Jahrgang: von den wilden '68ern
Wettbewerbe:
2. Rang Ladies Challenge 1996
2. Rang Damen Deutsche Streckenflugmeisterschaft
1996
1. Rang Damen Bavarian Open 1998
3. Rang Team Weltmeisterschaft 1999
3. Rang Damen South African Nationals
2000
1. Rang Damen Pre-PWC Osttirol Open
2000
1. Rang Damen Staufen Cup 2000
1. Rang Damen Pre-PWC Lechtal Open
2000
2. Rang Damen German Open 2000
2. Rang Team Europameisterschaft 2000
Deutsche Meisterin im Gleitschirmfliegen
2000.
1. Rang Damen All Afrikan Open 2001
Beruf:
Staatlich anerkannte Wirtschaftskorrespondentin in Englisch/Französisch
Mein Brötchengeber bei dem ich 38,5h pro Woche als Instituts-Internet-Administrator
und Sekretärin von Prof. Robert Sausen und der Abteilung Dynamik der
Atmosphäre arbeite ist das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt
e.V., Institut für Physik der Atmosphäre
Hobbys:
Gern & oft: Gleitschirm fliegen, Langlaufen (Skaten), Skifahren,
Mountainbiken, ...
Seltener: Aquarelle malen, Klavier, Flöte und Gitarre spielen,
Briefmarken sammeln, Bonsai, Schach spielen, Christian besiegen, ...
Wie ich zum Fliegen kam?
Frühjahr 1992: Eigentlich verdanke ich das Gleitschirm fliegen
meinem Vater, er wollte schon immer fliegen. Als wir mit dem Fernseher
ans Kabelnetz angeschlossen wurden hat er des öfteren Gleitschirme
im Fernsehen gesehen und war begeistert. Dann kam der Tag als in unserem
Wochenblatt ein Gleitschirm zum Verkauf stand, er rief sofort an. Der Pilot,
der ihm den Schirm verkaufen wollte, machte einen Termin in Bolsterlang
im Allgäu zum Anschauen des Schirms aus. Meine Eltern und ich fuhren
am darauffolgenden Samstag hin. Dort sahen wir ein paar Piloten fliegen
und einen laut gestikulierenden Mann (Fluglehrer) unten am Landeplatz.
Als der Verkäufer des Gleitschirms feststellte, daß wir keinen
Schein hatten, meinte er, wir sollen doch zuerst einmal eine Schulung machen.
Wir sahen dem bunten Treiben am Landeplatz zu und wunderten uns wie alle
Menschen wahrscheinlich, wie man das mit dieser Unmenge Leinen geregelt
bekommt. Ich war skeptisch, ob ich das auch könnte. Der Fluglehrer
erklärte meinem Vater, wann, wie usw. eine Schulung stattfindet und
meinte „und das Töchterchen macht auch mit? Bist scho 16?“ Das war
ich schon und so fing das ganze an. Da ich immer jeden Blödsinn mitmache
meldeten
wir uns gleich zur nächsten Schulung an und buchten gleich den Kombipack
L- mit anschließendem A-Schein. Ich dachte mir, den Schein kann ich
ja machen, was man hat, hat man, ob ich weiter machen werde, weiß
ich noch nicht. Am 15. Juli 1992 begann unsere Schulung in Hinang/Allgäu.
Von der ersten Schulungsstunde an, war das Gleitschirm fliegen „mein“ Ding.
Ich war begeistert. Bei dieser Schulung lernte ich Christian Blum kennen,
der dort als Assistent ab und an vorbei schaute. Von da an waren mein Vater
und ich bei jedem erdenklich guten Wetter im Allgäu, schrubbten unsere
Flüge und testeten verschiedene Gleitschirme. Mein Vater kaufte sich
einen Apache und ich einen EQ Sport. Am 26. September legten wir unsere
Praxisprüfung ab. Danach war es mit dem guten Wetter vorbei, nicht
ein Flugtag war in diesem Jahr mehr möglich und vom Thermik fliegen
hatten wir noch nicht die geringste Ahnung.
Umzug nach München
Jetzt galt es erst einmal die verschiedensten Fluggebiete zu erkunden.
