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One Week Stand: Swing Astral 3/26
von Bettina Ebeling

 

Küstensoaring in schwachem Wind. Verschnarcht dümpel ich im Nullschieber, plötzlich werd ich munter: Neben mir im selben lauen Lüftchen steigt lässig ein ausgeblichener Harmony, gefolgt von einem fossilen Relax. Nun gut. Wir müssen den Tatsachen ins Auge blicken: entweder ich hungere mich mittels Diät wieder in den legalen Startgewichtsbereich meiner geliebten kleinen Rennsemmel runter oder ich klettere auf Schirmgröße M. Variante zwei scheint mir weitaus weniger schrecklich...

Pilot: Bettina Ebeling

Flugpraxis: bin seit 98 Gelegenheitspilotin (fliege bei jeder Gelegenheit ;-)) 120-140 Flüge/Jahr, ungefähr so fifty-fifty an Berg und Winde.

Bisherige Schirme: Vision Classic, Blues S, Quarx 25.

Wunschzettel:
Ich suche einen unkomplizierten Schirm, der gut in der Thermik geht, drehfreudig mit direktem Handling und ordentlichem Startverhalten (keine Hängtüte). Mit meinem dzt. Startgewicht von ca. 97 kg lieg ich beim Astral 3/26 richtig schön mittendrin (80-105 kg).

Material:
Silikonisiertes Tuch am Obersegel, Tragegurte wie gehabt mit 4 Leinenebenen, Stabi-Leine auf B, farblich abgesetzt. Packsack: geräumig, robust und leicht, Spannbänder unpraktischerweise über den Reißverschlüssen.

"Test"-Flüge:
Küstensoaring in schwächerem und stärkerem Wind, Oktoberthermik bis 4 m/s im schönen Ligurien, eine kleine Strecke, paar Gleitflüge, Bodenspielereien.

Bodenhandling und Start:
Geteilte A-Gurte im Allgemeinen und diese langen fisseligen Swing-Tragegurte im Speziellen sind nicht so mein Fall, aber das ist Geschmackssache. Beim Sortieren verlangt er Aufmerksamkeit, vor allem die dünnen steifen Galerieleinen krangeln und verschlaufen gern.

Das Startverhalten selber ist unkompliziert und zuverlässig. Der Astral 3 gehört zu den Schirmen, die man ohne die A-Gurte in die Hand zu nehmen locker mit dem Hintern aufstellen kann, selbst bei Schwachwind. Der Schirm kennt kein Hängen (beste Voraussetzungen also auch für den Windenstart), kein Zurückkippen, kein seitliches Ausbrechen. Bei starkem Wind neigt er zum Hebeln, hier erzielte ich mit der D-Gurt-Technik „á la Mike“ die effektivste Stabilisierung.

Flug:
Der 26-er hat mit 25,6 qm projizierter Fläche rund zwei qm mehr als mein Mädels-Quarx, was sich in schwacher Thermik mit besserem Steigen bemerkbar machte, ohne dass ich das Gefühl hatte, mit einem Zirkuszelt unterwegs zu sein.

Das Feedback ist über die Gurte wesentlich deutlicher als über die Bremsen. Das macht sich schon in leicht bewegter Luft durch munteres Rappeln und Kippeln am Sitz bemerkbar. Alles was die Kappe oben „erlebt“ kommt 1:1 unten am Pilotenhintern an: Frühwarn-Vorteil einerseits, aber subjektiv nervöses Fluggefühl andererseits. Dies irritierte mich anfangs, weil es den ausgesprochen gutmütigen Grundeindruck vom Gerät etwas trübte. Erst als ich genervt meinen gewohnt weit offenen Brustgurt um 5 cm zuzog, wurde es besser.  Nach kurzer Gewöhnungszeit lernte ich dieses markante Anzeigen jedoch zu schätzen, weist der Astral 3 doch auf diese Weise sofort und nachdrücklich die Seite des besseren Steigens.

