Geräteerfahrung:
UP Trango S
von Ulrike Bäuerlein
Gurt:
Supair Cocoon M
Startgewicht:
96 Kilo
Gewohntes
Gerät: Apco
Bagheera S
Bislang bevorzugtes Handling: Apco, Advance
Bedingungen: mäßig bis gut, pulsierende Frühjahrsthermik, windig
Ich fahnde nach einem Gütesiegel-Gerät im oberen Leistungsbereich, mit dem ich auch bei Wettbewerben mitfliegen kann. Meine wichtigsten Kriterien:
- hohe Wendigkeit (Spaß-Faktor)
- superdirektes, sattes Handling mit entsprechend kurzen Steuerwegen, daher auch
- oberster Gewichtsbereich
- hoher Geschwindigkeitsbereich und hohe Stabilität bei passablen
beschleunigten Sinkwerten und nicht zu hohem Trimmspeed
Wurscht ist mir: Optik, Design, Farbe, Flügelschnitt – er muss mir nur taugen!
Pünktlich zum Stubai-Cup kam UP mit dem neuen Serien-Hochleister, dem Gambit-Nachfolger Trango heraus, zunächst in der bereits mit DHV 2-3
zugelassenen Größe M (80-105 kg) Der äußerst schnittige Flügel im typischen UP-Design, erhältlich auch in der inzwischen heiß begehrten Farbkombination rot-schwarz auf dem Untersegel, erweckte sofort rundum brennende Neugier, was es für mich trotz rechtzeitiger Anfrage unmöglich machte, irgendwann zwischen Januar und März einen M zum Testen zu bekommen. Das Problem: Da Hochleister sich nicht gut verkaufen, schaffen sich die wenigsten Schulen einen zum Testen an. Die Investition ist relativ hoch und der Verkaufswert des Testschirms gering. Es kursieren also nur wenige Testschirme, die von UP Europe kreuz und quer an Händler und Interessenten verschickt werden. Also: rechtzeitig und mehrmals anfragen!
Für den Urlaub im März reichte es dann gerade noch: Pünktlich vor dem Abfahrtstag lag der ersatzweise versprochene Trango S im Hausflur, der Proto mit dünnen Leinen (inzwischen auch mit DHV 2-3 gütegesiegelt). Danke noch mal an Schorsch und Poddl!!
Zu den Größen sei gesagt: Ich fliege zwar gerne obergrenzig, aber beim Trango S ist es so, dass er laut UP von Werksseite eigentlich bis 85 Kilo angelegt war und nur durch den DHV-Gütesiegel-Test (der Pilot war einfach schwerer) bei 90 Kilo gelandet ist. Ich war also schon deutlich drüber, was das von mir so geschätzte direkte Handling noch etwas unterstützt hat!

Nett, gell? Trango High-Tech Riser, 12 mm (schmaler als mein kleiner Finger).
Wenn ich mich recht erinnere, hatte schon der Gambit C diese Tragegurte.
Das ist gar nichts für Leute, die etwa Apco- oder Advance-Tragegurte als „schlabberig“ bezeichnen – ich jedenfalls kann steife, störrische und dicke Gurte nicht ausstehen und war daher auch von den zarten Trango-Gurten sofort begeistert. Sonst alles tipptopp. Technische Details und Konstruktion siehe angehängte UP-Information.
Kurz: Traumhandling. Ich hatte noch nie einen Hochleister in den Fingern, der so easy zu starten ist (die Minoa- und Genesis-Zeiten sind wohl endgültig vorbei!!). Rückwärts bei fast null Wind, vorwärts bei leichtem Rückenwind – perfekt. Schirm füllt und steigt gleichmäßig, bei mäßigem Impuls auch kein Überschießen, kein Hängenbleiben, kein Ausbrechen bei Seitenwind, mäßige Abhebegeschwindigkeit – top!
Achtung, Wiederholung: Traumhandling. Du denkst an eine Kurve und der Schirm macht sie schon. Für manche sicher ein bisschen zu direkt – überhaupt keine Verzögerung, 1:1 Umsetzung. Der Schirm reagiert mit seinen kurzen Steuerwegen auf geringste Steuerausschläge – also Finger weg, wer etwas nervöser agiert oder gern mit deutlichen Steuerimpulsen arbeitet. Der Bremsdruck steigt nur mäßig an, wer will, der kann den Trango leicht abreißen. Der Schirm tut, was der Pilot andeutet, und zwar sofort.
