11.9.99 haben wir unseren Clubmeister ausgefochten. Und wie das ging, und was wir dafür leisten mußten, das möchte ich Euch hier erzählen. Nicht um eine Clubmeisterschaft als sportliche Höchstleistung "hochzusterilisieren", wie gestandene Fußballprofis zu sagen pflegen, sondern um vielleicht dem einen oder anderen Vorstand eine Idee zu vermitteln, wie anderswo "ausgemeistert" wird. Bei uns ging das nämlich dieses Jahr so:
Verflucht früh aufstehen war zunächst angesagt, eigentlich schon Prüfung genug,
8.30Uhr antreten am Hochgrat. Hochgrat, da geht doch gar nichts? Meistens stimmt das wohl,
aber für solche Anlässe macht das nichts, schließlich ging es nicht um Bojen,
beschleunigte Endanflüge und air started races, das überlassen wir den Profis unter den
freien Fliegern.
Zunächst war aufbauen der Campingtische und ein gemütliches Frühstück
angesagt, wer wollte konnte sich auch zwanglos mit einem Probeflug auf den Berg
einstimmen, die Preise der Bahn erlauben das selbst uns (Wahl-)Schwaben.
Langsam aber sicher stieg dann die Nervosität und alle wollten den Wettkampf angehen. Und schon schlug die erste Überraschung ein, jeder erhielt zwei Bögen Papier mit jeweils einem Fragenpaket, eines mit "Gebietsfragen" und eines mit "technischen Fragen". Die nächste Überraschung war, daß jeder eine andere Frage bekam, da hatte sich der 1. Vorstand und Organisator Norbert mächtig Mühe gemacht...
Konnte man für die technische Frage meist noch einen sonst immer klug daherlabernden Mitstreiter finden (um welche verdammte Achse rollt doch gleich ein Gleitschirm??), stellte die Gebietsfrage dann jeden vor Rätsel: Welche Seriennummer hat der Händetrockner auf der Herrentoilette? Wieviele Masten hat die Bahn und wie hoch ist der höchte? Wie schwer ist das Gegengewicht der Bahn in der Talstation? Fragende Menschen mit großen Packsäcken wüteten durch die Scharen von Touristen: "Tag, eine Auffahrt - und wie hoch ist eigentlich Ihr höchter Mast, also nicht Ihrer, sondern der Bahn??". Ich kniete unter dem Händetrockner und suchte das Typenschild, ein Bergbesucher mit Kind sagt im vorbeigehen "Schau, der Mann sorgt für Strom". "Toll", dachte ich, "Affenwettkampf". Dann kamen zwei einheimische Flieger vorbei: "Hey Leute, habt Ihr mal 'nen Kugelschreiber, ich muß die Seriennummer von dem Teil hier notieren!". Fragende Blicke, bei der Auffahrt kommen wir in's Gespräch, dann Verständnis, Gelächter. Gar nichts schlecht, eigentlich richtig witzig, wie damals bei den Schulausflügen. Vor der Damentoilette ein wild gestikulierender Mitstreiter: "Entschuldigung, haben Sie einen Moment Zeit, ich muß unbedingt wissen wieviele Klos da drin sind, verstehen Sie mich nicht falsch..." Der Bahnangestellte kennt das genaue Gewicht dieser Gegenmasse nicht, da bleibt nur der Gang zum diensthabenden Chef.
Endlich oben leihe ich mir erstmal ein GPS, wer nimmt zum Vereinspokalfliegen schon
Hightech mit? Aber wie sonst finde ich die Peilung Richtung Imberggrat heraus?
Endlich geht es
an's fliegen, den weniger geübten hilft man noch auf dem steilen Startplatz, dann geht es
ab Richtung Klötzchenabwurfkreis, der auf einer Alm ausgebreitet liegt. Noch einen Kreis
ziehen, noch eine Acht, jetzt schon mal das Holzstück mit meiner Startnummer aus der
Fototasche fingern, noch einen Schlenker, zielen und...Mist! Das geht ja gar nicht, noch
nicht mal den äußeren Wertungskreis. Gar nicht einfach. Egal, abhaken und auf die
Landung konzentrieren, so nah wie möglich an die Ziellinie heran. Wieder eine Acht, einen
Schlenker, peilen, anfahren lassen, noch einen Schlenker, Endanflug, flieg doch!, flieg
doch! - so gut wie getroffen, immerhin im Wertungsfeld. Ging doch, besser als ganz
daneben.
