Text: Udo Müller-Blümlein Fotos: Peter Körber
Nachdem schon viel über den Neuen 2er von Independence , den Akron, spekuliert wurde, hatte ich die Gelegenheit ,eines der ersten Seriengeräte„abzugreifen“. Ganz neu war der Akron, am Mittwoch per Post eingetroffen. Pünktlich zum German Cup am Wallberg holte ich den Gleiter bei Stefan Kurrle ab.
Der German Cup sollte die Gelegenheit sein den Akron M im Vergleich zu den anderen aktuellen Schirmen zu fliegen. Nirgends sind die Bedingungen für alle Piloten „gleicher“ als auf einen Wettbewerb. Leider war das Wetter mal wieder so, dass von 4 angesetzten Wettbewerbstagen nur 1 gewerteter Durchgang zustande kam. Und der war dann so stabil, dass für , die Siegerstrecke von 22km über 3,5 Stunden benötigt wurde. Nur am Rande möchte ich noch bemerken dass keiner der Piloten ins Ziel kam.
Ich nutzte die Gelegenheit um an den abgesagten Wettbewerbstagen, in das Stubai Tal zu fahren, damit ich in die Luft komme um mir ein Bild von dem Akron machen zu können. So konnte ich den Akron insgesamt ca. 5-6 h fliegen.
Als Gurtzeug verwendete ich
das neue Sup Air Cocoon. Ich habe den Schirm mit etwa 100 kg Startgewicht
nicht an der oben Startgewichtsgrenze von 105 kg geflogen. Der Akron hat
ausgelegt eine 6er Streckung. Projiziert 5,8 Punkte.
Die Kappe besteht aus 59 Zellen, wovon jede 3.Zelle aufgehängt ist. Die
ausgelegte Fläche beträgt 27,9 qm bei einer Spannweite von 12,9m.
Der Akron besitzt keine geschlossenen Zellen, außer im Stabilobereich.
Der Pilot hängt mit knapp 8,30m weit unter der Kappe, sodass der Akron wirklich als Langleiner bezeichnet werden kann. Die Tragegurte sind in 4 Ebenen aufgeteilt und es gibt keine geteilten A-Gurte, die meiner Meinung nach sowieso überflüssig sind. Die Bremsen sind an praktischen Magnetklips fixiert.
Start: Bereits beim
Auslegen fällt die große Streckung, des Akron M ins Auge. Ich bin ein
ausgesprochener Rückwärtsstarter so dass ich den Schirm auch nur Rückwärts bei
unterschiedlichsten Windgeschwindigkeiten und 0-Wind gestartet habe. Die
Kappe giert nur leicht, die ersten Meter auf Grund der Streckung, geht dann
aber zügig über den Piloten. Der Schirm bleibt in keiner Lage hängen. Das
Starthandling ist auch bei Starkwind (Landeplatz Stubai Tal bis zu 30 Km/h) so,
dass der Schirm gut über die D-Ebene zu kontrollieren ist und keinerlei
Schießtendenz hat. Aufgefallen ist mir nur, dass bei wenig Wind die Ohren
leicht verzögert öffnen, was aber in der normalen Startphase kein Problem
darstellt.
Flug: Schon auf den ersten paar Flugmetern fühlte ich mich unter dem Akron wohl. Die Steuerkräfte sind angenehm und nicht zu gering. Auf die Anlenkung der Bremse hat der Konstrukteur, Michael Nesler besonderes Augenmerk gelegt. Hier ist jede Zelle direkt angelenkt. Im Stabilobereich ist sogar zwischen den Zellen noch eine Bremsanlenkung. Der Akron lässt sich deshalb mit wenig Steuerleinenzug und zusätzlicher Gewichtverlagerung zügig und dennoch flach drehen. Anders als der Namen des Gleiters vermuten lässt, ist der Akron ein sehr gutes Thermikgerät. Er nimmt auch schwaches Steigen gut an. Die Kappe stellt sich bei Wind- und Thermikböen nicht auf und zieht sauber in den Bart. Auch beim Herausfallen aus einem Bart kippt der Akron nicht nach vorne, und verliert unnötig Höhe. In zerrissener Thermik bleibt der Schirm gut steuerbar und zieht sauber seine Kreise.
Der Akron will dennoch
aktiv geflogen werden. Denn die Ohren sind im Vergleich zur sehr stabilen Kappe
etwas weicher und wollen durch aktiven Flugstiel gestützt werden. Der Schirm
lässt sich mit einer Umdrehung in die Spirale ziehen. Ich bin die Spirale nur
bis ca.10 m sinken geflogen. Das Ohrenanlegen ist einfach und effektiv mit
Beschleuniger. Der Akron schlägt leicht mit den angelegten Ohren. Das hat mich
etwas gestört, hatte ich aber mit meinen Apco Bagheera auch. Einen B-Stall habe
ich nicht geflogen.
Einseitige Klapper bis zu 60 % habe ich provoziert. Der Schirm zieht wenig in die geklappte Richtung und lässt sich sehr gut auf Kurs halten. Großflächige Klapper müssen aktiv geöffnet werden, will man den Akron nicht andrehen lassen.
Fazit. Der Flügel hinterlässt schon auf Grund seines tollen Designs einen guten Eindruck. Auch die Flugeigenschaften haben mir gut gefallen und ich fühlte mich die ganze Zeit wohl unter dem 2-er Gerät. Besonders gut gefällt mir das Thermik –Handling. Mit dem Speed-Sensor von Bräuniger habe ich Trimm 37-38km/h gemessen. Beschleunigt legt der Akron gute 10 –12 km/h zu. Der Beschleunigerweg ist nicht lange und läst sich ohne großen Kraftaufwand betätigen. Bei vielen anderen Schirmen auf dem Markt kann der Beschleuniger oft nicht ganz genutzt werden da die Einhängung auf die Rolle im Gurtzeug stößt.
Der hier gezeigte Flügel hat eine weiße Eintrittskante. Zukünftig wird der Flügel wie die anderen Modelle von Independence eine graue Eintrittskante haben.Der Akron wird in 4 verschiedenen Farbdesigns zu haben sein. Der Gütesiegelbericht ist noch nicht verfügbar, sollte aber bald auf der DHV- Page abrufbar sein.
24.06.2003
Weite Infos unter www.independence-world.com