geflogen von Jerome
Daoust
übersetzt von Wolfgang, ich bitte also um Nachsicht
Über mich:
Ich fliege seit 11 Jahren Gleitschirm, insgesamt 582 Stunden (das ist nicht viel für die
ganzen Jahre), meistens in thermischen Bedingungen und hauptsächlich mit Hochleistern
oder Wettkampfschirmen.
Warum habe ich diesen Schirm ausprobiert:
Ich möchte von meinem Omega 4 (DHV 3 mit einem sehr geringen Wiederverkaufswert) wieder
zurück zu einem einfacheren Gerät. Der Omega brachte mir den Titel "König der
Klapper" und alle 50 Stunden intensive Flugerfahrungen ein. Das Fluggebiet in dem ich
am meisten fliege ist thermisch sehr aktiv und da passt ein stabilerer Schirm besser. Ich
bin bereit bei der Leistung gegenüber der Sicherheit Kompromisse einzugehen, so daß ich
während des Fluges weniger auf den Schirm achten muß. Mein Ziel ist es einen DHV 1-2er
Schirm zu fliegen wenn ich damit Leben kann, ansonsten werde ich mich bei den DHV 2ern
umschauen. Ich möchte mich bei Len Szafaryn bedanken, der mir den Schirm zum testen
überlassen hat.

Bedingungen:
Gesten hatte ich ideale Bedingungen um diesen 1-2er/AFNOR Standard Schirm zu testen. Es
war schwachwindig mit guter Thermik. So war ich 2,5 Stunden mit einem blauen Carbon M
unterwegs. Der Gewichtsbereich geht von 85 bis 105 kg. Ich lag mit 93kg in der Mitte.
An dem Tag konnte ich öfter 700 m Startüberhöhung erreichen. Die Temperatur lag am
Start bei 21°C und in der Luft auch nicht wesentlich niedriger, so daß ich ohne
Handschuhe fliegen konnte. Ich flog 2 mal, den ersten Flug benutzte ich um notwendige
Einstellungen vorzunehmen und eine Toplandung zu versuchen, der zweite um ein besseres
Gefühl für den Schirm zu bekommen.
Start:
Ich hatte im Vorfeld gehört, daß sich der Schirm beim Start schwer anfühlt, deswegen
habe ich auf diesen Punkt besonders geachtet und konnte das nicht bestätigen.
Beim Rückwärtsstart mit 5-10 km/h Wind benutzte ich nur die A-Tragegurte. Der Schirm
stieg gleichmäßig und leicht hoch. Der Carbon lies sich einfach über mir stabilisieren,
ähnlich wie der Omega 4, brauchte aber viel mehr Bremseinsatz.
Aufbau:
Die Leinengeometrie war neu für mich. Die Stammleinen fächern sich erst kurz vor dem
Schirm auf. Ich mußte zuerst zwei Konten entwirren die sich in den Galerieleinen gebildet
hatten. Ich fragte mich ob sich die Leinen so leicht verknoten oder ob das durch das
Schrimpacken verursacht wurde. Die Gesamtleinenlänge scheint das Ergebnis einiger
Optimierungsarbeit gewesen zu sein. Den Beschleuniger konnte ich mit zum Anschlag
durchtreten, so daß ich auch die Höchstgeschwindigkeit austesten konnte. Ich kann mich
nicht erinnern ob der Beschleunigerdruck hoch war, deswegen nehme ich an, daß er o.k.
war.
Der Flug:
Wendigkeit:
Was mich überrascht hat, war der lange Steuerweg der nötig war um eine scharfe
(nicht steile) Kurve einzuleiten. Wenn ich mich an ein paar Testflüge mit dem Arcus
erinnere, so schient der Carbon so viel oder sogar einen noch längeren Steuerweg zu
benötigen um die gleichen Reaktionen oder gleichbleibende Kurvenradien zu erzeugen. Meine
Hände waren auf Hüfthöhe oder noch darunter als ich versuchte in enger Thermik zu
bleiben (gleichzeitig steuerte ich auch mit Gewicht). Mir war etwas unwohl als ich mir
überlegte was wohl mein Omega 4 bei solchen Steuerausschlägen tun würde. Die
Steuerdrücke waren dabei jedoch nicht unangenehm hoch, so daß ich mir vorstellen kann,
daß der Schirm darauf hin entwickelt worden ist. Die Raktion auf den Bremseinsatz war
etwas schwächerer gegenüber dem Arcus und wesentlich schwächer gegenüber dem Omega.
Als ich in einen verlorenen Schlauch zurück wollte endete das in einem schwammigen
Gefühl, als ob dabei viel mehr Energie verloren ginge als bei meinem Omega, aber ähnlich
wie beim Arcus oder Astral2. Der Schirm hinderte mich aber in keiner Weise daran das zu
tun was ich gerade wollte, also wieviel Wendigkeit braucht ein Pilot wirklich ? Der
einzige Problem ist, daß meine Hände dabei mehr arbeiten müssen als beim Omega
(unfairer Vergleich) und das Gefühl des geringen Energieerhaltes. Der Steuerweg und die
Wendigkeit werden im DHV-Test als durchschnittlich angegeben, vielleicht ist er also gar
nicht so schlecht im Vergleich mit anderen Schirmen in dieser Klasse.
