One day stand: Firebird Booster L

booster2.jpg (17345 Byte)Als Differenzierung zu den Geräteerfahrungen, die ab jetzt nur noch Erfahrungswerte schildern sollen, die über einen längeren Zeitraum gesammelt wurden, gibt es nun die "one day stands". Das sollen Kurztests sein, die aus dem für Normalpiloten üblichen Probefliegen resultieren, also meist aus einem Tag oder Wochenende. Dabei kann natürlich kein vollständiges Bild entstehen, sondern vielmehr ein erster Eindruck. Man kann an einem Tag eben nicht soaren, thermikfliegen, Vergleichsflüge in ruhiger Luft machen und die Extremflugmaneuver über Wasser testen, daher die deutliche Abgrenzung. Ähnlichkeiten des Konzeptes mit den Quickies im Fly&Glide sind natürlich rein zufällig!

Den Auftakt der dates macht der Firebird Booster, mit dem ich mich einen Tag vergnügen durfte. Wie es sich für das ausgehende Jahrtausend gehört handelte es sich natürlich um ein blind-date, verabredet im Internet.

Ignition, Booster und Rocket - seit der FreeFlight ist das Weltallprogramm der Firebirds aus Schwangau komplett. Etwas hat es noch gedauert, bis der Intermediate Booster die DHV-Hürde genommen hat, seit Juni hat die Größe L aber nun das Güteseigel der Kategorie 2 und liegt jetzt zum Probefliegen bereit.
Betrachtet man die Notenvergabe im DHV-Test fällt auf, daß die 1er und 1-2er deutlich in der Überzahl sind, im oberen Gewichtsbereich resultiert die Einstufung 2 sogar nur aus dem beschleunigten Fliegen. Ein Grund mehr also sich den Flügel mal etwas genauer anzusehen, beim Streckenfliegen hat man schließlich besseres zu tun, als sich um die Kappe Sorgen zu machen. Mit meinen 103kg Startgewicht lag ich an der oberen Grenze des Gewichtsbereichs, als Gurt kam das Sit In zum Einsatz.

Bereits bei den Startvorbereitungen macht das übersichtliche Konzept des Booster Freude, zwar müssen 4 Leinenebenen mit geteiltem A-Gurt sortiert werden (3 Stamm- und 9 Topleinen pro Seite und Leinenebene), allerdings sind Stammleinenanzahl, Leinendurchmeser und Material so gewählt, das ein einfaches Schütteln zu einem geordneten Ergebnis führt. Die farbliche Trennung unterstützt diesen Vorgang noch. Auch verfügt der Schirm nicht über eine Stabilobremse, die ich beim Sortieren als sehr verwirrend empfinde.

Auch Firebird hat beim Booster zu den geteilten A-Gurten gegriffen, und das aus gutem Grund: Die geteilten A-Gurte erlauben auf dieser Ebene eine separate Aufhängung des Außenflügels, die die Verringerung des Anstellwinkels beim Beschleunigen reduziert, was die Stabilität im Vollspeedbereich erhöht. Auch konnte ich mich am Landeplatz bei kräftigem Wind davon überzeugen, daß ein Start nur mit den inneren A-Gurten in diesem Fall angenehmer, weil moderater ist, dagegen bei wenig Wind mit beiden A-Gurtteilen, weil dann zügiger.

