one day stand – APCO Presta S 12.4.2002
von Andy Kohn
Ostern in Bassano, das ist mittlerweile
Tradition geworden. Nach dem Wettbewerb wollte ich mich mal wieder von
einem 1-2er durch die Luft schaukeln lassen, Richy Roth hatte mir auf der
FreeFlight eine Woche zuvor einen
nagelneuen,
knallgelben Presta S mitgegeben. Ich dachte eigentlich, dass die Umstellung
auf das Gerät nicht allzu schwer würde, ist mein GT doch auch
ein gelber Schirm. Leider war ich recht krank über die Ostertage und
so wurde nicht allzu viel aus meinen ersten Flugtagen des Jahres. Am letzten
Tag ging´s mir endlich etwas besser und so habe ich dem kleinen gelben
Kerl doch noch gute zwei Stunden die Landschaft Norditaliens zeigen können.
Der S ist für 79-99 kg Startgewicht
angegeben, mit meinen knappen 85kg war ich also ziemlich im unteren Bereich.
Bei anderen Herstellern sind die S Größen wesentlich weiter
unten angesiedelt mag einer sagen. Da APCO aber auch noch einen XS anbietet
decken die vier Prestagrößen einen Startgewichtsbereich von
64 bis 130 kg ab. Wer also nicht gerade Kandidat für einen Tandemschirm
mit Solozulassung ist findet bei APCO einen Presta in seiner Größe.
Im Flug machte sich mein Gewicht
durch etwas gedämpfte Reaktion auf Gewichtsverlagerung bemerkbar.
Als Leichtgewicht ist man das gewohnt, sobald ich mich etwas deutlicher
und ein bisschen zügiger auf die Seite gelegt habe, ging der Kleine
auch ums Eck. Der Steuerdruck ist für mein Gefühl angenehm, im
oberen Bereich deutlich verzeihender als mein GT.
Seit ich das letzte mal einen 1-2er geflogen habe, hat sich in diesem Segment doch einiges getan. Jedenfalls war ich überrascht, war es doch eine wahre Freude war neben anderen Schirmen herzugleiten. Denn da muß man sich wirklich nicht schämen, im Trimmspeed gleiten Schirme aus allen Gütesiegelklassen heute wohl sehr ähnlich.
Anders allerdings, wenn man den Beschleuniger tritt. Hier besteht durchaus ein Unterschied zu den Hochleistern, auch wenn manche Leute manchmal völlig anderer Überzeugung sind. Dafür muß man im Beschleuniger aber wirklich keine Angst haben – sagte ich mir – denn es steht ja immer noch 1-2 drauf, und wo das drauf steht, muß es ja auch drin sein...
Aber lasst mich bei den normalen
Klappern beginnen, ihr wisst schon, Spannungskurve und so, man soll ja
auch noch weiterlesen.
Ich zog also mal am Tragegurt –
und es geschah, wie nicht anders zu erwarten, ein Klapper. Ich steuerte
gleich dagegen und war überrascht wie wenig da passiert war. Ich zog
noch einmal und noch einmal und hörte dann mal auf gegenzusteuern.
Ehrlich gesagt fand ich den Klapper etwas enttäuschend, was ein Karl
Slezak vielleicht eher als begeisternd beschreiben würde. Der Schirm
nickt leicht und dreht langsam etwas weg. Irgendwie hatte das ganze etwas
von der Atmosphäre in einem Aquarium, aber vielleicht ist das bei
heutigen 1-2ern so üblich. Also trat ich mal in den Beschleuniger
und machte das selbe Spielchen noch mal. Diesmal dreht der Schirm etwas
mehr weg, aber die Bewegung ist immer noch recht gedämpft, kein Ansatz
eines "losspiralens". Was einen an den Klappern erschrecken kann ist das
laute Geräusch, das Klapper eben so erzeugen. Meine Klapper mit dem
Presta haben mir auch das bestätigt, was ich für die Hauptunfallursache
bei 1-2er Klappunfällen halte: Panik. Die Piloten wissen nicht genau,
was sie da erwartet, haben schon viel von Klappern gehört und die
größte Angst ist bei vielen sicherlich, dass der Schirm anfangen
könnte, zu spiralen. Beim lauten Rascheln erschrickt man dann und
reagiert (womöglich falsch) auf eine Situation, die vielleicht gar
keine Reaktion erfordert hätte. Denn gefährlich ist das Verhalten
eines Schirmes wie der Presta nun wirklich nicht. Wer, vielleicht in einem
Performace Training oder durch häufiges Fliegen, gelernt hat ein bisschen
von dem zu verstehen, was sein Schirm ihm sagt, der wird mit einem Schirm
wie dem Presta keine Probleme in Sachen Klappern haben. Ein letztes zu
den Klappern: Ich hab dann noch ausprobiert was passiert, wenn man einfach
ganz dreist im Beschleuniger stehen bleibt. Der Schirm öffnet dann
verzögert und beginnt verhältnismäßig langsam zu drehen.
