Tandemgleitschirm
ADVANCE BiBeta³ (DHV 1-2 / DHV 1-2)
von
Thomas A. Gietl
Zunächst:
Ich bin kein Testpilot, erhebe auch nicht den Anspruch einer zu sein.
Ich fliege nur gerne und viel.
Persönliche
Geräteerfahrung:
- ADVANCE BiBeta
- UP PickUp
- UP Cab
- Airea Cargo (S)
- ADVANCE BiBeta²
Alleine in 2003 kann mein Flugbuch 83 Tandemflüge aufweisen, die ich überwiegend mit Fußgängern oder meiner Frau geflogen bin, hierbei waren auch mehrere kleine Strecken dabei.
ADVANCE BiBeta³:
Allzu
fundiert und in die Tiefe kann mein Feedback nicht ausfallen, da ich bislang
keine Möglichkeit hatte den BiBeta³ thermisch zu fliegen.
Lediglich Abgleiter
und kleinere Soaringflüge an einer hiesigen 80m-Kante waren bisher drin.
Um meinen Bericht zu vervollständigen habe ich mich mit dem neuen Tandem-Gleitschirm von ADVANCE auch an die Winde begeben um ebenfalls die dort entstandenen Eindrücke schildern zu können.
In diesem Bericht habe ich, wie gewünscht, meine ersten (rein subjektiven) Eindrücke wiedergeben.
Zunächst
fällt wie bei ADVANCE üblich die aufwändige Verarbeitung auf.
Das Segel weist jetzt ebenso wie beim Sigma5 und beim Omega5 teilweise geschlossene
Zellen auf. Beim BiBeta³ befinden sich die geschlossenen Zellen vor allem
am Ende der Flügelseiten.
Nächster
auffälliger Punkt ist der komplett neu gestaltete Tragegurt.
-
Am Tragegurt befindet sich auf der A-Ebene ein weißes Kügelchen,
welches Bestandteil der Ohrenanlegehilfe ist.
(dazu später mehr)
- Die Ohrenanlegehilfe ist mittels aufwändiger Klettkonstruktion mit dem Tragegurt verbunden und lässt sich auch vollständig entfernen.
- Weiterhin findet
man an der D-Ebene mittels Neopren verdeckte Trimmer.
(hierzu später auch mehr)
- Die Steuerschlaufen
sind an einem Wirbel angebracht, welcher ein Verdrehen der Steuerleinen verhindern
soll.
(damit hatte ich noch nie ein Problem – kann aber auch nicht schaden).
Bergstart:
Bisher ausschließlich Vorwärtsstarts.
Ist der BiBeta² bereits easy zu starten, kann man den 3er vielleicht sogar
als Startwunder bezeichnen.
Die Kappe füllt sich gleichmäßig, steigt zügig und sauber
über den Piloten. Ich hatte irgendwie den Eindruck, als würde sie
selbst oben stehen bleiben und müsste (rein theoretisch) nicht noch zusätzlich
angebremst werden.
Während der Aufziehphase lässt sich der BiBeta³ wunderbar korrigieren.
Die Startstrecke bezeichne ich selbst als kurz, obwohl bei den Starts kaum bis
0 Wind herrschte.
Die Abhebegeschwindigkeit würde ich als „identisch“ wie beim
BiBeta² bezeichnen.
Windenstart:
Ich hatte den BiBeta³ an der Winde selbst gestartet sowie als Windenfahrer
fungiert um die Starteigenschaften auch aus der Sicht des Windenfahrers beurteilen
zu können.
Über den Windenstart mit dem neuen ADVANCE-Tandem gibt es nichts außergewöhnliches
zu berichten.
Leichtes Starthandling, wie beim Bergstart, mit spurtreue und spontanem Umsetzen
von Steuerauschlägen geraten dem BiBeta³ an der Winde zum Vorteil.
Von der Perspektive als Windenfahrer kann ich auch nichts berichten, was irgendwie
auch nur ansatzweise negativ wäre.
Der BiBeta³ hat keinerlei Neigung zum hinten hängen bleiben, lässt
sich angenehm schleppen und setzt die geschleppte Strecke sauber in Höhe
um.
Ein kurzes Video mit einer Windenstart-Sequenz gibt es hier:
http://www.xc-flatlands.de/ADVANCE_BiBeta³0057.AVI
Flug:
Wie bereits erwähnt leider bisher ohne nennenswerte thermische Einflüsse.
L
Zunächst ist mir, genauso wie meinem Passagier (auch erfahrener Tandempilot) aufgefallen, dass die Trimspeed im Vergleich zum BiBeta², der auch nicht der langsamste ist, auffällig hoch ist.
