Geräteerfahrungen: Nova Axon 26

Da ja scheinbar ein reges Interesse an der Diskussion der "neuen 2er" besteht, hier meine Erfahrungen mit dem Nova Axon 26. Leider fehlen mir die Vergleiche zu anderen Geräten, da ich als Normalpilot natürlich nur einen Schirm fliege. Dafür sind meine Eindrücke die eines Durchschnittsfliegers (2 Jahre Schein, 140 Flüge) und nicht die eines Testpiloten, der vielleicht aufgrund seiner Erfahrung das Verhalten eines Freizeitfliegers schon gar nicht mehr simulieren kann.

Ich fliege den Axon seit dieser Saison, mit einem Schlachtgewicht von 75kg wählte ich den 26er.
Alle Handlingeigenschaften, insbesondere der Start gefallen mir sehr gut. Der Schirm ist wendig ohne dabei "giftig" zu wirken. Die Steurwege sind lang und der Bremsdruck deutlich ansteigend, aus dem Geradeausflug in die Negative zu geraten ist versehentlich kaum möglich. Die Gleitleistung ist der Geräteklasse entsprechend, genaueres kann ich nicht sagen. Die
Geschwindigkeit ist, setzt man das Speed-System voll ein, beeindruckend, auch mit einem Apco Futura konnte ich bei einem kleinen Wettrennen mithalten. Voll beschleunigt wird der Flügel etwas unruhiger, neigt aber nicht zum Klappen.
Insgesamt ist die Kappe sehr stabil, vorausgesetzt man versucht aktiv zu fliegen und den Bremsdruck konstant zu halten. Während zahlreicher Flüge in thermischer Luft bis etwa 5m/s Steigen klappte nur einmal der äußerste Teil des Flügels ein wenig ein, von einem echten Klapper kann aber keine Rede sein.
Über Wasser und mit Schwimmweste erflog ich dann während vier Testflügen das Verhalten in Extremsituationen, wohlgemerkt in ruhiger Luft, Gurt Skyline Distance New, Kreuzgurte offen:

Ohren: Eine von drei A-Leinen reicht völlig aus, notfalls kann man nachfassen. Öffnen nicht selbständig aber nach Anbremsen sehr schnell.

Klapper: Ich konnte nur über den A-Gurt Klapper bis etwa 70% erfliegen, dieser Übung galt mein Hauptaugenmerk, stellt sie doch die einzige echte 2 im DHV-Protokoll dar. Der Schirm dreht mäßig schnell
ab und öffnet innerhalb einer Umdrehung (ohne Gegenbremsen). Mit Gegenbremsen läßt sich die Richtung einfach beibehalten, auch ist man auf der offenen Seite noch weit vom Strömungsabriß entfernt. Durch das Gegenbremsen öffnet die Kappe bis etwa 30%, der Rest öffnet nach Anbremsen der geklappten Seite, "pumpen" - wie in den Lehrbüchern beschrieben - musste ich nicht.
Das Verhalten bei beschleunigten Klappern ist ähnlich, nur eben impulsiver und der Pilot pendelt durch die
schnell entstehende Schräglage etwas mehr. Dadurch wird das dosierte Gegenbremsen natürlich etwas
schwieriger, stellt aber aufgrund der langen Steuerwege kein Problem dar.

Steilspirale: Hier heisst es aufgrund der Wendigkeit der Kappe vorsichtig Herantasten, kein Vergleich mit meinem vorherigen 1-2er. Moderate Spiralen, die auch über längere Zeit gehalten werden können, also abstiegstauglich sind, leiten selbstaendig aus. Geht man heftig zu Werke (das Handbuch spricht von mehr als 20m/s Sinken - mein Vario geht nur bis 8, sorry) möchte der Schirm sanft aus der Spirale gebremst werden, dazu ruhig 1-2 Umdrehungen Zeit lassen. Dann ist der Übergang zum Normalflug aber sehr harmonisch und nicht besonders pendelintensiv. Bei jeder Spirale, ganz gleich mit welchem Sinken, muß das Außenohr etwas angebremst werden, sonst klappt es leicht ein.

B-Stall: Etwas überrascht hat mich das Verhalten des Schirms im B-Stall. Im Handbuch ist zu lesen, man ziehe die B-Gurte 50-60cm herunter und kann danach durch weiteres Ziehen die Fläche weiter verkleinern. Dem kann ich nicht zustimmen. Nach etwa 20cm schiebt sich das Segel erwartungsgemäß zusammen und kippt sanft nach hinten ab, danach stabilisiert es sich im Stall. Ein Drehen um die Hochachse konnte ich nicht beobachten. Zieht man nun die B-Gurte weiter, bildet der Schirm eine Frontrosette. Diese öffnet nicht durch Loslasen der B-Gurte sondern muß durch beidseitiges Anbremsen
beseitigt werden. Dabei beträgt der Arbeitsweg der B-Gurte nach dem Stallpunkt nur 10-20cm, dann folgt der oben beschriebene "überzogene Flugzustand". Ob diese Abstiegshilfe in turbulenter Luft länger sauber gehalten werden kann, wage ich daher zu bezweifeln. Nach Kontakt mit Hannes Papesh soll dieser Punkt im Handbuch bzgl. des Arbeitsweges der B-Leinen wohl auch überarbeitet werden.

Fullstall: Der Stall selbst ist unproblematisch, das Segel liegt verhältnismaeßig ruhig. Hier zeigt sich die "Stallwilligkeit" gegenüber meinem vorherigen 1-2er, der sich durch seinen Drang zum Öffnen und Weiterfliegen kaum im Stall bändigen ließ. Auch die Ausleitung ist - beachtet man die günstigen und ungünstigen Phasen zum Ausleiten - bis auf einen Punkt problemlos, ein Abfangen nach dem Fahrtaufnehmen ist natürlich möglich aber keineswegs nötig. Leider hatte ich aber nach dem Ausleiten bei jedem Fullstall einen kleinen Verhänger der äußeren 4-6 Zellen, der sich durch Anbremsen auch nicht wieder lösen ließ. Dank der farblich abgesetzten Stabiloleinen bekommt man aber auch dieses Problem leicht in den Griff. Worauf diese Verhänger zurückzuführen sind vermag ich nicht zu deuten, evtl. war die Ausleitung jeweils minimal asymmetrisch.

Negative: Negative nach 90° Abdrehen beendete ich stets durch Lösen der Bremse, der Schirm kehrte sofort und ohne Vorschiessen in den Normalflug zurück. Ein Trudeln über 360° leitete ich durch den Fullstall aus, erwartungsgemäß kippte der Schirm nur sanft ab und verhielt sich wie unter Fullstall beschrieben.

Zusammenfassung und Beurteilung: Meines Erachtens handelt es sich beim Nova Axon um einen für den fortgeschrittenen und aktiv fliegenden Piloten beherrschbaren 2er ohne größere Schattenseiten. Wie auch der DHV-Test zeigt liegt das Gerät mit allen bis auf ein Kriterium im 1er und 1-2er Bereich (in so fern sind schon deshalb nicht alle 2er gleich!). Meinen
persönlichen Eindruck konnten bislang einige Fluglehrer bestätigen, die sogar mit dem Axon schulen. Abstriche bei den Schnellabstiegen müssen ganz klar beim B-Stall gemacht werden, hier sollte sich der Pilot gut mit seinem neuen Gerät vertraut machen.
 

Technische Daten, Farben und Preise gibt's bei NOVA, ebenso das Handbuch und den Leinenplan per download.

Martin

 


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