Ende 1992 endete auch meine damalige Beziehung, ich wollte erst einmal
raus und weg. So kamen Christian und ich uns näher, ich zog Ende 1993
von Reute bei Bad Waldsee (BaWü) nach Weßling bei München
in die WG von Christian Blum und Stefan Riedl. Von da an drehte sich alles
ums Fliegen. Mit Christian bin ich zu seinen Liga-Durchgängen mitgegangen
und lernte dabei, dass Ligapiloten auch nur Menschen sind wie Du und ich.
Alleine schon vom Zuhören habe ich sehr viel lernen können. Ende
1993 wechselte ich auf den Inferno 7.7. Juli 1994 machte ich dann meinen
B-Schein (Licence to fly away). Da Christian, Stefan und Jörg Buchert
des öfteren auf Strecke gingen und ich alleine zurückblieb, war
der Anreiz auch weg zu fliegen schon sehr groß. So ging es dann 1995
los mit kleinen Ausflügen weg vom Startberg mit diversen Außenlandungen,
da der Inferno eine "horrende" Gleitleistung und Geschwindigkeit hatte.
Oktober 1995 kaufte ich mir dann den Omega 3, da mir mein Inferno in Andalusien,
Spanien zu langsam erschien. Würde ich noch Vorwärtsfahrt haben?
Geschwindigkeit = Sicherheit.
Strecke:
Schließlich gelangen 1996 nach dem Kauf eines Varios mit Barographen
die ersten richtigen Strecken für den Streckenflugpokal. Zuerst vom
Wallberg nach Kössen, dann nach Erpfendorf und dann das „Trudel“-Dreieck
mit der Höfer Alm in Greifen-burg 76 km (5,5h). Zwar war ich mit 14
km/h recht langsam unterwegs, aber es machte mir riesigen Spaß. Dann
nahm ich an der Junior- und Ladies Challenge teil, statt mich weiter auf
den Streckenflugpokal zu konzentrieren.
Der Unfall:
Bevor ich im Frühjahr '97 mein erstes Ligajahr bestreiten konnte
hatte ich einen schweren Unfall. Eigentlich ist nicht viel passiert,
doch es war beinahe aus mit mir. Diagnose „Hangman fracture“, zu dt. Genickbruch.
Nicht mit meinem geliebten Omega ist mir das passiert, sondern mit einem
Prototypen. Und das mir, wo ich immer gesagt habe „nur Gütesiegelgeräte“.
Natürlich gleich beim Erstflug, der liebe Gott hat wohl gemeint, ich
brauche einen Denkzettel. Alle meine Prinzipien habe ich verletzt. Zwar
hatte ich das Gerät zwei Wochenenden lang am Übungshang und erzählte
jedem, dass der Schirm viel zu klein und zu giftig für mich ist und
ich ihn eh nie fliegen werde, trotzdem habe ich an diesem bewußten
Tag, weiß der Teufel was mich da geritten hat, diese Kiste eingepackt.
Wank ... ruppige Frühjahrsthermik - vielleicht etwas föhnig?
... die anderen fliegen am „Schütteleck – habe gleich nach dem Start
massivstes Saufen, irgendwo hier steht ein Hammerbart ich spür es
– schon mal prophylaktisch leicht auf die Bremsen. Doch urplötzlich
sehe ich ohne jede Vorwarnung ein Tuchknäuel direkt vor meinen Augen
nach unten tauchen, nix mehr da. Dann sehe ich rechts drei Zellen sich
öffnen und der Schirm fängt sofort zum drehen, spiralen an. Nix
da zum Gegenbremsen. Ich wußte sofort „den“ bekomme ich nicht mehr.
Habe sofort die Rettung gezogen, besser gesagt, wollte sie ziehen. Sie
geht nicht raus, ich ziehe mit beiden Händen und aller Kraft. Viel
Höhe hatte ich durch das vorhergehende Sinken nicht mehr. Sehe die
Bäume waagrecht in einer wahnsinnigen Geschwindigkeit und meine, frontal
gegen einen Baum mit der Geschwindigkeit ... jetzt bin ich hin... Doch
bis heute weiß ich nicht was danach genau passiert ist, hier habe
ich einen Filmriß. Wahrscheinlich haben der Steilhang und der Protektor
das Schlimmste verhindert, der Halswirbel ist dann durch den Peitscheneffekt
beim Aufprall gebrochen, sonst hat mir „nichts“ gefehlt. Hubschrauber nach
Garmisch, später zur OP nach Murnau ins UKM - nochmal davon gekommen.
