Geräteerfahrung:
FreeX BiPlace-Gemini
von Jürgen
Hruschka
Erfahrungsbericht
FreeX Gemini,
Startgewichtsbereich von 140 – 220 kg
Auf der Suche nach einem passenden Tandem für meine Frau und mich habe ich in
der Woche vom 18. - 24.05.02 den neuen Gemini im Oberallgäu
testen können. Hier der Bericht:
Nachdem es inzwischen eine Vielzahl an neuen und älteren Tandemmodellen auf dem
Markt gibt, diese jedoch für einen „Flachländer“ wie mich nur schwer zu
testen sind...leihen des Schirmes bei einer Flugschule, meisten kein Schirm vorrätig,
wenn Leihe dann eben nur für einen Tag usw...., die Anfahrt in die Berge mit
450 km in Kauf genommen werden muss und zu guter letzt auch das Wetter
mitspielen muss, war ich sehr erfreut, dass nach meinem Anruf bei Freex und der
Bitte mir den Gemini im obigen Zeitraum zur Verfügung zu stellen meine Wünsche
prompt erfüllt wurden. Sogar die Versendung direkt an meine Urlaubsadresse
klappte reibungslos.
Weniger
gut klappte es mit dem Wetter, immer zwischen den Kaltfronten den passenden
Zeitraum finden war nicht einfach. Aber dadurch bin ich bei allen fliegbaren
Wetterbedingungen mit dem Schirm in die Luft gekommen.
Der Schirmaufbau: 49 Zellen
in V+H Bauweise, 41,4 m² Fläche bei einer Spannweite von 14,67m und einer
Streckung von 5,2 ergeben selbst für einen Tandem ein schlankes
Erscheinungsbild. Ober- und Untersegel sind aus Porcher Nylon, ebenso die
Zellrippen. Alle Nähte innenliegend, gute Verstärkungen an der Eintrittskante
sowie den Aufhängepunkten der Leinen.
Die Verarbeitung macht einen guten Eindruck, Tragegurte und Bremsgriffe
sind nicht zu schmal, genügend versteift und hinterlassen einen nicht zu
schlabbrigen Eindruck. Die Tragegurte sind an der A-Leine mit einer
Ohrenanlegehilfe ausgestattet (Umlenkung 1:2), sowie am B-Gurt mit einer
Flaschenzughilfe für den B-Stall versehen. Die mitgelieferte T-Bar wirkt sehr
solide, gut verarbeitet, Klett für die Fixierung des Rettungsgurtes, sowie die
neuen Austri-Alpin Karabiner mit einer Bruchlast von 2,6 KN. Die Einhängemöglichkeiten
in die T-Bar sind allerdings begrenzt, nur eine Hauptaufhängungsmöglichkeit,
sowie eine Schlaufe für den Pilot und zwei Schlaufen für den Passagier. Diese
(Passagieraufhängung) erscheinen mir ein wenig zu eng beieinander zu liegen,
selbst in der untersten Aufhängung hatte ich den Kopf meiner Passagierin die
wesentlich kleiner ist als ich direkt vor der Nase und musste etwas seitlich an
ihr vorbeischauen.
Start: Auf einen Vergleich zum DHV-Test konnte ich nicht zurückgreifen,
da das Testprotokoll noch nicht veröffentlicht war. Das Auslegen des Schirmes
gestaltet sich als sehr einfach, ein leichter Rundbogen genügt, der Schirm
verlangt keine extreme Pfeilform um sauber aufzusteigen. Das sortieren der
farblich gut getrennten Stammleinen war einfach, lediglich im Stabilobereich ist
genaueres hinsehen erforderlich. Ich konnte bei meinen Tests den Schirm mehrfach
bei 0-Windbedingungen aufziehen, sowie bei seitlichem Wind aus 70 Grad und
thermischen Ablösungen von vorne. Bei jedem Start kam die Kappe sauber hoch,
ein Überschießen konnte ich nicht feststellen. Es genügte ein
kontinuierlicher Zug mit vorgespannten A-Leinen um die Kappe aufzuziehen. Ein hängen
bleiben konnte ich nicht feststellen. Nachdem die Kappe den Scheitelpunkt
erreicht hat, kann mit ca. 20-30cm gezogener Bremse de Startlauf bis zum abheben
beschleunigt werden, die Anlaufstrecke ist für einen Tandem relativ kurz.
