One day stand: ProDesign Carrier
Am Sonntag früh - im Rahmen des Stubai-Cups 2000 - stiefelte ich mit Assad und unserem Vereins-Magnum auf den Elfer. Wir wollten nur einen Abgleiter zum Hauptlandeplatz machen und dann Soloschirme zum Probefliegen ausleihen. Meine Freundin war derweil mit einem geliehenen Booster unterwegs, wir hatten also viel Zeit. Nach dem Abgleiter konnte Assad leider seinen Wunsch-Soloschirm nicht bekommen, also schlug ich vor uns mal den Carrier auszuleihen, einfach so, um noch einen schönen Tandemflug zu machen und uns dann dem Spaktakel auf dem Landeplatz zuzuwenden.
Am Pro Design Stand hatten sie auch prompt einen zum testen da. Kurz die Adresse des Leihlings notiert, Schirm übergeben und ab in den Bus zum Elfer. Der war voll mit den Promo-Teams von Apco und Gin, entsprechend wurde geschnattert. Ab in die Bahn und auf den Berg und erstmal zu Fuß noch ca. 150m ansteigen, weg vom Trubel zu einem schönen, flachen, idealen Startplatz. Den mußten wir uns mit den Gins teilen, aber Achim und seine Crew waren - echte Profis eben - schnell weg. Beim Auspacken fällt erst mal auf, daß die Gurtspreizen quasi fest an den Tragegurten des Schirms montiert sind, per Schraubschäkel, die in eine Gummitülle eingeschweißt ist. Wohin also mit der Rettungsbefestigung, die ich beim Magnum an den Hauptkarabinern habe ? Kleines Problemchen ... hier muß man evtl. die Schraubschäkel wegmachen und durch Karabiner ersetzen. Die Leinen sind farblich sauber getrennt, das Sortieren ist für einen Tandem sehr einfach, wie beim Solo. Die ausgelegte Kappe macht einen kompakten Eindruck.
Der Start
bei ganz leichtem Rückenwind war problemlos. Der Schirm steigt bei leichtem Zug an den
A-Gurten (4 A-Leinen an 1 Gurt) auf, brauchte aber kurz vor dem Scheitelpunkt noch einen
schwachen Impuls, dann hieß es rennen und kurz anbremsen. Mir kam der Startvorgang
ähnlich wie beim Magnum und Fat Willy sehr einfach vor. In der Luft fällt sofort die
Trimmgeschwindigkeit auf, die auch für einen Tandem gewaltig ist. Wir maßen mit dem
Speedsensor zwischen 39 und 43km/h bei einem Startgewicht von ca. 180kg. Der Schirm hält
aber noch 40kg mehr aus ... Das sinken lag bei 1,3 - 1,4 m/s. Zurückbremsen auf ca.
35km/h ist ohne Kraftanstrengung drin, darunter wird's für mich Hänfling dann schwer.
Zuerst mal der Versuch, Dynamik über die Querachse aufzubauen. Geht nicht ... auch durch
beherztes anbremsen bleibt die Kappe kaum hinter den beiden Fliegern zurück, nach
freigeben der Bremsen nickt die Tüte auch kaum vor. Hmm, träges Teil ?
Also Längsachse, und hier geht's ab wie beim Solo: auch durch mäßigen Zug ist man schnell in einer flachen Kurve, wobei die Steuerkräfte im oberen Bereich mäßig sind, dann aber schnell stark ansteigen. Man kann den Schirm auch ohne Mühe sehr weit aufschaukeln, wobei die Kappe trotz hoher Dynamik kein Runzeln von sich gibt. Ich persönlich mag diese Dynamik sehr und habe sie beim Tandem bisher vermißt. Kurven- und Thermikfliegen ist damit einfacher, als wenn man jede kleine Ecke, um die man fliegen will, erst mal durch kräftigen Bremsenzug einleiten muß. Dann bekam Assad die Bremsen in die Hand. Er war ebenso überascht von der "Servolenkung", vor allem aber der Geschwindigkeit. Ich mußte ihm die Leinen regelrecht wegnehmen ...
Ohren anlegen ist Dank einer Hilfe an der äußeren A-Leine sehr einfach und das Sinken damit effektiv. Die Vorwärtsfahrt läßt dabei kaum nach. Wir versuchten auch (allerdings eher halbherzig), einen Klapper zu ziehen, was uns nicht gelang. Guckt man nach oben, bietet sich ein ganz anderes Bild, als der Flugeindruck vermuten lassen würde: Da steht prall gefüllt ein großes weißes Ei am Himmel, daß einem durch seinen Anblick erstaunliche Sicherheit einflößt.
Zur Landung flogen wir den Freifliegerlandeplatz neben der Straße nahe des Hauptlandeplatzes an, und wir flogen natürlich eine saubere Volte. Die fällt dank der Dynamik nicht schwerer als mit einem Solo-Schirm. Null Wind und die gewaltige Trimmspeed ließen ein schnelles Laufen im Schnee vermuten. Aber das Flareverhalten und die Nickstabilität kommen einem hier sehr zugute: Auf den ersten Zentimetern Bremsweg geht schon etliches von der Fahrt verloren. Ist man hier zu früh dran, kommt einem der Schirm durch seine Nickstabilität entgegen. Man kann ohne Bedenken die Bremsen im Endanflug dosieren, ohne Angst vor einem Abtauchen haben zu müssen. Bei weiterem Ziehen kurz vor dem Aufsetzen bleibt der Schirm schier stehen und sinkt, ohne daß ein Abriß zu befürchten wäre. Ich habe im Aufsetzen versucht, den Schirm gewaltsam abzureißen, aber meine Kraft reichte dafür nicht aus.
Nach der Landung und dem ersten Verarbeiten des Eindrucks rief ich meine Freundin an "Hi, sollen wir uns einen Tandem kaufen ?". Na, die Vernunft siegte dann doch. Auf jeden Fall werden wir das Gerät aber mal im März ausleihen, wenn's im Elsaß wieder kachelt. Wenn sich der gewonnene Eindruck dort fortsetzt, sollte ich schon mal anfangen zu sparen ...
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