Nach eingehender Analyse muß ich feststellen, daß mein
Weg gepflastert war mit Warnschildern, ich diese aber nicht sehen wollte.
Nach Problemen in der Arbeit war ich nervlich in schlechter Verfassung.
Heute würde ich sagen, es ist vergleichbar mit jemandem der auf ein
Hochhaus Dach geht und springt und nichts anderes. Ich habe es herausgefordert,
wollte es wissen.
Doch zu diesem psychischen Zustand kommen noch weitere Umstände
dazu die in der Summe eine böse Verkettung gleichzeitig auftretender
unglücklicher Umstände und Fehler ist, die meinen Flugunfall
erst ausgemacht haben - Prototyp - durch Klett am Splint und DHV-5kg Sicherheitsschnur
doppelt gesicherter und schwer öffenbarer Rettungsschirm, - kein ideales
Wetter - Startentscheidung ... .
Fazit: Ein Fehler allein hat noch nie einen Flugunfall ausgemacht.
Doch in meinem Falle ging „Gott sei Dank“ alles glimpflich für mich
ab, ich hatte viiiel Glück und einen guten Schutzengel.
Ergebnis des Unfalls
Der Unfall hat mir mehr Positives gebracht, als Negatives. Man geht
mit ganz anderen Augen durchs Leben, aber man kann das niemandem erklären.
Jeder muss selber die Erfahrung machen, dass das Leben morgen aus sein
könnte, lernen kann man das nicht. Das ist, wie wenn man einem Strichmännchen
die Dreidimensionalität erklären würde. Wie ein Schwamm
habe ich seither das Leben, die Sonnenstrahlen in mich aufgesaugt. Ab und
an braucht man zwar wieder eine Anregung, doch man lebt viiiiel intensiver
und weiß was man will und was nicht. Z. Bsp. auf welchen Flug man
ruhig verzichten kann. Auf seine „innere Stimme“ zu hören, ich war
auch taub an meinem Unfalltag, sonst wäre ich erst gar nicht gestartet.
Seitdem höre ich auf meine „innere Stimme“ und mache lieber einen
Flug zu wenig, als einen zuviel. Jeder muß die Verantwortung für
sein eigenes Leben übernehmen. Das ist das schöne und positive
am Gleitschirmfliegen mit dem Fliegen bin ich auch selbstbewußter
geworden.
Wieso ich wieder fliege
Da mir
mein Unfall nicht mit meinem eigenen Schirm passiert ist, dessen kleinste
Regung ich kenne, war es für mich viel einfacher wieder mit dem Fliegen
anzufangen als es anderen geht. Wäre mir das mit meinem Schirm passiert,
würde ich heute nicht mehr fliegen. Wahrscheinlich hätte ich
mir gedacht, dass ich zu doof zum Fliegen bin, es nicht beherrsche und
es dadurch zu gefährlich ist. Aber, dadurch, dass ich den Unfall genauestens
analysiert habe, konnte ich wieder fliegen. Über vier Monate später
an der Ochsenalpe, Hindelang machte „Anja Nr. 2“ ihren Erstflug, einfach
ein Versuch, es war ein ruhiger Abend-Soaringflug. Ich sagte zu Christian,
ich fliege nur runter. Doch dann packte es mich doch und ich dachte mir,
warum eigentlich nicht und flog links an den Hang. Die ersten 5 Minuten
waren unangenehm, ich meinte jeden Moment den Schirm wieder so zerknüllt
vor mir sehen zu müssen, wie bei meinem Absturz doch es war ruhig
und ich brüllte zu meinem Babe (Omega 3) hoch „Mensch, gib mir das
Vertrauen wieder“. Es wurde der schönste Flug, den ich je an der Ochsenalpe
hatte. So hoch ging es noch nie und ich sah hinaus ins Flachland und dachte
mir „ und das willst Du aufgeben!!!“ So glücklich, wie nach diesem
Flug war ich selten zuvor. Wenn mir das Fliegen nicht mehr Spaß machen
würde und ich nicht immer wieder super tolle Flüge hätte,
würde ich nicht mehr fliegen.