Manche Schirme, u.a. auch mein Quarx, „bevorzugen“ zum optimalen Zentrieren bestimmte Steuertechniken. Dem Astral 3 ist’s wurscht, er dreht flach oder steil, mit viel oder wenig Gewicht, und setzt jeden Zentimeter des recht langen, aber sauber definierten Steuerweges fein und präzise in Radius und Neigung um. Er neigt nicht zum „Rauskippen“ und braucht keinerlei Tricks, um ihn flach zu halten, man kann getrost reinlangen, „Graben“ kennt er nicht.

Zudem lässt er sich bei Bedarf extrem langsam machen: Nullschieberparken, Thermikstehen, Ballonfahren in engsten Bärtchen - unglaublich. Beim Aufsoaren aus Haushöhe in mickrigsten Bedingungen hab ich das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht gekriegt, abends konnt ich die Spaghetti quer essen.

Gleiten:
Hier gibts einen weiteren fetten Pluspunkt. Der Astral 3 gehört zu den Schirmen, die leicht beschleunigt ruhiger und stabiler laufen. Das Speedsystem ist ausgesprochen leichtgängig und selbst für meine Bürostelzen über längere Zeit mühelos zu halten. Der Schirm „erzieht“ einen buchstäblich dazu, mehr mit dem Beschleuniger zu arbeiten: Bei 10 bis 20 % zieht er wie auf Schienen durch leichtere Turbulenzen, störendes Buckeln und Kippeln sind auf ein Minimum reduziert.

Wenn’s klappert:
Trotz oder vielleicht wegen des oben beschriebenen „Weckdienstes“ über die Tragegurte steckt die Kappe selber doch einiges weg, bevor sie anfängt mit den Ohren zu wackeln. Von meinem Quarx knackig kurze Steuerwege und ebensolche Reaktionen gewohnt, hatte ich am Astral 3 anfangs das Gefühl, mit meinen Korrekturen ständig hinterherzuhinken. Bei ihm laufen Störungen viel weicher und langsamer ab, er braucht aber auch länger, bis der entsprechende Eingriff Wirkung zeitigt.

Bei zwei gezogenen Probe-Klappern (unbeschleunigt) drehte und kippte der Schirm gleichermaßen, aber gemächlich und ließ sich mit viel Steuerweg gradeaus halten. Der Klapper öffnet selbsttätig bis auf ca. Ohrengröße, dieses bleibt drin und muss aktiv ausgepumpt werden. „Naturklapper“ hatte ich keine.

Ohren anlegen:
Mit den geteilten Gurten leicht einzuleiten, aber im vorgegebenen Weg vergleichsweise uneffektiv. Größere Einklapptiefe ist nur durch Nachfassen erzielbar, damit greift aber hinten auch schon die Bremse, außer man lässt die Steuerschlaufen vorher aus, was aber absolut nicht mein Fall ist.  Halten braucht man die Ohren nicht, sie sind höchst anhänglich und müssen, am besten einzeln, nachdrücklich mit der Bremse rausgezottelt werden.

Spirale:
Prompt einzuleiten und schön dosierbar, kein abruptes Abkippen oder unbefohlenes Beschleunigen. Die subjektiv gefühlte Belastung bleibt moderat und gut erträglich, da drückt’s einem mit anderen Schirmen mehr die Augen nach innen, sogar bei 1-2ern.

Die erste Ausleitung geriet mir ein bißchen „sportlich“: Nachlassen der Innen- und Verstärken der Außenbremse wie gewohnt, ich warte noch auf den Punkt, wo er sich aufrichten will, da kreischt auch schon das Vario los: Er IST es längst und grad mörderlich am Wegsteigen.

Ooops, Brems..., grins...: Nachdrehen tut er also jedenfalls nicht.  Bei korrektem ;-) Timing ist die Ausleitung easy, und zweitens (wieder mal): Mit ungewohntem Gerät laaaaangsam an die Sachen rantasten.

Fazit:
Dranhängen und wohlfühlen. Der Astral 3 ist ein idealer Thermikschirm, seine Stärken sind das feine ausgewogene Handling, das geringe Kurvensinken und überhaupt die Steigleistung selbst in mickrigsten Bedingungen sowie die angenehmen Gleit-Eigenschaften. Mit seinem unkomplizierten Flugverhalten bietet er sich meines Erachtens auch zum „Einstieg“ in die 2er-Kategorie an

 

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