oder mit einem heißen Kätzchen durch watteweiche Wolkenkissen
Fast genau zwei Jahre nachdem ich den Bagheera S geflogen bin, bekam ich vom neuen Apco-Importeur Richy Roth die Gelegenheit den Nachfolger Simba S genauer unter die Lupe zu nehmen.
Die neue Konstruktion von Anatoly Cohn’s Truppe soll nach eigenen Angaben nicht nur in der Serial Class den Konkurrenten das Fürchten lehren sondern sogar den Löwen in mir zum Vorschein bringen. Besonders darauf war meine Freundin wirklich gespannt.
Bei den Wetterbedingungen heuer war es ja nicht so leicht einen guten Tag zu erwischen und auch am Sonntag 29.4.2001 war der Wetterbericht von hässlichen Föhnprognosen geprägt. Eigentlich ohne rechten Glauben bin ich nach Süden gefahren und wurde vom guten Wetter kalt erwischt.
So kam ich recht unvorbereitet an der Tegelbergrampe an und konnte den neuen Schirm erst dort zum ersten Mal ausbreiten.
Material und Verarbeitung
Sofort ist mir das Tuch aufgefallen, das einen sehr guten, kompakten Eindruck macht. Durch die Silikonbeschichtung erinnert es fast ein bisschen an Omas Wachstischtuch und die 3 Jahre Porösitätsgarantie nimmt man ihm fraglos ab.
Die Kappe ist wie beim Bagheera sehr aufwändig geschnitten und durch eine Unmenge von V-Rippen, Bändern etc. ergibt das am Obersegel eine Abspannweite von nur etwa 10 cm. Wo bei so einem kleinen Schirm 7kg Gewicht herkommen wird hier sofort klar.
Die V-Rippen verlaufen über etwa die Hälfte der Flächentiefe, im hinteren Viertel gibt’s dann stattdessen Fingerrippen. Die Verarbeitung ist selbstverständlich tadellos, wenn man sich nicht daran stört, dass viele Nähte am vorderen Obersegel außen liegen. Da ich aber noch nie gehört habe, dass ein Schirm wegen abgenutzter Nähte ausgemustert werden musste, halte ich das auch nicht für einen wichtigen Punkt.
Professionell finde ich hier, dass der weisse Faden gut auf dem roten Tuch zu kontrollieren ist.
Die Galerieleinen sind wie bei Apco wohl üblich direkt in die Kappe genäht und nachdem ich nach anfänglichen Diskussionen beim Bagheera nie wieder was darüber gehört habe, hatte wohl auch niemand damit Probleme. Die restlichen Leinen sind so lala farblich getrennt und neigen leider etwas zum Verhängen. Ich glaube mich erinnern zu können, dass das beim Bagheera besser war.
Pro Seite 10 Stammleinen treffen sich an den unangenehm schlabberigen Tragegurten, deren deutliche und farblich getrennte Beschriftung des A und B Gurtes mir hingegen sehr gut gefallen hat. Die teilweise die Hinterkante raffenden Bremsen sind mit Magnetknöpfen fixiert und mit einem sehr weichen Steg versehen. Dies passt eindeutig für Durchgreifer viel besser als für Klammergreifer. Die Bremsleinenrollen sind aus Metall und die diesbezüglichen Freaks wird’s freuen. Mich hätte es mehr gefreut wenn sie beim Steuern nicht so ruckeln würden. Vielleicht würde aber hier schon etwas Hirnschmalz, oder wenn dieses knapp ist simples Öl helfen.
Start
Vor dem Start hatte ich nach den Bagheeraerfahrungen
schon etwas Bammel. Die Tegelbergrampe bei
Seitenwind
ist nicht gerade mein Traumrevier für einen neuen Lappen aber Gott
sei Dank gab’s genug Wind zum Rückwärtsstart, der völlig
problemlos verlief. Später hatte ich dann noch mal einen Startabbruch
wegen Verhänger und anschließend einen Fehlstart aus Dummheit
bis ich mich entschließen konnte bei Nullwind doch vorwärts
rauszugehen. Das Verhalten war hier überraschend super, neutral und
ich möchte sagen fast anfängergeeignet. Eine deutliche Verbesserung
zum Bagheera und das erste Plus war im Kasten.
Flug und Feeling
Ausgewogen, gemäßigt, angenehm waren meine ersten Gedanken nach dem Takeoff. Die Kappenreaktionen kommen deutlich an, ohne dass sich der Schirm so kippelig anfühlt wie sein Vorgänger. Die Thermikseite ist einfach zu erkennen und der Schirm nimmt Steigen gut an.
Bei guter Wendigkeit sind die Steuerkräfte auf den benutzten ersten 20 cm Weg mäßig bis normal, steigen dann aber schnell und kräftig an. Dadurch fühlt sich die Bremse kurz und knackig an. Wüste Rumwedler in der Luft werden hier kein rechtes Betätigungsfeld finden. Runtergewürgtes Rumstehen in der Thermik ist auch nicht die Stärke des Simba, außer es ist die Stärke des Piloten.
Ohne längere Erfahrung hatte ich leider keine rechte Vorstellung, wie weit man ziehen darf ohne abzureißen weil der Bremskraftanstieg für mich irgendwie wenig Charakter zeigte. Laut DHV Test ist der Weg jedoch ziemlich lang.
Mit tadelloser Reaktion auf Gewichtsverlagerung lässt sich der Schirm schön kontrolliert in der Thermik bewegen und macht ohne Mucken was der Pilot will. Muss man ihn mal eng um’s Eck drücken gehorcht er auch hier klaglos und ohne Tendenz abzutauchen. Insgesamt verhält er sich beim Kurbeln ohne Zicken, angenehm und einfach ausgewogen.