Kein spiralen.
Frontstalls sind ebenfalls problemlos, zieht man nur an den mittleren Leinen bildet der Presta eine schöne Frontrosette, die sich durch kurzes anbremsen schnell wieder öffnen lässt.
Da es an dem Tag ganz gut ging und noch ein nicht zu verachtender Wind wehte waren die Bärte durchaus etwas bockig. Ich bekam zwei Klapper und einen Frontstall, wobei sich der Schirm kaum anders verhielt als bei den simulierten. Lediglich der Frontstall war etwas dynamischer aber dennoch vollkommen problemlos.
Nun, über zwei Stunden Flug sollte man nicht allzu viel schreiben, sonst schreibt man viel Blödsinn. Vielleicht noch ein Satz zum Thermik und Steigverhalten: Der Presta steigt ganz hervorragend, das Kurbeln ist eine wahre Freude. Vor allem wenn´s steigt, klar.

In Sachen Verarbeitung liegt APCO weltweit wohl mit ganz vorne. Mit einem Kappengewicht von 7kg ist der Kleine nicht gerade leicht, das hat aber auch seine Gründe, gute Gründe...
Die Mylarverstärkungen sind sehr großzügig und sorgen für eine stabile Eintrittskante. Wie die meisten anderen Schirme auch arbeitet APCO mit Diagonalrippen und Querbändern zur Zugentlastung. Warum gerade das APCO Diagonalrippenkonzept das beste ist, lasst ihr euch bitte vom Hersteller erklären. Bei genauerem hinsehen fallen einem die schonen Details auf, die die oben genannte APCO Qualität ausmachen. Die Leinen sind aufwändig aber sehr solide mit der Kappe verbunden, an der Endkante wird das Tuch im Außenbereich beim anbremsen gerafft und die Wahl der Leinen macht einen gut überlegten Eindruck.
Das Detail, was den Presta konstruktiv
vom Mainstreamdurchschnittseinsbiszweier mit vier geschlossenen Zellen
unterscheidet ist, dass er eben solche nicht hat. Stattdessen haben sich
die Jungs etwas anderes einfallen lassen. Der Flügel hat in einigen
Zellen Ventile, die während Start und Flug geöffnet sind. Hat
man aber einen Klapper und somit erhöhte Strömung im Flügelinnern,
schließen diese Ventile. Dadurch wird die entsprechende Zelle steifer,
Klapper sollen so gedämpft werde. So hab ich das jedenfalls verstanden.
Ob die und wann die Klappen schließen und wie sich das auf das Klappverhalten
auswirkt kann ich nicht sagen, das müsste ein Testpilot beurteilen.
Es ist allerdings, wie oben beschrieben, sehr unproblematisch. Nicht ausgeschlossen
also, dass die Ventilklappenzellen dazu ihren Beitrag leisten.
Fazit: Guter Schirm.
That´s it! Wer mehr Infos braucht
klicke sich bitte auf www.apco-gleitschirme.de
weiter. Oder ihr ruft einfach Richy Roth an, der mit Auskünften schnell
und zuverlässig zu sein scheint.
Andy Kohn, der Schlechtflieger
Bilder: ImFlug_1 und 2: Und sie fliegen doch! Tragegurt: Der Tragegurt mit dem aufwändigen
Beschleunigersystem. Mylar: Jede Menge Mylar für die
Nase Endkante: Das beschrieben Prinzip zur
Raffung der Endkante Ventil: Wenn das Ventil schließt,
legt es sich von innen gegen das Gazenetz
Noch ein One Day Stand
Apco Presta S 19.5.2002![]()
von
Markus Schmidt
Angeregt von Andys Bericht und den schönen Probeflügen die ich mit Bagheera und Simba schon hatte war ich wirklich auf den Presta gespannt. Als 1-2er sollte er besser als die letztgenannten für mich als 50h/a Hobbypiloten geeignet sein und der Tegelberg bei Bedingungen von gemäßigt turbulent und 4m/s bis zu ruhigen Soaringbedingungen war am 15.5.2002 genau das richtige Revier.