Flug: Im Flug fühlte sich die Kappe mit einem Startgewicht von ca. 170
kg sehr satt an. Die Stabilität um die Achsen ist gut, der Schirm pendelt auch
bei Turbulenzen nicht zu sehr und lässt sich über die bremsen gut
stabilisieren. Der Steuerdruck ist im oberen Drittel angenehm nimmt aber dann ab
der Hälfte stark zu. Die Steuerwege sind bis zum Abriss mit ca. 110 cm sehr
lange, der Schirm lässt sich aber im oberen Bereich zwischen 20 und 50 cm sehr
gut steuern. Überrascht war ich von der Wendigkeit des Schirmes, flaches wie
steiles Kreisen gelingt problemlos, Aufwinde werden über die Kappe sehr gut
angezeigt, der Schirm dreht willig in die Thermik ein und lässt sich gerade
auch bei engen Aufwinden sehr gut flach zentrieren. Eine Neigung aus dem Aufwind
rauszudrehen habe ich nicht festgestellt. Beim Gleiten in einigermaßen ruhiger
Luft erreichte ich im Trimmspeed ca. 40/41 kmh, wobei die Bremsen nicht ganz geöffnet
sein dürfen, sonst taucht der Schirm zu schnell nach unten ab. Wingover lassen
sich sehr einfach einleiten und ausführen, eine Tendenz zum einklappen der Außenseite
habe ich nicht bemerkt. Klapper hatte ich keinen einzigen, es sollte jedoch erwähnt
werden, dass der Schirm aktives fliegen mag. Fliegt man passiv, ist schon die
ein oder andere kleinere Entlastung im Außenflügelbereich zu spüren, wobei
die Kappe trotzdem noch sehr spurtreu fliegt.

Manöver:
Ohren anlegen mit der Umlenkhilfe gelingt problemlos, die äußeren Flügel
entleeren dabei ganz gut, die Wiederöffnungstendenz ist mäßig und die
eingeklappten Ohren neigen nicht zum schlagen. Der B-Stall mittels Flaschenzug
ist einfach einzuleiten, ich habe dabei die bremsen losgelassen und die Griffe
des Flaschenzuges sehr zügig bis zur vorgegebenen Begrenzung runtergezogen.
Durch die Umlenkung ist der Anfangswiederstand nicht brachial hoch, nach etwa
der Hälfte des Zugweges klappt die Kappe sauber zusammen und lässt sich gut
halten. Eine Rosettenbildung ist nicht aufgetreten. Die Ausleitung sollte jedoch
sehr zügig erfolgen, da durch die Umlenkung der doppelte Weg benötigt wird.
Steilspirale habe ich nur ansatzweise getestet, also Einleitung eine Umdrehung
dann ausleiten. Durch seine hohe Wendigkeit geht der Schirm schon nach einem
Kreis unter kontinuierlichem Zug in die Spirale über, dann sofort setzen der Außenbremse,
wobei ich die Außenbremse fast gleichtief wie die Innenbremse gezogen habe.
Ausleiten, beide Bremsen gleichzeitig öffnen, die innere vielleicht einen Tick
schneller.
Landung: Die Landung ist bei 0-Wind sowie Gegenwind sehr einfach. Der
Schirm lässt sich sehr gut ausflaren, hier habe ich nun die besten Erfahrungen
damit gemacht, den Schirm im Endanflug mit ganz geöffneter Bremse, also nicht
wie im Trimmspeed leicht angebremst, bis ca. 1 m über den Boden fahren zu
lassen, dann, ohne die Bremsen zu wickeln zügig durchziehen und die Landung
wurde immer sehr sanft, auch bei 0-Wind mussten wir nur mäßig mitlaufen.
Fazit: Ein gelungener Tandemschirm, mit hohem Spaßfaktor und genügend
Sicherheitsreserven, gutem Start- und Landeverhalten, sowie einem überschaubaren
Aufbau für einen guten Preis von ca. 2500 Euro und einer Dreijahresgarantie.