Geräteerfahrung: SWING Astral
3.26
von Jürgen Hruschka
Erfahrungsbericht Swing Astral
3, Startgewichtsbereich 80 -105 kg
Auf der Suche nach einem passenden Nachfolger für meinen Mistral 2 habe
ich in der Woche vom 07. -13.10.02 den neuen Astral im Berner Oberland, Grindelwald,
First
testen können. Hier
der Bericht:
Nachdem ich meinen Astral im August von meiner Flugschule bekam, sprachen
Wetter und Zeit gegen erste ausgiebigere Flüge mit dem neuen Gerät. Es
blieb also erstmal beim testen am Übungshang, welches sich im Nachhinein
als eigentlich gut herausstellte. Hierzu mehr unter Start.
Weniger gut klappte es mit
dem Wetter, immer zwischen den Fronten , zuerst Nordwindeinfluß am südlich
ausgerichteten Startplatz, dann Bise und zuletzt Föhn den passenden Zeitraum
zu finden, war nicht einfach. Interessant war auch, daß ich zugleich winterliche
Startbedingungen testen konnte, der Startplatz war über die Hälfte der Woche
mit einer festen Schneeschicht bedeckt, das Tal hingegen grün. Aber dadurch
bin ich bei allen fliegbaren Wetterbedingungen mit dem Schirm in die Luft
gekommen.
Der Schirmaufbau: 66 Zellen, eine Fläche
von ca. 28,5 m², Spannweite 12,5 , Streckung 5,5. Das Obersegel ist aus einem
neuen Tuch der Fa. Perseverance, das Untersegel aus dem bekannten Torray
Nylon. Das Obersegel ist silikonisiert und fühlt sich sehr glatt an.
Die Verarbeitung macht einen guten Eindruck, Tragegurte und Bremsgriffe
sind nicht zu schmal, genügend versteift und hinterlassen einen nicht zu schlabbrigen
Eindruck. Ich verwende trotzdem noch aus dem Bergsportberich von der Fa.
Petzl entsprechende Gummiösen, die ich über die Tragegurtaufhängungschlinge
gestülpt habe. Die Gurte verrutschen somit nicht mehr, nachdem ich sie in
die Karabiner eingehängt habe. Die Tragegurte sind an der A-Leine aufgeteilt,
so daß das Ohrenanlegen mit einem separaten Gurt möglich ist. Das neue Obersegeltuch
ist nicht nur sehr glatt, sondern auch fast absolut faltenfrei, mein Mistral2
sah da auf der Oberseite noch wesentlich faltiger aus. Die Nähte sind allesamt
innenliegend, sauber vernäht und mit Schutzbändern versehen. Die Leinen sind
farblich nach Ebenen getrennt und neigen nicht zum kringeln und verknoten.
Trotzdem sollte man hier besonders die Galerieleinen beim sortieren im Auge
behalten.
Start: Den Start
konnte ich, zum Glück, zigfach am Übungshang ausprobieren. Die gleiche Starttechnik
wie beim Mistral2 angewendet erfuhr ich doch schnell, daß der Astral 3 ein
gänzlich anderes Startvehalten hat. Wie er im DHV Test dabei so gut abschneiden
konnte war mir Anfangs unerklärlich. Beim Vorwärtsstart überschoß der Schirm
fast ständig, welches nur mit massiven Bremseneinsatz zu korrigieren war.
Die Bremsen sollte man jedoch tunlichst schnell wieder lösen, da ansonsten
die Kappe sehr schnell nach hinten kippt und in der Folge der Startvorgang
abgebrochen werden muß. Bei den nachfolgenden Versuchen mit der Rückwärtsstarttechnik
fiel mir dann sehr schnell auf, daß der Schirm nur geringen Anfangsimpuls
mag, zieht man schon bei leichtem Wind mit zu starkem Impuls, schießt der
Astral sehr schnell hoch und überschießt vehement. Bei null Wind oder leichtem
Rückenwind kommt der Flügel jedoch sehr schön über den Piloten und muß fast
nicht abgebremst werden. Die besten Ergebnise erzielte ich vor- und rückwärts
indem ich beide A-Gurte zusammen nutzte. Nur bei starkem Wind konnte ich
mit den inneren A-Gurten ein besseres Startergebniss erzielen. Insgesamt
gesehen halte ich die DHV-Beurteilung 1 oder 1-2 schon für sehr beschönigend
für diese Startverhalten. Im Vergleich hat der Mistral2 die gleiche Startbenotung,
aber dieser hat sie denn auch verdient.