Die satte Fläche mag mit meiner Überladung zusammenhängen, und vielleicht auch der Eindruck, den ich immer wieder hatte: Wenn’s dich damit zerlegt, dann geht aber richtig die Post ab. Da geht’s dann eben auch ohne Verzögerung zur Sache. Vom Gleiten red ich jetzt nicht, max Speed war für mich bei nicht ganz getretenem Beschleuniger (konstruktives Cocoon-Problem) bei 54 km/h, das reicht; Trimm 38 km/h (wäre mir eigentlich zu schnell, lag aber an der Flächenbelastung von knapp 4). Speed geht extrem leicht zu treten, auch mit einem Fuß (für mich wichtig).
Ein reiner Steigflügel. Schirm geht direkt in die Thermik, kein Graben, kein Aufstellen. Laufen lassen und steil reinstellen macht mir mehr Spaß als flach drehen und außenbremsen – und der Flügel scheint es auch zu mögen. Steigen beim Gleiten wird schön mitgenommen, leider konnte ich keine Vergleichs-Talquerung mit anderen Schirmen machen. Auch in kräftigeren Verhältnissen hatte ich kein Rascheln, geschweige denn irgendwelche Störungen. Es dauert eben bei der Belastung auch länger, bis was einsetzt.

OK, beim Spiralen geht er richtig prompt auf die Nase und zieht so dermaßen an, dass ich erst mal nachlasse und mich vorsichtig weiter vortaste...aber Respekt!! Mehr als 12,4 m/s (20 s int.) traute ich mich bei diesem Test-Schirm nicht; und wer das für albern hält, sollte es einfach mal probieren. Ist auch komisch, dass Schirme so unterschiedliche G-Kräfte in der Spirale entwickeln – dabei ist der Trango eher ein Kurzleiner (knapp 7m). Mir hat es da ganz schön die Ohren angelegt. Gemächliches Ausleiten war allerdings überhaupt kein Problem.
Ohren: Ganz leicht reinzuholen, bleiben schön drin und sind beim ersten Ruck wieder offen. Bin beim Sinken allerdings nur auf fünf Meter gekommen. Genial ist das Wing Overn mit Ohren nur über Gewicht, selten so viel Spaß gehabt beim Soaren – die Möwen haben ganz schön geguckt!
Zugegeben, ich habe nur eher zaghaft mal über Wasser an den A-Gurten gezogen, um zu gucken, was passiert, da hatte ich schon etwas Respekt vor meiner Beladung. Der Flügel kommt nach sehr großem Anfangswiderstand schlagartig rein und dreht sofort markant ab, öffnet prompt mit großem Knall (erschreckerschreck, klingt nach mehr!). Die Gegenseite dabei unbedingt aktiv unter Druck halten. Da zeigt sich dann schon ein zähnefletschender kleiner Wolf im Trango-Pelz – bei verzögerter oder ausbleibender Reaktion ist der massive Gegenklapper dank der Dynamik des Schirms wohl programmiert.
Das Meiste erfahren über Klapper mit dem Trango habe ich am Boden:
Der Schirm lässt sich sehr schön stützen und auch mit einem fetten Klappenr sauber in der Bahn halten, allerdings verkürzt sich der Arbeitsbereich merklich.
Wer einen top-aktuellen Hochleister mit entsprechenden Leistungsdaten und einem 1:1-Handling sucht, sollte den Trango unbedingt mit auf die Liste nehmen – superschnell, superdirekt, superwendig und superschön sowieso, obwohl gerade das zuerst Geschmackssache ist. An Spaßfaktor lässt er für mich nichts zu wünschen übrig – das könnte ein veritabler Escape-Nachfolger werden (wer den Flügel flog, vergisst ihn nie!!) Stressfaktoren würde ich in der richtigen Schirmgröße über Wasser noch mal austesten, bevor ich mich in die harte Thermik begebe.
Ich freue mich schon sehr drauf, den M bald mal zu fliegen und zu vergleichen; Ergänzung folgt dann.
Ulrike Bäuerlein
http://www.up-europe.de/trango/trangotab.html
Originaltext UP
„Im UP Trango spiegeln sich die Erfahrungen und Erfolge der weltweiten Wettkampfserien wieder. Innerhalb dieser Serien konnte das UP Entwicklungs- und Wettkampfteam neue Konzepte wirksam auf ihr Leistungs- und Sicherheitspotenzial testen.
Der
UP Trango besticht daher durch eine Fülle neuer technischer Innovationen, die
Sicherheit, Leistung und Handling entscheidend verbessern. Dadurch wird der UP
Trango zum idealen Cross-Country und Wettkampfschirm für alle erfahrenen und
ambitionierten Piloten.