Kompliment an dieser Stelle übrigens für den neuen Startplatz, der jetzt zwar nicht viel mehr Platz bietet als früher, aber sehr viel angenehmer zum Auslegen ist und der Rampenstress fällt auch weg. Gut gemacht, Schwangauer Drachenflieger und Tegelbergbahn!
Wie Andy habe ich nur knapp 85 Kg Startgewicht und so dachte ich mir könnten 8l Wasser mal nicht schaden. Scheißgrödel am Start und nur schwacher Wind. Ich zog also rückwärts mit Schmagges auf und wurde promt ausgehebelt. Anscheinend trägt der Schirm viel schneller als ich mir das so vorgestellt hatte, aber die Kontrolle war sofort wieder da. Der Presta zeigte sich hier sehr fehlerverzeihend.
In der Luft dachte ich am Anfang noch: mmmh ist der schön gedämft, nur die Wendigkeit ist so schlecht. Das hatte ich mir anders vorgestellt.... Da fiel der Groschen. Mein neuer Wassersack zwischen den Hauptkarabinern war zu kurz. Da hatte ich mir saubere Kreuzgurte fabriziert und Aushängen ist in der Luft doch eher was für Proto-Piloten oder Acrofanatiker
Ich als grober Gewichtsverlagerer war gezwungen hauptsächlich mit den Bremsen zu fliegen und anfangs traute ich mich nicht so recht ordentlich in die Eisen zu steigen. Aber, der Schirm macht einiges mit und als ich die Hemmungen fahren ließ war er auch gut zu fliegen. In der anfangs ruppigen Thermik kassierte ich auch zwei 60% Eintrittskante Klapper, weil ich noch nicht raushatte, dass man auf Entlastungen einfach deutlicher reagieren muss. Dann war die Sache gegessen und Schreck hatte mir das Verhalten nun nicht einjagen können.
Sehr
angetan war ich von der Gleitstrecke rüber zum Säuling. Hier spielt der Apco
1-2er seine Stärke voll aus. Bei flotter Trimmgeschwindigkeit legte er
beschleunigt noch mal 13 km/h zu ohne dass ich dabei ein ungutes Gefühl hatte.
Wie schnell das absolut war weiß ich nicht zuverlässig, aber die Augen
tränten hinter meiner normalen Brille wie sonst nur beim Skifahren.
Nachdem das Sinken dem entsprach was ich auch bei anderen Schirmen gemessen
hatte, sollte der Gleitwinkel super sein.
Drüben eingelandet befreite ich mich erst mal in zweifacher Hinsicht vom Wasserballast und konnte dann noch unbeschwert über eine Stunde im Hangaufwind rumachtern. Mit dem Hinterteil immer wieder knapp übern Schnee düsen und dann in einem zarten Wingover umdrehen, sich fühlen wie Richard Gallon in "Dune" und dabei Neuschwanstein in der Abendsonne sehen, das ist kaum zu überbieten.
Auch
der Weg zurück war ohne Ballast erstaunlich schnell und es blieb noch genug
Höhe abends um halb acht ein paar mal auch beschleunigt an den A-Gurten zu
reißen. Das Ergebnis war wie von Andy beschrieben, wenngleich ich es subjektiv
etwas heftiger sehe, weil ich nicht normalerweise einen Hochleister fliege.
Troztdem sehr überschaubar und für einen Leistungs 1-2er ohne Fehl und Tadel.
Spiralen ging super, die Ausleitung war bei 15 m/s selbständig.
Insgesamt
hat mir der Apco Presta S gut gefallen. Das Handling dürfte mit höherem
Gewicht und ohne blockierendem Wassersack nochmal besser sein. Im Gegensatz zu
Andy fand ich die Reaktion auf Gewichtsverlagerung gut.
Die Steuerkräfte steigen nach oben hin sehr deutlich an und wer den Schirm
versehentlich abreißt, dem ist nicht mehr zu helfen
Eher Apco typisch scheint mir der Presta mehr ein Leistungs- als ein Fun-Flügel
zu sein, ohne dass man am täglichen Fluspaß Abstriche machen müsste. Für
etwas ambitionierte Hobby-Piloten oder sicherheitsbewusste Routiniers geht an
einem Probeflug nichts vorbei.