Flug: Im Flug fühlte sich die Kappe mit einem Startgewicht von ca.
98 kg sehr satt an. Die Stabilität um die Achsen ist ausreichend bis gut,
der Schirm pendelt bei Turbulenzen um die Querachse nicht zu sehr und lässt
sich über die Bremsen gut stabilisieren. Der Steuerdruck ist im oberen Drittel
angenehm, nimmt aber dann ab der Hälfte auffallend zu. Die Steuerwege sind
bis zum Abriss mittellang, der Schirm lässt sich aber im oberen Bereich zwischen
20 und 30 cm sehr gut steuern und setzt Steuerbefehle konsequent und sofort
um. Überrascht war ich von der Wendigkeit und Agilität des Schirmes, flaches
wie steiles Kreisen gelingt unter Hinzunahme des Körpergewichtes problemlos,
Aufwinde werden über die Kappe sehr gut angezeigt, der Schirm stellt sich
nicht oder kaum merklich auf dreht zügig in die Thermik ein und lässt sich
gerade auch bei engen Aufwinden sehr gut flach durch Hinzunahme der äußeren
Bremse zentrieren. Ein Graben konnte ich nicht feststellen. Ich finde er
ist ein sehr guter Thermikflügel. Eine Neigung aus dem Aufwind rauszudrehen
habe ich nicht festgestellt. Beim Gleiten in einigermaßen ruhiger Luft erreichte
ich im Trimmspeed ca. 36 kmh. Wingover lassen sich sehr einfach einleiten
und ausführen, eine Tendenz zum einklappen der Außenseite habe ich nicht
bemerkt. Klapper hatte ich keinen einzigen, es sollte jedoch erwähnt werden,
daß der Schirm wie auch schon der Mistral2 im Außenflügelbereich sehr weich
ist und die äußeren Zellen im Stabilobereich öfters mal reinklappen. Dies
halte ich aber nicht für sicherheitsrelevant. Ich bin bewußt eine längere
Strecke passiv geflogen, auch unter Hinzunahme des Beschleunigers verhält
sich die Kappe auch bei leichteren Turbulenzen erstaunlich stabil.
Manöver: Ohren anlegen mit der Umlenkhilfe
gelingt problemlos, die äußeren Flügel entleeren dabei gut, die Wiederöffnungstendenz
ist gleich null und die eingeklappten Ohren neigen nicht zum schlagen. Die
Ohren sind nur durch aktives wechselseitiges Bremsen wieder zu öffnen. Der
B-Stall ist einfach einzuleiten, nach etwa der Hälfte des Zugweges klappt
die Kappe sauber zusammen und lässt sich gut halten. Eine Rosettenbildung
ist nicht aufgetreten. jedoch hat der Astral eine dauernde Tendenz zur Wiederöffnung
und die Sinkrate ist nicht gerade toll, , sie lag bei ca. 6 m/sek. Die Ausleitung
sollte zügig erfolgen, Sackflugtendenz konnte ich nicht feststellen. Steilspirale
habe ich nur ansatzweise getestet, also Einleitung drei Umdrehungen dann
ausleiten. Durch seine hohe Wendigkeit geht der Schirm schon nach einem Kreis
unter kontinuierlichem Zug in die Spirale über, dann sofort setzen der Außenbremse,
wobei ich die Außenbremse fast gleichtief wie die Innenbremse gezogen habe.
Ausleiten, beide Bremsen gleichzeitig aber nicht zu schnell öffnen, wenn
der Schirm aus der Spiraldrehung raus ist, kann durch nachziehen der inneren
Bremse der Kurvenflug suaber ausgeleitet werden.
Landung: Die Landung ist bei 0-Wind sowie Gegenwind sehr einfach.
Der Schirm lässt sich sehr gut ausflaren, durch die gute Gleitleistung ist
jedoch die netsprechende "Ausgleitstrecke" gerade bei wenig Wind zu berücksichtigen.
Fazit: Ein gelungener Intermediateschirm, mit hohem Spaßfaktor und
genügend Sicherheitsreserven, gewöhnungsbedürftigem Start- und einfachem
Landeverhalten. Einigen Fliegerkollegen ist der Schirm "zu nervös und läßt
im Bauch ein komisches gefühl aufkommen", das scheint aber eher Swing-typisch
zu sein, wer´s mag kommt damit gut zu rande, mir macht es jedenfalls nichts
aus.