Steuerdruck:
Die Steuerdrücke des BiBeta³ sind etwas geringer als beim Vorgänger.
Steuerausschläge werden spontan umgesetzt. Ich würde den BiBeta³
insgesamt als „leichtgängig“ bezeichnen.
Trimmer:
Natürlich
interessierte mich aufgrund der ausgiebigen Erfahrungen mit dem Vorgänger
das Trimm-System des neuen BiBeta³.
Das Trimm-System ist am D-Tragegurt angebracht, vollständig mit Neopren
abgedeckt, während oben und unten des Neoprens zwei Schlaufen zur Bedienung
des Systems hervorschauen.
Zum Starten hatte ich selbstverständlich die Trimmer vollständig geschlossen
(also nach unten gezogen).
Zum Lösen der Trimmer zieht man einfach an den oberen schwarzen Schlaufen,
wobei sich C- und D-Ebene leicht entspannen.
Die Geschwindigkeitszunahme ist deutlich spürbar und beträgt zur Trimspeed
von in etwa 36 km/h ungefähre 7-8 km/h.
Die Zunahme des Sinkens bei offenen Trimmern bleibt überschaubar.
Das Festziehen der Trimmer um den BiBeta³ wieder „angebremst“
zu fliegen benötigt im beladenen Zustand etwas Kraftaufwand, respektive
einen deutlichen Impuls.
Hierbei wird ganz gerne die Hinterkante des Segels kurz und kräftig belastet,
was jedoch keinerlei Störungen hervorruft
Ohren
Anlegen: Die
am A-Tragegurt angebrachte Ohrenanlegehilfe verdient diesen Namen zurecht.
Einfach die weißen Kügelchen fassen und gerade nach unten ziehen.
Der Kraftaufwand
hierzu ist minimal und erfordert keinen Besuch im Fitness-Studio.
Die Ohren kommen sauber runter, müssten jedoch gehalten werden um ein selbständiges
Öffnen zu verhindern.
Hier erschließt sich auch die Funktion der zunächst befremdlich anmutenden weißen Kügelchen.
Diese können
an einer Vorrichtung an der ADVANCE-T-Bar eingehängt werden.
=> Eine pfiffige Idee!
Das Sinken mit angelegten Ohren beurteile ich jedoch als „moderat“
(ca. 2,8 m/s).
Zusätzlich lassen sich jetzt noch die Trimmer öffnen um ein etwas
„besseres“ Sinken zu bekommen.
Gewichtsverlagerung:
Für einen Tandem reagiert der BiBeta³ unter Zuhilfenahme der Unterstützung
eines Passagiers bei der Gewichtsverlagerung überraschend gut.
Steilspirale:
Eine Umdrehung und schon ist man drin! Der BiBeta³ geht ums Eck, dass es
eine wahre Freude ist.
Die Spirale lässt sich über alle von mir erflogenen Werten sauber
dosieren. Beim Ausleiten sollte man etwas nachdrücken.
Rollen:
Nachdem
ich keine Acro-Lizenz habe fliege ich keine Wingover sondern „rolle“
lediglich ein wenig. ;)
Hier bestätigt
sich wieder die bei der Spirale erwähnte Wendigkeit des neuen BiBeta³.
Mit diesem Tandem zu „rollen“ ist Freude pur.
Er liegt satt in der Luft und zeigt keinerlei Macken.
Mehr kann ich dazu eigentlich schon gar nicht sagen.
Landung:
Bei der Landung macht sich wiederum die etwas höhere Trimspeed bemerkbar,
dürfte jedoch den halbwegs erfahrenen Tandem-Piloten vor kein Problem stellen.
Fazit:
Ein wunderschöner, spitze verarbeiteter Flügel, mit leicht anderem
Handling als dem BiBeta². In dem Paket befinden sich mehr Geschwindigkeit,
leichtere Steuerdrücke und mehr Dynamik.
Wenn sich jemand
findet, der mir meinen BiBeta² zu einem vernünftigen Preis abnimmt,
hätte ich bereits einen würdigen Ersatz mit dem BiBeta³ gefunden.
Ein Spaßflügel, der bestimmt auch das Potential für weitere
Strecken zu zweit hat.
Happy landinx
Thomas A. Gietl
www.xc-flatlands.de
P.S.: An dieser Stelle herzlichen Dank an Jochen Henrichs www.air-touch.de
, der mir den ADVANCE BiBeta³ zum ausgiebigen Testen zur Verfügung
gestellt hat!
www.advance.ch
http://www.advance-paragliders.com/data/BIBETA3 _dt.pdf