Geräteerfahrungen: Apco Bagheera M

Der Pilot: Gunther Lawer

Flugerfahrung: 2 Jahre, fliege sehr regelmaessig in wechselnden Fluggebieten

Startgewicht: ca. 95 kg

Normales Gerät: Swing Mistral 27

Gurtzeug: Woody Valley X-Act

 

Die Story:
bagheera.jpg (13989 Byte)Auf der Flucht vor dem mitteleuropäischen Regen- und Schneechaos verschlug es vier sonnen- und thermikhungrige Piloten in der Zeit vom 21.02.-28.02 nach Almunecar. Dank der verschlungenen Wege von Internet und persönlichen Kontakten fanden wir uns trotz unabhängiger Planung in Zweierteams zur gleichen Zeit am gleichen Ort im gleichen Appartement wieder. Strategisch ist das ein wesentlicher Vorteil, da in der Gegend ohne Auto nichts läuft und zwei Autos das Leben zwischen Lande- und Startplatz ungemein erleichtern. Natürlich macht's so auch mehr Spaß und davon hatten wir reichlich.

Intensive Kulthandlungen bescherten uns fliegbares Wetter von Sonntag bis Donnerstag, am Freitag und Samstag müssen wir wohl versehentlich den Regentanz erwischt haben...

Reines Soaring an der Küste war nicht möglich. Gute Flugbedingungen hatten wir ausschließlich in den Bergen ( Otivar und La Porche), wobei sich hier Soaring und Thermikfliegen mischten. Die thermischen Bedingungen reichten immerhin bis mehr als 4m/s.

 

Der Schirm:
Klaus Emde hatte den Apco Bagheera als Vorführer dabei und da ich, genau wie er, auf der Suche nach einem neuen Leistungsintermediate bin, war ich natürlich neugierig wie die Katze aus dem Sack wohl sein würde.

bagheera_plan.jpg (56223 Byte)Legt man den Baghera aus, fällt erst mal die große Streckung (5,9, projeziert 4,6) mit den spitz zulaufenden Flügelenden auf (O-Ton Klaus: "Was'n Messer!"). Dem Datenblatt entnehme ich eine Zellenzahl von 115. Mehr als 100 Zellen ? Sind die verrückt ? – Ein Blick auf den Leinenplan erklärt und relativiert die zunächst irrsinnig anmutende Zahl. Der Schirm hat 35 + 10 Hauptzellen. Die 35 Zellen sind alle mit Leinen versehen und haben je zwei V-Rippen, so daß sie in drei Zellen geteilt werden (siehe Leinenplan). Auffällig ist, daß diese Konstruktion nur in der vorderen Hälfte des Profils realisiert wurde, während im hinteren Teil die V-Rippen fehlen. So ist das Profil im wesentlichen Teil gut geglättet, während das Fehlen der Rippen im hinteren Teil das Füllverhalten z.B. nach einem Klapper verbessern dürfte. Nachteilig sind die durch diese Konstruktion zwingend aussenliegenden Nähte an den V-Rippen. Es ist eben nicht jeder Startplatz eine Almwiese, die den Schirm vor dem Abheben noch mal sanft streichelt...

Unangenehm an der Verarbeitung sind mir die nicht ummantelten Dynema-Leinen im oberen Galeriebereich aufgefallen. Außerdem scheinen die Stoffbahnen im Bereich der Nähte für die Rippen etwas brachial geheftet zu werden, hier sind kleine Löcher im Tuch zu erkennen.

Das Tuch an sich ist anders als die gewohnten Carrington-Tücher. Über die Qualität kann ich nichts sagen. In der Luft ist das Segel faltenfrei.

Die Tragegurte sind für meinen Geschmack etwas labberig. Ungünstig fand ich die Art der Beschleunigeranbringung. Die gesamte Beschleunigerschnur ist fest mit dem Tragegurt verbunden, so daß man, benutzt man sie so, entweder das Gurtzeug eingehängt lassen muß oder jedesmal die Schnur wieder durchs Gurtzeug gezogen werden muß. Ich habe mir einfach an den oberen Umlenkrollen Schlaufen eingeknotet, damit ich meinen gewohnten Beschleuniger einhängen konnte.

Durch die nur provisorisch gemachte Einstellung konnte ich den Bagheera leider nicht voll beschleunigen.

Der Bagheera war ein normales Seriengerät und hatte kein DHV-Gütesiegel, sondern nur die AFNOR Performance-Zulassung. Nachdem vier Quellen zum Thema Gütesiegel befragt worden waren hatten wir dazu fünf Stories, also sag' ich dazu lieber nix.

 

Die Flüge:
bag2.JPG (27785 Byte)Eigentlich hatte ich nicht vor einen Bericht über den Schirm zu schreiben. So habe ich keine Leistungsdaten gezielt gemessen und keine Klapper o.ä. getestet. Nachdem ich am Donnerstag genug Vertrauen in den Schirm gefunden und beschlossen hatte dies am Freitag nachzuholen um einen Bericht abrunden zu können, kamen wir leider nicht mehr in die Luft.

In den ersten Tagen flog Klaus den Schirm. Ihm war das Gerät zu unruhig und er fühlte sich nicht wohl, so daß er mir den Schirm gab um meine Meinung zu hören, da ich sonst auch mit einem normalen Intermediate unterwegs bin. Natürlich sind auch meine Erfahrungen rein subjektiv.

Ich habe in Otivar an zwei Tagen drei Flüge mit insgesamt ca. 3:45 h Flugzeit gemacht. Hierbei war sowohl soaren als auch Thermik fliegen angesagt.