Angebliches Aushebeln in der Thermik konnte ich nicht beobachten, hatte allerdings nur maximal 3m/s Steigen.
Im Vergleich zum Bagheera schnitt letzterer im Handling etwas besser ab, fühlte sich allerdings auch nervöser an. Den kürzlich von mir geflogenen Carbon S hingegen sticht er hier meiner Meinung nach eindeutig aus.
Bei dieser Beurteilung ist erstens zu bedenken, dass ich mit einem Startgewicht von 82 Kg bei weitem nicht an der vom Hersteller empfohlenen Gewichtsgrenze von 90 Kg lag und das Handling sich dort noch einmal verbessern soll (Mein Wasser hatte ich gelassen, nämlich zu Hause). Zweitens bin ich persönlich ein Freund von sehr leichtgängigem Handling und damit beileibe nicht das Maß der Dinge.
Der Blick nach oben zeigt eine pralle, sehr schnittige, gestreckte Kappe. Eine Streckung von 5,8/4,5 verdeutlicht wie beim Vorgänger schon optisch wo es lang geht. In sich arbeiten gibt’s nicht und der hohe Innendruck lässt eingeklappte Ohren schnell und selbständig wieder rausploppen.
Apropos Ohren: Mit je einer der drei A-Leinen lassen sich mäßig große Ohren anlegen, die etwas zum Schlagen neigen. Halb beschleunigt hat sich diese Tendenz aber wieder verloren.
Der doppelt umgelenkte Beschleuniger geht mittelschwer zu treten und hat einen ellenlangen Weg. Mit gestreckten Fußspitzen konnte ich gerade mal gut 50% beschleunigen und den schon damit verbundenen Geschwindigkeitszuwachs bewundern (mit den Augen, nicht mit den Fußspitzen). Ohne Messungen scheint mir das die wahre Stärke des Simba S zu sein und auch der Punkt, wo er sich kristallklar von 1-2 ern unterscheidet.
Die Tränen könnten mir kommen wenn ich bedenke, wie viele verbockte Strecken ich mit so einem Gleiten noch gegen den Wind nach Hause gebracht hätte. Hier im beschleunigten Flug liegt denke ich die wahre Leistung eines solchen Geräts was man natürlich von einem Hochleister auch nicht anders erwarten darf.
Die darüber hinaus auch hervorragende Steigleistung zeigt sich an der Tatsache, dass ich mich 30min mutterseelenalleine in schwachen Soaringbedingungen halten konnte bis wieder Thermik kam, während alle anderen Schirme wie auch Drachen abgesoffen waren.
Da mag natürlich auch Glück dabei gewesen sein, ein gutes Zeichen ist es allemal und eine Eigenschaft die trotz dem üblichen schnellen Geheize gelegentlich die Entscheidung um Heimtrampen oder Heimfliegen birgt.
Klipp Klapp
Was mich besonders interessierte war natürlich
die Reaktion auf Kappenstörungen. Frei Haus gab’s in der teils turbulenten
Luft schon ein paar Entlaster, die rechtzeitig gemeldet wurden und keine
Probleme machten, sowie einen kleineren Klapper. Auch der bereitete kein
Unbehagen, wenngleich ich im Vergleich zu den normalerweise von mir geflogenen
1-2 ern allerdings hier keinen solchen erwartet hätte.
Mit etwas Herzklopfen zog ich später mal einen
A-Gurt runter und wartete was passiert.
Der Simba öffnet schnell und schießt ohne Gegenbremsen. Dies war deutlich dynamischer als z.B. beim Carbon. Das Wegdrehen hielt sich in Grenzen und überraschte mich nicht. Mit Gegenbremsen waren Klapper von 70% Eintrittskante gut zu beherrschen, mehr habe ich mich über den spitzen Türmen von Neuschwanstein nicht getraut.
Insgesamt hatte ich den subjektiven Eindruck dass sich der Schirm bei großen Störungen recht dynamisch verhalten könnte und wohl schon einen Piloten braucht, der weiß was er da tut. Das Gefühl hatte ich beim Bagheera damals auch schon.
Spiralen war total easy und eine echte Freude. Zum ersten mal hatte ich einen Schirm an der Kandare, bei dem man kaum den Außenflügel stützen muss. Bei 14,5 m/s ließ ich es gut sein und nahm einfach die Hände hoch worauf ich nach 2 Umdrehungen mit wirklich leichtem Nachbremsen sanft draußen war. Prädikat Anfängertauglich.
Nach ein paar lockeren Wingovern die sich vielversprechend anließen hatte ich eine sanfte Landung, was letztendlich doch immer noch das Wichtigste am ganzen Flug ist.
Resumee
Über die Leistung speziell im beschleunigten Flug erübrigt sich jede Diskussion. Soweit ich das beurteilen kann ist die Tüte hier über jeden Zweifel erhaben.
Ein optisch ungemein schnittiges Gerät für versierte Piloten, das im Handling bei meiner Flächenbelastung allerdings seinen Vorgänger nicht toppen kann.
Für mich persönlich als schissiger Arcuspilot wäre der Klassensprung nach oben sicherlich zu groß, aber erfahrenere Piloten wird der Schirm kaum kalt lassen können.
Trotz DHV 2 ist er auch nach Herstellerdefinition einfach ein Hochleister, was man im täglichen Leben aber nur an der Leistung merkt.
Gesamturteil: Streckenhelden zugreifen, wenngleich bei mir nach 3h auf dem Motorrad und 2h in der Luft nur der Löwengeruch unter den Achseln geweckt war.