Liga
Seit Herbst 1997 fliege ich in der deutschen Gleitschirmliga und habe
mein Lehrgeld mit Fotofehlern usw. bezahlt, aber es waren viele wunderschöne
Flüge, die ich heute nicht missen möchte. Es fing mit den Durchgängen
für die Liga Saison '98 im Oktober 1997 (Unfalljahr) in den Dolomiten
an. Meine ersten Ligadurchgänge bin ich ganz locker und flockig geflogen,
es ging mir um nichts, ich flog für mich und zum Spaß. Das Naturerlebnis
in den Dolomiten ist reiner Wahnsinn und dann stand ich auch noch mit Ligaleuten
wie Daniela Anke, Hagen Mühlich auf der gleichen Außenlandewiese,
nur hatte ich im Gegensatz zu ihnen Fotofehler "en masse", wahrscheinlich
hatte ich es zu locker genommen. Bei zwei Durchgängen die falschen
Wenden fotografiert... kein GPS ... aber ich habe ja gelernt, dass es Wichtigeres
im Leben gibt!
Nach dem Omega 3 folgte der 4er, dann im Frühjahr 2000 der APCO
Bagheera. APCO, das heißt Pier und Pepi Gasteiger, der Parashop
Kössen sind meine Sponsoren, welche ich seit Jahren gesucht habe.
Sie unterstützen mich wie sie können. Nach der Zeit davor konnte
ich gar nicht mehr glauben, dass es so etwas überhaupt gibt, aber
mit den Gasteigers macht es mir richtig Spaß gut zu fliegen. Ich
flog für „sie“ ins Ziel, für ihr Sponsoring und machte Werbung.
Ulrike Bäuerlein und ich sind „noch“ die einzigen APCO Piloten in
der deutschen Gleitschirmliga.
Zusammen mit den zwar nicht so hohen Preisgeldern, war dieses Jahr
für mich eines der Erfolgreichsten. Dennoch machte es gerade die Ausgaben
wett (Ligabeitrag 450 DM und Anfahrten mit Übernachtungen).
Die meisten DHV-Mitglieder meinen, dass wir Ligapiloten alles geschenkt bekommen, das ist schlichtweg falsch und muss einmal richtig gestellt werden. Die Schirme kosten Ligapreis OK (+/- 4.000 DM), aber das bekommt heute fast jeder. Dann ist der Gleitschirm eigentlich gleich nach dem Kauf wertlos, da er Nummernbeklebt stundenlang vor dem Start in die Sonne ausgelegt und aufs extremste belastet wird und jeder weiß wie der Gebrauchtmarkt heute aussieht. Darüber hinaus kann man es sich fast nicht leisten mehrere Jahre mit ein und demselben Gerät zu fliegen. Anders wie im Tennis und Fußball müssen die deutschen Ligapiloten viel Freizeit und Geld opfern um überhaupt mitfliegen zu können. Eigentlich ist in Deutschland jeder Nicht-Firmen-Pilot der Liga ein Idealist (und das sind immerhin 98%).
Das Milleniumsjahr
2000 war für mich ein Jahr voller Highlights. Was vor diesem Jahr
für mich undenkbar war schaffte ich. So den 102 km Ligadurchgang rund
um die Kreuzeckgruppe von Greifenburg aus. Darüber hinaus bin ich
endlich einmal vom Lienzer Zettersfeld über das Tal zum Hochsteinhaus
gequert nach Sillian und vieles mehr wie Erstflug in Bach im Lechtal. Dann
bei der EM Flüge an meinem Unfallberg dem Wank, wo ich vor der EM
noch nie weggeflogen bin. Dort habe ich auch den Flug mit dem unbeschreiblichen
Alpenpanorama mit Spitzenklarersicht auf 3.800 m über dem Zugspitzblatt
gemacht. Ohne die Wettbewerbsfliegerei hätte ich das alles nicht erlebt.
Alle Ligadurchgänge 2000 bin ich ins Ziel geflogen, was einer dokumentierten
Kilometerlänge von 570 km entspricht. Mit der Südafrikanischen
Meisterschaft und der All Afrikan Open, sind das heuer 1.130 dokumentierte
Strecken Kilometer! Zwar nicht im Streckenflugpokal, aber ich bin trotzdem
stolz darauf, denn so ein erfolgreiches Jahr hatte ich noch nie.
Man kann gespannt sein was folgen wird. Nach dem Film „Ikarus“ von Toni Bender quer über die Alpen hat es mich wie viele andere wahrscheinlich auch richtig angemacht, das auch einmal zu versuchen. Wer weiß wann das kommen wird.