Der Start selbst ist einfach, ein geringer Impuls genügt und der Schirm steigt zügig hoch, ohne überschießen zu wollen. Während des Aufziehens bleibt der Flügel sehr spurtreu und zeigt keine Tendenz zu seitlichen Ausbrüchen, auch bei Aufziehübungen mit Seitenwind am Landeplatz.

booster1.jpg (29685 Byte)Die Kappe besteht aus 74 Zellen und wie beim Rocket sind die Diagonalrippen in der gewichtssparenden "parabolic-rip-technology" ausgeführt. Blickt man im Flug nach oben, fallen mir als nicht-Firebird-Flieger als erstes die zugespitzten Ohren auf, zwar nicht so extrem wie beim Rocket, aber deutlich. Die Streckung von 5,4 unterstützt diesen Eindruck noch. Desweiteren verfügt Mrs. Spock über ein faltenfreies Untersegel und eine tadellos gespannte Eintrittskante. Daran ändert sich auch im beschleunigten Flug nichts, die Kappe macht einen sehr stabilen Eindruck und liegt "satt" in der Luft, mir scheint das Speedsystem kann auch in turbulenterer Luft durchaus eingesetzt werden, ein entscheidender Pluspunkt bei der Streckenjagt.

Das Handling ist sehr angenehm und deutlich agiler als bei meinem jetzigen Schirm (Axon), man kann den Flügel schnell wenden und WingOver fliegen sich relativ einfach. Auch dabei bleibt die Kappe sehr stabil und muß zumindest bei moderaten Schauklern bis 90° (ups - verboten...) kaum oder gar nicht gestützt werden. Der Steuerweg ist im mittleren Bereich, kein Hochleister - aber man muß auch nicht ständig auf Sitzbretthöhe arbeiten. Stellt man den Bremsenvorlauf etwas kürzer als in der Auslieferungseinstellung, bewegt man sich damit in einem sehr kraftsparenden Bereich. Der Steuerdruck ist zunächst geringer als z.B. beim Axon, steigt nach unten aber wehement an, ich denke ein unbeabsichtigtes Überziehen sollte so nahezu unmöglich sein.

 

booster3.jpg (31167 Byte)Bezüglich des Fliegens in der Thermik kann ich leider nichts sagen, am Tage unseres dates wehte ein kräftiger überregionaler Wind, der aber ein schönes soaren zuließ. Im Aufwindband nimmt der Flügel das Steigen gut an und auch das Kurvensinken hat mich überzeugt, sowohl bei Jumbokreisen als auch beim "Wenden auf dem Ohr".

Über die Leistungswerte kann man bei solchen Bedingungen natürlich ebenfalls keine Aussage treffen, nur soviel als Anhaltspunkt: Der Geschwindigkeitszuwachs beim Beschleunigen beträgt laut GPS etwa 12km/h, damit erscheinen die DHV-Zahlen von 36km/h Trimmspeed und 48km/h Vmax realistisch. Bei ungefähr 75% Beschleunigerweg hatte ich ca.1m/s Sinken mehr, als im Trimmflug. Nimmt man also einen realistischen Wert für das Sinken im Trimmflug an resultiert bei "beschleunigter Reisegeschwindigkeit" ein für ein Gerät dieser Klasse beachtlicher Wert. Aber wie gesagt, alles in Gegenwind und Steigen gemessen.

Erstes Fazit: Für alle, bei denen die Zündung schon eingesetzt hat, die sich aber für eine echte Rakete (noch) nicht reif fühlen oder einfach keine wollen, könnte dieses Schubtriebwerk eine echte Alternative sein. Mit seinem Fun-Handling dürfte einem auch ein Leebart nicht so leicht entwischen und die Beschleunigungserfahrungen machen Lust auf Gleitstrecken, gerade weil sich der Flügel so stabil zeigt. Der DHV-Test deutet ein hohes Sicherheitspotential für stressfreies Thermik- und Streckenfliegen an, wie man mit dem Flügel zurecht kommt wird aber jedem einzelnen nur ein Sicherheitstraining zeigen können.

Für mich könnte aus dem one day stand durchaus eine feste Beziehung werden, bringt der Booster doch alle Eigenschaften mit, die ich von einem Flügel in einer Spaß-Streckenflieger-Partnerschaft erwarte. Außerdem habe ich mich spontan in diese Ohren verliebt...

 

Martin

Weitere Infos: http://www.firebird.de

 


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