One-Flight-Stand: Apco Simba M, 85-105 kg



Der Pilot: Gunther Lawer
Flugerfahrung: 4 Jahre, fliege regelmaessig in wechselnden Fluggebieten
Startgewicht: ca. 100 kg
GewohntesGerät: Apco Bagheera M
Gurtzeug: Woody Valley X-Act

Die Story:

Eigentlich wollte ich am Sonntag den 22.04. nur nach Siegen zu Claus Vischer um ein paar Gurtzeuge und Protektoren anzuschauen. Die Wetterkarten von Samstagabend sahen nicht wirklich nach Fliegen aus und außerdem lauerte der Schreibtisch mit jeder Menge Arbeit auf mich. Sonntagmorgen dann noch ein letzte Blick ins PC-Met nachdem der Blick aus dem Fenster Gutes versprach- verpasste Flugtage kann man sich in diesen Zeiten nun wirklich nicht leisten. Der aktuelle Bericht für Nord-Rhein-Westfalen sagt beste Thermik mit leichtem NO voraus. Also alles zum Fliegen mitnehmen und die bedrohlich schnappenden Stapel auf dem Schreibtisch ignorieren – schließlich will der Panther auch mal wieder Gassi.

Nachdem das Pflichtprogramm in Siegen um 13:00 abgesessen war bot mir Claus noch den Simba zum testen an. Natürlich war ich neugierig auf den Nachfolger des Bagheera und außerdem sah das Wolkenbild inzwischen richtig prima aus. Also auf nach Bad Laaspe zum Entenberg, einem 200 m-Buckel mit der angesagten NO-Ausrichtung. Gab’s noch was anders zu tun heute? - kann gar nicht sein...

Der Schirm:

Wer den Bagheera kennt kann diesen Abschnitt getrost überspringen. In Sachen Verarbeitung, Material und Grundkonstruktion gibt es eigentlich nichts Neues. Die Streckung wurde minimal auf 6,0 erhöht und die Fläche verkleinert.

Das Tuch ist das von Apco gewohnte, robust wirkende, silikonbeschichtete Nylon. Nach zwei Jahren Bagheera bin ich mit dem Tuch sehr zufrieden.

Die Konstruktion der Kappe zeigt die gleichen Details wie beim Vorgänger. Die Hauptzellen sind alle mit Leinen versehen und werden in der vorderen Flügelhälfte durch je zwei V-Rippen zum Obersegel hin in drei Zellen geteilt. An der Hinterkante finden sich noch einmal einfache Rippen, welche die Hauptzellen auf einer geringen Flügeltiefe in zwei Segmente teilen. Durch die Konstruktion bedingt gibt es am Obersegel viele außenliegende Nähte, was in der Praxis beim Bagheera keine Problem verursacht hat.

Die Leinengeometrie ist ebenfalls mit dem Bagheera vergleichbar: 3A, 3B +Stabi, 1C, 2C/D. macht 10 Stammleinen. Das Leinenmaterial scheint das gleiche zu sein und die farbliche Trennung ist auch kein Stück bessern geworden – sieht man mal davon ab, dass jetzt die Stabi-Leine und nicht die innerste B-Leine eine andere Farbe hat.

Ebenfalls Apco-typisch ist das direkte einnähen der Leinen in die Kappe und die nicht ummantelten Dyneema-Leinen in der Galerie. Die Praxis hat auch hier keine Probleme gezeigt. Haben die, an bösartigen Startplätzen gelegentlich auflauernden Bodenanker wieder mal Erfolg gehabt, reißt eher die Naht und damit der Aufhängepunkt an der Kappe als das die Leine aufgibt. Meine früheren Bedenken in diesen Punkten haben sich also als unbegründet erwiesen.

Die Tragegurte sind genauso labberig wie immer und die Beschriftung auf A- und B-Gurt ist auch noch da.

Das Beschleunigersystem wird jetzt wie auch sonst in unseren Breiten üblich am Tragegurt eingehängt. Es dürfte allerdings, wie bei vielen andern Schirmen auch, auf Grunde der Länge des Beschleunigerweges, Problem geben den Beschleuniger voll zu nutzen ohne schon vorher an irgendwelchen Anschlägen oder Rollen am Gurtzeug hängegeblieben zu sein. Probiert das eigentlich irgendjemand mal vorher aus???

Der Flug:

Oben Hui unten Pfui – das ist die knappe und präzise Beschreibungen der Bedingungen die ich am Entenberg vorfand. Die Wolken sahen immer noch toll aus als ich gegen 14:30 am Entenberg auftauchte, aber mehr als gepflegtes Startplatzhocken war nicht drin. Der Wind kam wechselweise aus allen Richtungen was schon nicht motivierte. Zwei Drachenfliegern hatten Segelflugmodelle als mannlose Dummies dabei, aber nicht mal die konnten länger Höhe machen.

Das war natürlich die Zeit für’s schlechte Gewissen. Es nörgelte was von Arbeit und gerechter Strafe.

Um 16:00 nahte dann die Zeit für Verzweiflungstaten um dem Warten ein Ende zu machen und dem schlechten Gewissen das Maul zu stopfen.