DHV Testbericht Gleitsegel
| Musterbezeichnung | Apco Presta S | |
| Hersteller | Apco Aviation Ltd. | |
| Inhaber der deutschen Musterprüfung | Apco Aviation Ltd. | |
| Musterprüfnummer | DHV GS-01-0954-02 | |
| Klassifizierung | 1-2 GH | |
| Sitzzahl | 1 | |
| Windenschlepp | Ja | |
| Verhalten bei min. Fluggewicht (79 kg) | Verhalten bei max. Fluggewicht (99 kg) | |
| START | 1 -- 2 | 1 -- 2 |
| Füllverhalten | gleichmässig, sofort | gleichmässig, sofort |
| Aufziehverhalten | kommt sofort über Piloten | kommt sofort über Piloten |
| Abhebegeschwindigkeit | durchschnittlich | durchschnittlich |
| Starthandling insgesamt | einfach | einfach |
| GERADEAUSFLUG | 1 | 1 -- 2 |
| Trimmgeschwindigkeit | 35 km/h | 37 km/h |
| Geschwindigkeit beschleunigt | 47 km/h | |
| Rolldämpfung | hoch | hoch |
| KURVENHANDLING | 1 -- 2 | 1 -- 2 |
| Trudeltendenz | gering | gering |
| Steuerweg | durchschnittlich | durchschnittlich |
| Wendigkeit | durchschnittlich | durchschnittlich |
| BEIDSEITIGES ÜBERZIEHEN | 1 -- 2 | 1 -- 2 |
| Sackfluggrenze | durchschnittlich 60 cm - 75 cm | durchschnittlich 60 cm - 75 cm |
| Fullstallgrenze | durchschnittlich 65 cm - 80 cm | durchschnittlich 65 cm - 80 cm |
| Bremskraftanstieg | hoch | hoch |
| FRONTALES EINKLAPPEN | 1 -- 2 | 1 -- 2 |
| Vorbeschleunigung | durchschnittlich | gering |
| Öffnungsverhalten | selbständig verzögert | selbständig schnell |
| FRONTALES EINKLAPPEN (BESCHLEUNIGT) | - | 1 -- 2 |
| Vorbeschleunigung | - | gering |
| Öffnungsverhalten | - - | selbständig verzögert |
| EINSEITIGES EINKLAPPEN | 1 -- 2 | 1 -- 2 |
| Wegdrehen | 90 - 180 Grad | 90 - 180 Grad |
| Drehgeschwindigkeit | gering mit Verlangsamung | gering mit Verlangsamung |
| Höhenverlust | gering | gering |
| Stabilisierung | selbständig | einfaches Gegenbremsen |
| Öffnungsverhalten | selbständig schnell | selbständig schnell |
| EINSEITIGES EINKLAPPEN (BESCHLEUNIGT) | - | 1 -- 2 |
| Wegdrehen | - | 90 - 180 Grad |
| Drehgeschwindigkeit | - - | gering mit Verlangsamung |
| Höhenverlust | - | gering |
| Stabilisierung | - | selbständig |
| Öffnungsverhalten | - - | selbständig schnell |
| EINSEITIGES EINKLAPPEN UND GEGENSTEUERN | 1 -- 2 | 1 -- 2 |
| Stabilisieren | einfaches Gegenbremsen | einfaches Gegenbremsen |
| Steuerweg | durchschnittlich | durchschnittlich |
| Steuerkraftanstieg | hoch | hoch |
| Gegendrehen | einfach, keine Tendenz zum Strömungsabriss | einfach, keine Tendenz zum Strömungsabriss |
| Öffnungsverhalten | selbständig schnell | selbständig schnell |
| FULLSTALL (symmetrische Ausleitung) | 1 -- 2 | 1 -- 2 |
| FULLSTALL (asymmetrische Ausleitung) | 1 -- 2 | 1 -- 2 |
| TRUDELN AUS TRIMMGESCHWINDIGKEIT | 1 -- 2 | 1 -- 2 |
| TRUDELN AUS STATIONÄREM KURVENFLUG | 1 -- 2 | 1 -- 2 |
| STEILSPIRALE | 1 -- 2 | 1 -- 2 |
| Einleitung | einfach | einfach |
| Trudeltendenz | gering | gering |
| Ausleitung | selbständig | selbständig |
| B-LEINEN-STALL | 1 | 1 |
| Einleitung | einfach | einfach |
| Ausleitung | selbständig | selbständig |
| LANDUNG | 1 -- 2 | 1 -- 2 |
| Landeverhalten | einfach | einfach |
| ERGÄNZUNGEN ZUR FLUGSICHERHEIT | ||