Leinensortieren ist normal. Mir ist hier nichts besonders aufgefallen außer der farblich markierten innersten B-Leine. Dazu fiel uns nichts sinnvolles ein. Außerdem sind A- und B-Gurt mit Buchstaben zur Kennzeichnung versehen – ich frag' mich nur für wen...

Der Start mit dem Bagheera ist einfach. Sowohl vorwärts als auch rückwärts bei schwachem und stärkerem Wind kommt der Schirm sauber und zügig über den Piloten ohne hängenzubleiben oder zu schießen. Ich konnte ohne den Schirm vorher mal aufgezogen zu haben einfach ohne Probleme starten. Einmal blieb ein Ohr etwas drin hängen und ich zog die Bremsen durch um abzubrechen. Dabei ging nur das Ohr auf und der Schirm stallte nicht sofort weg. Ich gab' die Bremsen wieder auf und konnte den Start fortsetzen.

Fliegen – hier zeigt der Panther, daß er ein sportliches Tier mit viel Leistung ist.

Ich war mit dem Schirm immer oben dabei. Im ersten Flug drohte ich mich schon zu versenken, doch es gelang mir trotz des noch ungewohnten Handlings mich aus vielleicht 50 m Höhe wieder hochzuarbeiten. Etwas ähnliches gelang mir auch auf einem weiteren Flug als ich schon im Landeanflug über einem Buckel ebenfalls aus geringer Höhe einen Bart konsequent bis an die Basis ausdrehen konnte, trotz erheblichen Windversatzes drohte mir dank des direkten Handlings nie die Gefahr aus dem Bart zu fallen.

Steigen nimmt der Schirm sofort an. Manchmal hat man den Eindruck, daß er sich in die Thermik hineinzieht. Wurde ich beim Kurbeln vom Wind nach hinten versetzt, so war es einfach den hinteren Teil des Kreises steil zu fliegen. Gewichtsverlagerung nimmt der Schirm hierbei gut an. Das Kurvensinken bleibt gering und die Schräglage bzw. der Kurvenradius ist jederzeit gut zu kontrollieren, so daß ich mich später auch in Hangnähe traute früh Vollkreise zu fliegen statt noch aufzusoaren. Der Bagheera vermittelte mir bei diesen dynamischen Kurven immer ein gutes Gefühl. Die gewonnene Überfahrt setzt er konsequent in Höhe um. Auch Soaren im engen Aufwind macht so richtig Spaß. Wingovern bestätigte den Eindruck einer guten Wendigkeit.

Im normalen Flugbereich hat der Bagheera kurze Steuerwege, was ich mag. Die Bremskräfte würde ich hier als normal bezeichnen. Zieht man die Bremse tief, zum Beispiel bei einem thermisch bedingt zu hoch geratenen Landeanflug, so steigen die Bremskräfte bodybuildingverdächtig an. Kurzes anstallen und freigeben bringt hier nichts – der Schirm verliert nur langsam an Fahrt, man muß schon auf der Bremse bleiben wenn's denn sein muß.

Fliegt man unangebremst durch unruhige Luftmassen fühlt sich der Schirm unruhig an und schüttelt den Piloten auch schon mal etwas übertrieben unsanft durch den Gurt. Das vermittelt zunächst ein gewisses Unbehagen und ist sicher nichts für schwache Mägen und Gemüter. Im Fotosektor sicher auch kein Vergnügen. Der Schirm hat dabei aber nie irgendwelche Tendenzen zum Klappen o.ä. gezeigt. Unklarheit über das, was an der Kappe oder in der Luft los ist, kommt jedenfalls nicht auf.

 

Ohrenanlegen ist nicht die Stärke des Bagheera. Kleine Ohren gehen gut, bringen aber wenig. Zog ich die A-Leinen tiefer um mal wirklich große Ohren zu machen, so fing das linke Ohr an zu schlagen und der Schirm begann zu drehen. Das Verhalten ließ sich reproduzieren. Schade eigentlich, handelt es sich doch um ein häufig verwendetes Manöver, daß ich auch gerne mal im Landeanflug nutze – mit dem Bagheera sicher nicht. Das Wiederöffnen geschieht bis auf die äußeren Zellen selbständig, da muß man mit der Bremse nachhelfen.

Steilspirale ist die Abstiegshilfe meiner Wahl mit dem Bagheera. Der Schirm geht willig in die Spirale und kommt auch bis vor den Piloten. Gute Sinkwerte sind kein Problem, aber auch das Regulieren über dosiertes Mitbremsen auf der Außenseite ist einfach. Tendenzen zum stabilen Spiralen konnte ich nicht feststellen. Leitet man über weiteres Kreisen aus nimmt der Schirm ohne Pendeln wieder seine normale Fluglage ein – normal eben.

Alles in allem ein Schirm mit viel Leistung, bei dem auch der Flugspaß nicht zu kurz kommt, für mich ein ausgewogenes Flugverhalten. Ich habe mich jederzeit wohl gefühlt unter der Obhut des Panthers, Klaus hingegen konnte sich mit dem bisweilen eigenwilligen Charakter des Bagheera nicht anfreunden.

Sollte der Schirm in Deutschland in der angestrebten Kategorie 2/2-3 zugelassen werden, so werde ich ihn mir in dieser Version sicher noch einmal genauer anschauen, vor allem unter Sicherheitsaspekten.

Negativ sind mir nur die geschilderten Verarbeitungsmängel und das Ohrenanlegen aufgefallen.

 

Gunther Lawer

 


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