Zwei einheimische Piloten nutzten kurze Phasen mit Wind von vorn um zu starten - und nach kurzem Kampf am Boden zu stehen. Na gut, dann mach ich mich also auch mal fertig. Der Beschleuniger wird irgendwo hingehängt, dafür wird keine Zeit sein und den Kram mit Speedsensor und GPS können wir uns heute wohl auch sparen.

Ah, da kommt ein laues Lüftchen von vorn, na dann wollen wir mal einen Vorwärtsstart riskieren.

Hoppla, da isser ja schon! Der Simba kommt zügiger hoch als der Bagheera unter diesen Bedingungen, was ich angenehm finde. Mehr kann ich zum Startverhalten nicht sagen, da es ja mein einziger Start war.

Rechts vom Startplatz blubbert es ein wenig aus einer sonnenbeschienenen Mulde, da beiß ich mich erst mal fest. Aufsoaren mit engen Achtern und steilen Kurven in der nicht gerade üppigen Thermik geht wie vom Bagheera gewohnt. Das macht Spaß und bringt Höhe, denn der Schirm taucht in den engen Kurven nicht weg und setzt Fahrt auch wieder in Höhe um. Voller Körpereinsatz ist dabei allerdings gefragt. Die Steuerwege für die engen Kurven sind ebenfalls vergleichbar, wobei der Gesamtweg bis zum Abriss, rechnet man den Leerweg mal raus, beim Simba etwas kürzer sein dürfte.

Insgesamt hat der Simba vielleicht etwas weniger Biss als der Bagheera, aber es ist doch klar, dass die beiden Großkatzen aus der gleichen Zucht kommen.

Über Gratniveau kann ich dann Eindrehen und der Bart hält auch die nächsten 1000m mit 2-4 m/s durch. Aufdrehen ist ebenfalls dem Bagheera sehr ähnlich. Das Zentrieren geht recht einfach. Der Schirm zeigt einem wo’s hochgeht. Es gibt kein unangenehmes Hebeln oder Aufrichten und Korrekturen durch Gewichtsverlagerung werden gut angenommen. Die Steuerkräfte bleiben im angenehmen Bereich.

Insgesamt ist die Menge des Feedbacks der Kappe ebenfalls mit dem Bagheera vergleichbar. Unklarheiten über das, was da um einen herum los ist, gibt es nicht. Aber die Rückmeldungen kommen etwas weicher, was den Piloten entgegenkommen dürfte, denen der Bagheera zu kipplig war. Der Simba ist insgesamt weicher aufgehängt und das hat einen weiteren Vorteil. Beim Bagheera wusste man zwar immer was los ist und worauf man vorbereitet sein sollte, aber wenn’s dann mal klappte konnte das recht spontan und ohne große Vorankündigung geschehen. Der Simba wird deutlich weich bevor es zu einer echten Störung kommt und gibt damit dem Piloten mehr Zeit zur Vermeidung oder, wenn’s denn nicht zu vermeiden ist, mehr Zeit die angemessene Reaktion vorzubereiten.

Mit 1000m Startüberhöhung konnte ich dann mal in Ruhe ein paar Kilometer gleiten und auf der andern Talseite nochmal weitere 500m Höhe rauskurbeln. 1500m über den 500m hohen Buckeln den Sauerlandes, YEAAAAH! Das entschädigt für alles, das schlechte Gewissen sieht ein, dass es für heute einpacken kann und stürzt sich aus dem Gurt.

Leistung: Die Leistung ist gut. Mehr kann ich nicht sagen. Messungen konnte ich keine durchführen und andere Piloten zum Vergleich waren nicht in der Luft (richtig, die stehen ja am Landplatz...)

Hier müssen weitere Flüge Aufschluss geben.

Rollverhalten: Der Liebling der Akro-Fraktion wird der Simba genauso wenig wie der Bagheera. Aufschaukeln geht gut, aber nicht berauschend. Insgesamt scheint mir das Rollverhalten aber etwas flüssiger als beim Vorgänger.

Ohren anlegen: Der gleiche Mist wie beim Bagghi. Der Schirm neigt zum Schlagen mit den Ohren. Sorgfältiges dosieren ist hier gefragt. Leicht beschleunigt stabilisiert sich das ganze. Das ist Ok als Abstiegshilfe zur Flucht unter der Wolke, aber wer will schon beschleunigt Top-Landen....

Steilspirale: Spaß pur. Einleitung, Kontrolle der Sinkrate, Ausleitung – alles bestens.

Klapper: Ich habe mich auf Klapper mit 50-60% Eintrittskante und Gegensteuern beschränkt. Die Tendenz zum Wegdrehen ist die gleiche wie beim Bagheera. Das Gegensteuern geht genauso einfach und ohne Gefahr eines Strömungsabrisses. Der Schirm bleibt nach dem Klapper zunächst eingeklappt und öffnet nur langsam. Pumpen hilft. Der Bagghi hat eine wesentlich schnellere Wiederöffnung. Der Schirm ist problemlos geradeaus zu halten. Größeres oder beschleunigtes vielleicht beim nächsten mal.

