Album '98
Zum zweiten Mal nach 1997 der Jahresrückblick in der Ente: 1998, ein sicher nicht durchschnittliches Jahr!
Das Wetter: ...war teilweise wirklich zum verrückt werden. Kein
richtiges Frühjahr mit Ausnahme des zweiten Maiwochenendes, kein Sommer mit Ausnahme des
zweiten Augustwochenendes, kein Spätsommer. Häufige Föhnlagen im Wechsel mit Fronten,
der Juni monsunartig, danach brütende Hitze mit brettstabiler Schichtung.
Es kann eigentlich nur besser werden.
Die Geräte: ...fliegen immer besser, zumindestens bei den Schirmen. 1-2er mit fast 50km/h und weniger als 1,2m/s Sinken, Werte von Hochleistern vor wenigen Jahren. Thorsten Hahne zeigt, was möglich ist: 126km FAI in Fiesch auf einem 1-2er.
Der Sport: ...bricht alle Barrieren! Goldregen bei den Deltas durch Corinna und Guido, dazu das Damenteam. Die GS üben noch ein bißchen, Piedrahita war nicht so sahnemäßig. Dafür im Breitensport bei den Deltas Stagnation und neue Dimensionen bei den Schirmen: Unglaubliche Flüge in der Streckenflugmeisterschaft in unglaublichen Zeiten, und dazu alle Flüge des Siegers aus Deutschland gestartet. Der German-Cup bringt es auf eine respektable Anzahl von Wertungsdurchgängen auf hohem Niveau trotz des Wetterpechs, auch die Landesmeisterschaften werden ab und an hin und her verlegt, finden dann aber doch fast alle statt.
Die Sicherheit: ...kann schon zur Resignation veranlassen. Kaum ein
fliegbares Wochenende ohne Hiobsbotschaften, von denen der Tod Reinhold Baders nur eine
war. Trotz Sicherheits- und Performancetrainings, trotz engagierter Diskussion aller
Orten, trotz sicherer leistungsstarker Schirme - unser Sport ist kurz davor, sich auch in
unseren eigenen Köpfen als Risikosport durchzusetzen. Und wenn das geschieht, wenn die
Unfallmeldung im Radio abends bei der Heimfahrt keine Beklommenheit mehr auslöst, dann
ist es zu spät!
Dabei sind die Gründe so vielschichtig, daß Konzepte nicht einfach sind. Überforderung
des Einzelnen in der Gruppe, Überforderung der ganzen Gruppe und gemeinsame Kompensation,
übersteigerte Risikobereitschaft durch zu hohe Ziele und mißverstandene sportliche
Maximen, Unwissenheit, Leichtsinn. Patentrezepte sind unmöglich, es zählt den eigenen
Hof zu kehren.
Ganz persönlich: ...war das Jahr der lang erhoffte Quantensprung, auf den sich jetzt aufbauen läßt. Zwar ergaben sich nicht so viele Ausfahrten, Flüge und Flugstunden, wie erhofft, aber eine immense Vermehrung des Wissens und der Erfahrung sowie eine fliegerische Dimension, von der ich vor zwei Jahren noch nicht zu träumen gewagt hätte. Alles in allem ist der Grundstein für eine solide Basis gelegt, und das nicht zuletzt dank der neuen Umgebung. Und ich weiß, woran ich arbeiten muß und will, wo ich stehe, was für mich sinnvolle und motivierende Ziele sind und vor allem wo ich meine Grenzen zu setzen habe.
Und 1999 ?: Nineteen-ninety-nine, das Ende des Jahrzehnts, des Jahrhunderts, des Jahrtausends! Vor 10 Jahren flogen die ersten richtigen Gleitschirme, vor 100 Otto Lilienthal und vor 1000 wäre wohl jeder in den Kamin gekommen, der ernsthaft behauptet hätte, Menschen können fliegen. Und womit krönen wir das Jahrhundert des Fliegens - das Jahrzehnt des freien Fluges? 1000 Punkte in der Streckenflugmeisterschaft Gleitsegel? Das 200er FAI mit dem Schirm? Oder vielleicht mit einer Saison ohne Tote? Leider ist die dritte Möglichkeit die mit Abstand unwahrscheinlichste.