Thermikflug:
Viele sehr gute Piloten flogen mit mir und gaben mir die Chance das Steigen des Carbon
zu vergleichen. Die gute Nachricht ist, daß ich, nach einer Zeit bis ich mich an die
langen Steuerwege gewöhnt hatte, mit den anderen auf Argon und Airwave XXX mithalten
konnte. Die schlechte Nachricht ist, daß das ein paar Arcus ebenfalls schafften. Ich kam
zu der Erkenntnis, daß Flugkönnen in diesem Bereich der Fliegerei wichtiger ist als
Geräteleistung. Diese Lektion brachte mich auf den Gedanken, daß der Schirm wohl doch
nicht so uneffizient ist wie ich dachte. Wenn die äußere Bremse mitgezogen wird scheint
das ein besseres Feedback auf die innere Bremse zu geben. Ich bin mir aber über diesen
Punkt nicht ganz sicher. Einmal mußte ich mich aus 150 m Höhe wieder mit schwacher
Thermik hoch kämpfen und schaffte es in 10- 15 Minuten wieder bis an die Basis.
Mindestens 2 andere Piloten mußten in dieser Phase landen und kein anderer schaffte es
aus dieser Höhe wieder aufzudrehen. Der Schirm zeigte mir sehr viel besser auf welcher
Seite die Thermik steht als der Arcus, etwa so wie mit dem Omega.
Polare:
Geschwindigkeitsmessungen waren schwierig in diesen Bedingungen. Ich maß den
Trimmspeed bei ungefähr 36 km/h und den Topspeed bei 52 km/h. Ich vertraue meinem
Geschwindigkeitsmesser, da er im Vergleich zu einem geeichten Skywatch nur 1 km/h
Unterschied mißt. Mit dem Omega erreiche ich nur 49 km/h. Es war schön zu sehen, daß
der Carbon auch voll beschleunigt durch Turbulenzen fliegt, ohne daß aktives Eingreifen
nötig wäre. Ganz sicher würde ich solches mit dem Omega nicht tun. Ich legte 3 längere
Gleitflüge zurück bei denen ich das Gefühl hatte, daß der Schirm eine sehr gute
Leistung hat. Halbgas scheint das Gleiten noch stabiler zu machen. Und voll Beschleunigt
geht die GZ nicht so in den Keller wie beim Arcus oder Astral 2. Aber das ist nur
subjektiv, da ich keine direkten Vergleichsflüge gemacht habe.
Min.Sink:
Wegen der thermischen Bedingungen konnte ich in diesem Punkt keine Messungen machen.
Stabilität:
Der Flügel ist definitiv stabiler als der Omega, aber mit dem Arcus vergleichbar. Ich
flog in einem sehr engen -1 - +5 m/s Bart und erwischte dabei einen 30%-Klapper welcher
mir allerdings kein Grund zur Besorgnis gab. Klasse!
Wiederöffnung:
Ich machte 6 oder 7 50%-Klapper, die mich im Gurtzeug abkippen liesen und ein langsames
abdrehen bewirkten. Ich hatte wohl zu wenig gegengebremst, so wie ich es vom Omega gewohnt
bin. Ich erreichte ein Einklappen von 50% durch kräftiges Herunterziehen von zwei
äußeren A-Leinen. Die Wiederöffnung unterstützte ich mit den Bremsen. Die Reaktionen
waren gedämpfter als mit dem Omega.
Landung:
Ich bin zwei mal unter thermischen Bedingungen topgelandet. Das Ausflairen war so gut
oder noch besser als beim Arcus.
Flugfiguren:
Ohren anlegen:
Aufgrund der hohen Karabinerpositon an meinem Advance-Gurtzeug mußte ich sehr weit nach
oben greifen um die A-Leinen zu erreichen, danach mußte ich noch mal nachgreifen um die
Ohren weit genug eizuklappen.
Hannes Papesh teilte mir mit, daß man auf Anfrage den Carbon M mit geteilten A-Gurten
erhält. Ich war erstaunt über die Zugkraft die auf diesen Leinen war. Es ist nicht sehr
angenehm sie mit bloßen Händen länger zu halten. Das ist ein Hinweis auf die
Stabilität der Ohren. Nach dem Loslassen der Leinen brauchte der Carbon 3-4 Sekunden um
wieder selbständig zu öffnen.
Steilspirale:
ich bremste innen langsam so weit durch bis mein Vario bei -8m/s am Anschlag war. Ich
denke es war bei etwa -10 m/s bis ich vernünftig in der Spirale war. Dabei konnte ich die
Sinkgeschwindigkeit gut mit der inneren Bremse kontrollieren. Bei der Ausleitung will sich
der Schirm schnell aufrichten. Man muß noch mal nachdrücken um den Schirm schön aus der
Spirale zu bringen.
Wing Over:
Es brauchte viel Bremseinsatz um mich auf die Höhe des Schirmes zu bringen. Der
Carbon dämpft die Schwingungen. Während der Wing Over bemerkte ich Turbulenzen welche
allerdings zu keiner Störung führten. Das würde mit meinem Omega viel eher passieren.
Das Verhalten bestärkt mich in der Meinung, daß der Schirm leicht Energie vernichtet.
Zusammenfassung:
Dieser Schirm ist zur Zeit der beste 1-2er. Die Leistung ist besser als beim Arcus und
gleich wie beim Allegra aber mit mehr Geschwindigkeit. In den nächsten Tagen werde ich
diesen Schirm bestellen. Ich freue mich darauf mich in der heimischen Luft mehr entspannen
zu können.
| Pro | Contra |
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Webseite von Jerome
- wirklich sehenswert !!
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