Geräteerfahrungen: Swing Arcus S
Ich habe den kleinen Arcus, der laut Konstrukteur anders fliegt als der von Wolfgang getestete M, am Donnerstag 29.4.99 an der Ochsenalpe/Iseler bei mit Leethermik durchsetzten mäßig anspruchsvollen Soaringbedingungen ausprobiert. Ein Kollege musste mit der Rettung in den Wald. Das maximale Steigen während des 2,5h Fluges betrug 3,5m/s, mein Abfluggewicht war 80 Kg.
Optisch macht der Schirm am Boden einen tadellosen Eindruck. Das Tuch ist recht geschmeidig und nicht sehr rutschig. Über die Qualität kann ich nichts sagen. Leinensortieren geht problemlos, jede Ebene ist andersfarbig. Der Start ist einfach, wenn man nur die inneren A-Gurte benutzt und der Schirm lässt sich recht langsam aufziehen. Die Abhebegeschwindigkeit war normal, allerdings hatte ich bei meinen 3 Starts immer das Gefühl, der Schirm nimmt nach dem Abheben unter verstärktem Sinken kräftig Fahrt auf. Ein flacher Startplatz mit Bäumen davor ist nicht sein bevorzugtes Revier.
Im Flug steht die Kappe sauber über dem Piloten. Die Spannung ist im hinteren Flügelbereich relativ gering, wodurch die Austrittskante zwischen den Bremsleinen aufgewurstet ist und sich nicht gerade wie eine Klappe auf und ab bewegt. Zweiter Effekt ist ein vergleichsweise deutliches Arbeiten der Kappe in sich. Laut Konstrukteur ist das aber nicht besonders leistungsmindernd, weil im wichtigen Vorderflügelbereich die Kappe gut gespannt ist. Der Vorteil sei eben geringere Dynamik und damit bessere DHV-Einstufung. Klingt logisch.
Der Flügel fühlt sich in der Luft sofort sehr gut an, gibt gutes Feedback über die Reaktionen der Kappe, ohne dabei kippelig zu sein. Die Rolldämpfung ist mäßig, ich musste schon überflüssigem Geschaukel entgegenarbeiten. Die Steuerkräfte sind auf den ersten 15 cm recht angenehm, und das reicht bei unterstützendem Gewichtseinsatz für erstaunliche Wendigkeit. Später steigen sie allerdings plötzlich kräftig an und sind für mich für den Dauerflug eindeutig zu hoch. Das heisst, auch bei engem Kreisen in der Thermik ist das Handling gut, aber ich kann die Geschwindigkeit nicht nennenswert unter die Trimmgeschwindigkeit drücken. Das geringste Sinken ist also nicht über längere Zeit komfortabel haltbar, allerdings auch nicht nennenswert unter dem Sinken bei Trimmspeed. Abreissen setzt für mich Hänfling Bodybuilding voraus. Dies ist offensichtlich eine recht moderne Steuerwegscharakteristik und habe ich schon von mehreren Schirmen gehört.
Die Nickdämpfung ist hoch, Aufschaukeln war schwer möglich. Der Schirm muß bei
Turbulenzen kaum durch Bremseneinsatz am Vorschiessen gehindert werden. Die
Kappenstabilität ist phänomenal. Durch runterziehen eines A-Gurtes
konnte ich keinen echten Klapper simulieren. Die Kappe rollt sich nur etwas ein, entleert
kaum und der Schirm fliegt geradeaus weiter. Größere Klapper durch Herunterziehen des A
und B-Gurtes scheiterten an meiner mangelnden Kraft.
Dieses durch und durch harmlose Verhalten spiegelt sich wider erwarten nicht in der Wendigkeit oder der Dynamik beim Wingover wieder. Ich konnte in der nicht ruhigen Luft deutlich höhere Wingover fliegen, als mit meinem Aspect S. Entlasten am höchsten Punkt mit Einrollen der kurvenäusseren Eintrittskante war völlig unkritisch.
Der Schirm geht willig und schnell ums Eck und schnell in die Spirale. Aufgrund der geringen Höhe habe ich allerdings nur 3 Umdrehungen geschafft. Die Steigleistung konnte ich über 1,5 h mit einem Xyon und einem Response vergleichen, wobei der Pilot des ersteren gut, des letzteren nicht so besonders flog. Der Xyon war im Schnitt 50 m über mir, der Response 50-100m unter mir. Beschleunigt habe ich nur ca. 70%, weil der Beschleuniger zwar leicht geht, man aber bei dem langen Weg eine Stufe braucht. Die Kappenstabilität ist praktisch unverändert, die Geschwindigkeit laut Bräuniger betrug ca. 43km/h, bei einer Trimmgeschwindigkeit von ca. 33km/h. Rein subjektiv ging das Sinken nicht exorbitant in den Keller. Beim Gleiten im Trimmspeed scheint mir zwischen meinem Aspect und dem Arcus nicht viel um zu sein. Aufgrund der Bedingungen sind die Leistungsvergleiche allerdings sehr unsicher.
Beim Landen hatte ich wieder den Eindruck, dass sich die Geschwindigkeit nicht besonders gut rausbremsen lässt. Bei Nullwind muss man sicher mit laufen, aber das ist doch eher ein unwichtiges Kriterium.
Alles in allem war es ein äusserst entspannender Flug. Der Flügel macht wirklich viel mehr Spass als ich erwartet hätte und ist sicher in der nahen Auswahl.