Geräteerfahrungen: Swing Arcus & Apco Sierra

von Wolfgang Jauch

Da sich kurz vor Ostern eine gute Wetterlage ankündigte, habe ich kurzfristig Urlaub genommen, mit Ratko von Airsport 2000 in Bach telefoniert und mir die beiden 1-2er APCO SIERRA 30 und SWING ARCUS M zum probefliegen reserviert. Die Eindrücke, die ich von diesen beiden Schirmen bekommen habe, möchte ich mal versuchen rüberzubringen. Ich muß allerdings vorwegschicken, daß ich bisher fast nur mit meinem Firebird Marlin geflogen bin und deswegen wenige Vergleichsmöglichkeiten habe.

Bei beiden Schrimen liege ich mit meinem Startgewicht von 95 kg mitten im Gewichtsbereich. Beide Flüge fanden unter ähnlichen Bedingungen statt: mäßig starke, teils turbulente Thermik mit Basis zwischen 2700 und 3100 m NN, die Flugdauer betrug jeweils ungefähr 2 Stunden und ich konnte Strecken von 20 bzw. 30 km zurücklegen.

Handling: Hier konnte ich keine großen Unterschiede feststellen. Im Vergleich zu meinem Marlin sind sie jedoch beide nicht so direkt in der Steuerung. Beide lassen sich jedoch sehr flach und eng drehen. Beim "Wing Overn" zeigte sich der ARCUS agiler. Die Steuerdrücke sind jeweils gütesiegelkonform recht hoch.

Swing ArcusKlapper: Aufgrund der turbulenten Bedingungen mußte ich keine Klapper simulieren sondern habe sie jeweils frei Haus geliefert bekommen. Beim ARCUS war der vom Gefühl her mindestens halbseitige Klapper schneller wieder draußen als ich irgendwie reagieren konnte, kein Wegdrehen. Beim SIERRA verhielt sich das schon anders, auf einen kleinflächigen Klapper folgten 3 kleinflächige Gegenklapper bis sich das Ding wieder beruhigt hatte. Ich muß allerdings relativierend dazusagen, daß mit diesem kleinen Thermikmonster, in dem die Klapper passierten, andere Piloten noch unangenehmere Erfahrungen gemacht haben. Beim "Wing Overn" mit dem SIERRA hatte ich dann noch einen halbseitigen Klapper in einer Linkskurve auf der Außenseite, die Kappe drehte dann markant nach rechts weg bis sie nach ca. 90° wieder geöffnet hat. Des Weiteren winkt der SIERRA öfter mal mit dem Außenohr.

Geschwindigkeit: Beide Schirme sind ja vom DHV als sehr schnell gemessen worden. Ich habe das versucht mit meinem GPS mit und gegen den Wind nachzuvollziehen. Zahlen kann ich nicht nennen, ich müßte mich jedoch sehr täuschen wenn der ARCUS beschleunigt diese Werte erreichen würde. Der SIERRA war im Trimm tatsächlich sehr schnell. Beschleunigen konnte ich ihn leider nicht, da ich das Speedsystem falsch eingestellt hatte.

Leistung: Hier traue ich mir keine Aussagen zu.

Apco SierraAufbau: Beide Schirme besitzen eine Stabilobremse, wobei die vom SIERRA noch komplexer ist. Hier ist die Verbindungsleine über eine Umlenkung separat zum Bremsgriff geführt, während beim ARCUS nur die Stabiloleine mit der Bremsleine verbunden ist. Während der Flüge konnte ich nichts außergewöhnliches feststellen, das auf die Stabilobremsen zurückzuführen gewesen wäre. Beim "normalen" Flug schienen sie gar nicht zu greifen.

Sehr seltsam mutet das Beschleunigungssystem des SIERRA an. An diesem ist eine lange Schnur angebracht, an die die Beschleunigungsstange angebracht werden soll. Das bedeutet, daß man vor jedem Flug die Schnur durch die Umlenkrollen des Grutzeuges fädeln muß um dann die Stange anzubringen, nachher muß man dann alles wieder auseinanderbauen um den Schirm vom Gurtzeug trennen zu können. Wie man auf so eine Konstruktion kommt, weiß ich auch nicht, vielleicht habe ich da aber auch was falsch verstanden.

Flugbild: Beim Blick nach oben fiel beim ARCUS sofort das starke "in sich Arbeiten" auf. Das hinterließ bei mir ein ungutes Gefühl, und daß das Ganze leistungssteigernd ist, kann ich mir auch nicht vorstellen. Der SIERRA lag wesentlich ruhiger in der Luft, aber auch der hatte Macken. Mein Probe-SIERRA schien ungenau verarbeitet zu sein, auf der linken Segelunterseite war eine deutliche Falte zu sehen, während die rechte Seite glatt war. Zudem schlabberte die Eintrittskannte der mittleren Zelle rum, als wenn sie das Ganze nichts anginge. Auch starkes Anbremsen konnte das nicht beseitigen.

Fazit: Beim nochmaligen Durchlesen des Berichtes ist mir aufgefallen, daß er sich sehr negativ anhöhrt - so schlimm war's nicht. Man sollte ihn nicht so lesen, wie einen Test in einschlägigen Zeitschriften, sondern Ihr solltet ihn eher schwäbisch interpretieren - "nix gsagt isch globt"
Alles in allem haben die Flüge mit beiden Schirmen viel Spaß gemacht, wobei ich mich unter dem ARCUS wohler gefühlt habe. Der SIERRA scheint - wie es das Gütesiegelprotokoll bestätigt - eher für fortgeschrittenen Piloten gebaut zu sein. Der erwartete "Aha-Effekt" nachdem ich bisher nur den veralteten Marlin geflogen bin blieb nach den beiden Flügen jedoch aus.

 


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