Landung: Wenn’s denn sein muss.... Alles normal.

Fazit: Der Simba ist klar als Nachfolger des Bagheera zu erkennen und wird allen Katzenfreunden Spaß machen, die den Bagheera mochten. Umstellungsprobleme dürfte es kaum geben.

Der Simba ist ein Schirm für Leute die gern auf Strecke gehen oder Wettkämpfe mit einem Serienklassegerät bestreiten möchten. Diese Zielgruppe bekommt einen Serien-Hochleister mit guter Leistung bei dem der Spaß und die Sicherheit nicht zu kurz kommen.

Ob der Wechsel von der einen zur andern Katze lohnt und wie sich der Simba im Vergleich zur aktuellen Konkurrenz aus dem 2-3er-Lager schlägt ist nur durch Vergleichsflüge unter thermischen Bedingungen zu ermitteln und bleibt abzuwarten

Gunther Lawer
 

Simba M

Hersteller: Apco Aviation Ltd.

Zulassungsinhaber in Deutschland: Apco Aviation Ltd.

Musterzulassungsnummer Deutschland  MZL GS-01-816-01
Klassifizierung / Gurtzeuggruppe  2 / GH
Sitzzahl  1
Trimmsystem  Fußbeschleuniger
Windenschlepp  Ja
Verhalten bei min. Startgewicht (85 kg) Verhalten bei max. Startgewicht (105 kg)
START  1 -- 2  1 -- 2
Füllverhalten  gleichmässig, sofort  gleichmässig, sofort
Aufziehverhalten  kommt sofort über Piloten  kommt sofort über Piloten
Abhebegeschwindigkeit  durchschnittlich  durchschnittlich
Starthandling insgesamt  einfach  durchschnittlich
GERADEAUSFLUG  1 -- 2  1 -- 2
Trimmgeschwindigkeit   36 km/h   36 km/h
Geschwindigkeit beschleunigt     48 km/h
Rolldämpfung  durchschnittlich  durchschnittlich
KURVENHANDLING  2  2
Trudeltendenz  durchschnittlich  durchschnittlich
Steuerweg  durchschnittlich  durchschnittlich
Wendigkeit  durchschnittlich  durchschnittlich
BEIDSEITIGES ÜBERZIEHEN  2  2
Sackfluggrenze   durchschnittlich 60 cm - 75 cm  durchschnittlich 60 cm - 75 cm
Fullstallgrenze   durchschnittlich 65 cm - 80 cm   durchschnittlich 65 cm - 80 cm 
Bremskraftanstieg  durchschnittlich  durchschnittlich
FRONTALES EINKLAPPEN  1 -- 2  1 -- 2
Vorbeschleunigung  gering  gering
Öffnungsverhalten  selbständig schnell  selbständig schnell
FRONTALES EINKLAPPEN (BESCHLEUNIGT)  -  2
Vorbeschleunigung  -  gering
Öffnungsverhalten  -  selbständig schnell 
EINSEITIGES EINKLAPPEN  1 -- 2  1 -- 2
Wegdrehen   < 90 Grad  90 - 180 Grad
Drehgeschwindigkeit  durchschnittlich mit Verlangsamung  gering mit Verlangsamung
Höhenverlust  durchschnittlich  gering
Stabilisierung  selbständig  selbständig
Öffnungsverhalten  selbständig schnell  selbständig schnell
EINSEITIGES EINKLAPPEN (BESCHLEUNIGT)  -  2
Wegdrehen   -  90 - 180 Grad
Drehgeschwindigkeit  -  durchschnittlich mit Verlangsamung
Höhenverlust  -  durchschnittlich
Stabilisierung  -  selbständig
Öffnungsverhalten  -  selbständig schnell 
EINSEITIGES EINKLAPPEN UND GEGENSTEUERN  1 -- 2  1 -- 2
Stabilisieren  einfaches Gegenbremsen  einfaches Gegenbremsen
Steuerweg  durchschnittlich  hoch
Steuerkraftanstieg  durchschnittlich  hoch
Gegendrehen  einfach, keine Tendenz zum Strömungsabriss  einfach, keine Tendenz zum Strömungsabriss
Öffnungsverhalten  selbständig schnell   selbständig schnell 
FULLSTALL (symmetrische Ausleitung)  2  2
FULLSTALL (asymmetrische Ausleitung)  2  2
TRUDELN AUS TRIMMGESCHWINDIGKEIT  2  1 -- 2
TRUDELN AUS STATIONÄREM KURVENFLUG  1 -- 2  1 -- 2
STEILSPIRALE  1 -- 2  2
Einleitung   durchschnittlich  durchschnittlich
Trudeltendenz  durchschnittlich  durchschnittlich
Ausleitung  Nachdrehen 180 - 360 Grad  selbständig
B-LEINEN-STALL  1 -- 2  1
Einleitung  einfach  einfach
Ausleitung  selbständig  selbständig
LANDUNG  1 -- 2  1 -- 2
Landeverhalten  durchschnittlich  durchschnittlich
ERGÄNZUNGEN ZUR FLUGSICHERHEIT    


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