Konstruktion
und Flugeigenschaften
Die Schirmkappe des UP Trango besteht aus jeweils 71 Zellen und 72 Profilrippen, von denen nur jede dritte Rippe mit Leinenansatzpunkten versehen ist. Um die auftretenden Kräfte optimal auf die nichtaufgehängten Rippen zu übertragen, kommen beim UP Trango spezielle V-Bänder zum Einsatz. Diese verlaufen von den Aufhängepunkten bis etwas zur Mitte der nächsten nichttragenden Zellzwischenwand. Das nachfolgende Band ist horizontal zwischen den Rippen gespannt und ein weiteres V-Band führt dann wieder zum nächsten Aufhängepunkt. Speziell für den UP Trango wurde das sogenannte „Honeycomb-Tape System“ entwickelt. Zusätzliche Bänder, die parallel zum Ober- und Untersegel verlaufen, bilden in Verbindung mit den V-Bändern eine wabenartige Struktur. Das „Honeycomb-V-Tape System“ erhöht vor allem die Kappenstabilität in turbulenter Luft und sorgt für ein ausgewogenes und sicheres Gesamtflugverhalten. In Verbindung mit der neuen Profilgeneration und einer speziellen, doppelt-geschwungenen 50% Linie erreicht der UP Trango ein exzellentes Thermikhandling und beste Steigeigenschaften bei allen Bedingungen.
Entwicklungen die bisher
ausschließlich dem Wettkampfbereich vorbehalten waren, wurden beim UP Trango
erstmals erfolgreich in der Serie umgesetzt. Neben der aufwendigen
Kappenkonstruktion stammen auch die zwölf Millimeter breiten, kevlarverstärkten
Tragegurte aus den erfolgreichen UP Competition-Modellen. Diese „High-Tech-Riser“
erhöhen das Leistungspotential des UP Trango im beschleunigten Flug und liefern
flache Polare über den gesamten Geschwindigkeitsbereich.
Ebenfalls
erfolgreich im Wettkampf getestet wurde das System aus geschlossenen Zellen,
welches markant die Eintrittskante prägt. Durch die höhere Profiltreue wird
die Leistung im beschleunigten Flug verbessert, ohne dabei das Start- und
Sicherheitsverhalten negativ zu beeinflussen.
Das
Handling des UP Trango ist einfach zu beschreiben: verzögerungsfrei und direkt.
Die Kappe setzt sofort jeden Steuerimpuls um wodurch der Schirm sehr feinfühlig
und mit wenig Bremsleinenzug geflogen werden kann. Diese Eigenschaft macht den
UP Trango zum wahren Spezialisten bei allen thermischen Bedingungen und lässt
ihn extrem schnell in schwacher und starker Thermik steigen.
UP
Trango SR
Um
die Leistung des UP Trango zu optimieren, hat UP eine spezielle Version des
Serien-Hochleisters entwickelt: den UP Trango SR. Diese Version bietet ein
Maximum an Performance durch den Einsatz spezieller „Wettkampfleinen“. Die
von der Firma Edelrid hergestellten Aramidleinen sind nicht umflochten und haben
daher einen sehr kleinen Durchmesser, der den Luftwiderstand deutlich reduziert.
Dadurch wird der UP Trango SR zum reinrassigen Wettkampfschirm mit der
Sicherheit eines Serienhochleisters.
UP
Acro
Kaum
ein anderer Bereich im professionellen Gleitschirmfliegen erlebt momentan einen
so großen Zulauf wie das Acrofliegen. Um den speziellen Anforderungen in diesem
Bereich gerecht zu werden, hat UP Europe eine speziellen Acro-Schirm entwickelt:
den UP Acro. Dieser Schirm basiert auf dem Konzept des UP Trango, wurde jedoch
eigens für das Acrofliegen getrimmt. SAT (Safety-Acro-Team) Pilot Peter
Brinkeby und Richard Gallon haben ihr ganzes Know-how in die Trimmung des
Schirms einfließen lassen. Das Ergebnis ist ein reinrassiger Acro-Glider, der
seine Stärken im „Negativ-Loop“, „SAT“, „Helicopter“ und allen
anderen Acrofiguren zeigt. Und selbst auf kleine Details wurde bei diesem Schirm
geachtet. So ist z.B. der Durchmesser der Stabiloleine im unteren Bereich extra
auf 4mm erhöht worden, um schnell und sicher die Leine fassen zu können. Die
auf zwei Ebenen begrenzte Leinengeometrie reduziert das Verhängen nach extremen
Acro-Manövern auf ein Minimum und die 25 Millimeter breiten Tragegurte sind für
extremste Belastungen ausgelegt. Um sicherzustellen, dass der Trango den
Belastungen des Acrofliegens standhält, wurde der Schirm beim DHV Lasttest
„open
end“ getestet. Dabei wurde mit der Größe M eine Kraft von 1890 daN
erreicht, was über dem doppelten Wert der DHV-Richtlinien liegt“.