Puhh, erstmal durchschnaufen, doch keine Gnade vom GO (großer Organisator), auf dem Landeplatz steht ein Parcours! "Raff Deinen Schirm, sag irgendwann -los- und lauf ohne das Band zu berührten so schnell wie möglich durch." "Los"...raff...knüll...stopf...schnauf...Mist, fast gestolpert, das Band umgerissen, auf den Schirm getrampelt. Alemagne - zero points...dumm gelaufen, im wahrsten Sinne des Wortes.
Auch danach keine Gnade, wieder eine Gebietsfrage und noch eine Clubfrage! Wieder individuell, was für eine Schweinearbeit. "Ey, Dieter, wann wurde unser Club gegründet??" "Wer von uns hat die niedrigste DHV-Nummer?" "Wieviele im Club haben den B-Schein?" Wohl dem, der die Mitgliederliste dabei hat, aber wer hat das schon...
Danach wieder hektische Suche in Berg- und Talstation: Auf der Karte muß doch stehen wie der östlichste Ausläufer des Grates heißt. Und der blöde Fluß am Landeplatz hat doch bestimmt auch einen Namen, außer Fluß. Wieviele Biersorten gibt es im Lokal an der Bergstation? Und was kostet es, wenn man von jeder eins trinkt (ohne ausprobieren!!)? Wieviele Marken gibt der Zigarettenautomat her? Wieviele Pfosten hat das Geländer der Aussichtsterasse? Oh je...
Dann der zweite Flug, um die Sache noch lustiger zu machen haben wir freiwillig Schirme getauscht. Meiner will erst gar nicht mit mir abheben, dann stellt sich das Handlingwunder Marlin aber als recht praktisch heraus, so tief habe ich mich beim ersten Flug nicht an den Kreis zum Abwurf geschaukelt. Zielen...und...ja!...immerhin im äußeren der beiden Ringe!
Bei der Landung dann den Endanflug etwas höher ansetzen, wie sagte Wolfgang doch so
schön als Booster und Marlin mal am Übungshang nebeneinander lagen: "StarTrek VII:
Das Treffen der Generationen"...fast doch noch zu niedrig, aber es paßt wieder
halbwegs, das war o.k.. Den Parcours habe ich dieses Mal auch besser im Griff, geschafft,
klasse.
Der GO
schleicht sich heran, mir schwant Böses: "Ich möchte folgende Gegenstände von Dir
sehen: Rettungsschnur, Notraketen und Leinenkappmesser." "Ups, Rettungsschnur,
die liegt zu Hause, weil, ja weil, die war nach dem Sicherheitstraining aus technischen
Gründen etwas naß und ähhhh...". Nun ja, immerhin zwei von drei Punkten.
Und dann war wirklich Schluß, noch die Fragen nebst Antworten abgeben und erstmal ein
dickes fettes Steakbrötchen vom Grill reinschaufeln, natürlich mit kühlem Getränk, die
Organisation ist perfekt. Nach und nach sind alle im Ziel, die
Klötzchen-Auswertungs-Truppe legt noch einen kleinen Spaziergang ein, dann gehts Richtung
Heimat. Schnell duschen und in die Pizzeria, das beste kommt ja noch: Beim gemütlichen
Beisammensein folgt die Preisverleihung, Platz eins bis vier erhält einen glänzend
polierten Pokal, alle Teilnehmer erhalten eine schöne Urkunde zur Erinnerung. Und
spätestens wenn man dann in die strahlenden Gesichter dieser großen Kinder und Ihren
Glanz in den Augen sieht weiß man - das war ein voller Erfolg!
Nächtes Jahr wieder, zur Millennium-Clubmeisterschaft sind alle wieder mit dabei!
Zur Nachahmung empfohlen!
Martin